Brief des Vorstandsvorsitzenden zum 30. September 2006

das dritte Quartal 2006 war für die Deutsche Bank sowohl in finanzieller als auch in strategischer Hinsicht sehr bedeutsam. Zum einen haben wir den höchsten Gewinn nach Steuern erwirtschaftet, den wir je in einem dritten Quartal erreicht haben, obwohl die Marktbedingungen ungünstiger waren als im gleichen Vorjahreszeitraum. In den ersten neun Monaten dieses Jahres übertraf der Gewinn damit bereits den des gesamten Jahres 2005. Zum anderen haben wir die dritte Phase unserer geschäftspolitischen Managementagenda eingeleitet.

Nach den Schwankungen im Frühjahr kehrte im Berichtsquartal an den weltweiten Finanzmärkten eine gewisse Stabilität zurück. Das wieder gewachsene Vertrauen der Anleger spiegelte sich in der Erholung der Aktienindizes sowohl in den etablierten Märkten als auch in den Schwellenländern wider. Dazu trugen unter anderem die Verlangsamung des Wirtschaftswachstums in den USA und die nachgebenden Energiepreise bei, wodurch die Inflationsängste spürbar abnahmen. Insgesamt war das Berichtsquartal jedoch durch ein saisonüblich niedriges Aktivitätsniveau auf den Märkten geprägt. Dies entsprach zwar der normalen jahreszeitlichen Entwicklung im Juli und August, stand jedoch im Gegensatz zu den außergewöhnlich günstigen Bedingungen im dritten Quartal des letzten Jahres.

Die Erträge beliefen sich im dritten Quartal auf 6,4 Mrd € und der Gewinn vor Steuern betrug 1,8 Mrd €. Der Gewinn nach Steuern stieg um 25% auf 1,2 Mrd € und erreichte damit einen Höchststand für ein drittes Quartal. Die Eigenkapitalrendite vor Steuern (gemäß unserer Zielgrößendefinition) betrug 26% und das Ergebnis je Aktie (verwässert) verbesserte sich auf 2,45 €. Zusammen mit dem sehr zufriedenstellenden ersten Halbjahr führte dies dazu, dass alle wichtigen Gewinngrößen in den ersten neun Monaten bereits höher ausfielen als die Vergleichszahlen für das Gesamtjahr 2005: So betrug der Gewinn vor Steuern 6,3 Mrd €, der Gewinn nach Steuern 4,2 Mrd € und das Ergebnis je Aktie (verwässert) 8,11 €. Die Eigenkapitalrendite vor Steuern (gemäß Zielgrößendefinition) belief sich auf 32%.

Im Konzernbereich Corporate and Investment Bank (CIB) betrug das bereinigte Vorsteuerergebnis 1,1 Mrd €. Die Erträge aus dem Verkauf und Handel von Schuldtiteln und sonstigen Produkten waren die höchsten, die wir insbesondere mit strukturierten Kredit- und Zinsprodukten sowie am Geldmarkt jemals in einem dritten Quartal erwirtschaften konnten. Die Erträge aus dem Verkauf und Handel von Aktien blieben 32% hinter dem Wert des Vorjahresquartals zurück. Dies war vor allem auf den Eigenhandel zurückzuführen, obgleich dieser Bereich nach einem Minus im zweiten Quartal 2006 wieder mit einem Gewinn abschloss. Die Erträge aus dem Emissions- und Beratungsgeschäft waren 12% höher als im Vergleichszeitraum des Vorjahres, wozu ein Rekordquartal im Beratungsgeschäft und ein stark gewachsenes Platzierungsgeschäft bei Schuldtiteln beitrugen. Im Bereich Global Transaction Banking stieg das bereinigte Ergebnis vor Steuern um 25%, wobei vor allem die Bereiche Cash Management sowie administrative Wertpapierdienstleistungen (Trust & Securities Services) ein solides Ertragswachstum vorlegten.

Im Konzernbereich Private Clients and Asset Management (PCAM) ging das bereinigte Vorsteuerergebnis leicht auf 436 Mio € zurück. Die betreuten Kundenvermögen in PCAM wuchsen um 35 Mrd €, davon 13 Mrd € durch Zufluss neuer Anlagemittel. Im Unternehmensbereich Asset and Wealth Management (AWM) waren die Erträge gegenüber dem Vergleichszeitraum 2005 leicht rückläufig, was größtenteils auf den Verkauf des Vermögensanlagegeschäfts im Vereinigten Königreich zurückgeht. Andererseits ließen sich hierdurch auch Kosten verringern, womit die höheren Aufwendungen für Investitionen in AWM teilweise ausgeglichen wurden. Private Wealth Management machte zudem im Oktober mit der Übernahme der Tilney Group im Vereinigten Königreich einen großen Schritt auf diesem wichtigen Markt für Vermögensverwaltung.

Im Unternehmensbereich Private & Business Clients (PBC) standen wachsenden Erträgen aus dem Kredit- und Einlagengeschäft niedrigere Erträge aus dem Wertpapiergeschäft gegenüber. Bei den Aufwendungen wirkten sich die anhaltenden Investitionen von PBC sowohl in Europa als auch in Schwellenländern aus. Der im dritten Quartal vereinbarte Kauf der norisbank bringt unser Konsumentengeschäft in Deutschland ein gutes Stück voran. PBC verfügt damit über eine starke zweite Marke und erreicht über die zusätzlichen 98 Filialen rund 300.000 neue Kunden. Die Übernahmen der norisbank und der Berliner Bank sind wichtige Bestandteile unserer Strategie, auch in unserem Heimatmarkt profitabel zu wachsen.

Dank unseres erfolgreichen Kapitalmanagements konnten wir auch im dritten Quartal sowohl in geschäftliches Wachstum investieren als auch unsere Kapitalstärke erhalten und zudem für unsere Aktionäre Wert schaffen. Obwohl die Risikoaktiva um 9 Mrd € auf 271 Mrd € zulegten, erhöhte sich die BIZ-Kernkapitalquote auf 8,9%. Wir haben den Rückkauf unserer Aktie angesichts des Kapitalbedarfs für unsere jüngsten Übernahmen in abgeschwächtem Umfang fortgesetzt.

Seit 2002 verfolgt die Deutsche Bank eine Managementagenda mit klarem Fokus und eindeutig definierten Finanzzielen. Wir haben die ersten beiden Phasen unserer Strategie erfolgreich abgeschlossen. Nachdem wir in der ersten Phase unser Unternehmen schlanker gemacht haben, bauten wir in der zweiten Phase unsere Kerngeschäftsfelder aus und erzielten die angestrebte Eigenkapitalrendite von 25%.

Im Berichtsquartal haben wir die nächste Phase unserer Managementagenda eingeleitet, um aufbauend auf unserer globalen Präsenz das Wachstum des Deutsche Bank-Konzerns zu beschleunigen. Die Phase 3 unserer Managementagenda besteht aus vier Kernelementen:

  • Wir werden an dem disziplinierten Management von Kosten, Risiken und Kapital sowie der strikten Einhaltung aufsichtsrechtlicher Vorgaben festhalten;
  • wir werden weiter in unsere Kerngeschäftsfelder investieren, sowohl durch organisches Wachstum als auch durch gezielte, ergänzende Akquisitionen;
  • wir werden die Bereiche Global Transaction Banking und PCAM ausbauen, deren Ergebnisbeiträge vom Kapitalmarkt sehr geschätzt werden, und
  • wir werden unsere Wachstumsmöglichkeiten auf der Grundlage unserer führenden Marktstellung im Konzernbereich CIB noch stärker nutzen.

Nicht zuletzt wird es zur Steigerung des Unternehmenswerts entscheidend sein, die Kosten- und Ertragsvorteile aus der Zusammenarbeit der Geschäftsbereiche konsequenter zu erschließen. Dazu können wir auf unsere vorhandenen Stärken bauen: Wir sind unter den führenden Banken eine mit der weltweit stärksten Präsenz. Die Deutsche Bank ist in insgesamt 73 Ländern, darunter in den schnell wachsenden Schwellenmärkten, vertreten. Wir sind für einige wichtige Kundengruppen in unserer Branche der Finanzdienstleister Nummer eins und wir verfügen dank unserer strengen Risikodisziplin über Kapazitäten für zusätzliches Wachstum.

Die Phase 3 unserer Geschäftsstrategie folgt wiederum klar definierten Zielvorgaben. Für 2008 streben wir ein Ergebnis vor Steuern von 8,4 Mrd € an, womit wir unsere bekannten Ziele erreichen würden: ein prozentual zweistellig wachsendes Ergebnis je Aktie und eine nachhaltige Eigenkapitalrendite vor Steuern von 25% im mehrjährigen Durchschnitt. Dies würde uns auch die Fortsetzung unserer attraktiven Dividendenpolitik erlauben.

Der Blick richtet sich nach vorn. Wir freuen uns, dass sich die Belebung der Geschäftsaktivitäten aus dem September im Oktober fortgesetzt hat. Die Auftragslage im Beratungsgeschäft bei Fusionen und Übernahmen ist vielversprechend. Die Weltfinanzmärkte sind in robuster Verfassung und auch die Kapitalmärkte der Schwellenländer haben sich wieder erholt. Wir werden zudem das Geschäft mit unseren Privatkunden weiter ausbauen, wobei uns die jüngsten Investitionen in diesem Bereich zugutekommen sollten. Sofern die globalen Rahmenbedingungen für Konjunktur und Finanzmärkte stabil bleiben, sind wir zuversichtlich, dass wir unsere aktuelle Wachstumsdynamik beibehalten und unsere selbst gesteckten Ziele erreichen können. Auch in Phase 3 unserer Geschäftsstrategie wollen wir den Unternehmenswert für unsere Aktionäre nachhaltig steigern.

Mit freundlichen Grüßen


Josef Ackermann

Vorsitzender des Vorstands

und des Group Executive Committee

Frankfurt am Main, im November 2006


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