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Unternehmernachfolge: Aus nächster Nähe
Unternehmernachfolge: Aus nächster Nähe
Interview mit Wilhelm von Haller, Mitglied des Management Committee Deutschland und Geschäftsleitung Firmenkunden, Deutsche Bank AG, Frankfurt/M.

UMAG: Warum ist eine geregelte Nachfolge bei familiengeführten Unternehmen so wichtig?

Familienunternehmen haben ihr ganz eigenes Erfolgsmodell. Neben den traditionellen Stärken wie regionaler Verbundenheit, Kundennähe, flachen Hierarchien und kurzen Entscheidungswegen zeichnen Sie sich nicht selten durch eine besondere und durch die Eigentümer als Geschäftsleitung geprägte Unternehmenskultur aus. Derartige Werte lassen sich nur schwer bei einer externen Ad-hoc-Nachfolgelösung bewahren. Deshalb sollte das Thema Unternehmensnachfolge langfristig angegangen werden.

UMAG: Welche Rolle spielt in diesem Zusammenhang die Bank?

Als Hausbank kennen wir das Unternehmen und die handelnden Personen in der Regel schon mehrere Jahre, wenn nicht Jahrzehnte. Wir sind mit dem Unternehmer im Gespräch, und zwar nicht nur über die aktuelle Geschäftsentwicklung, sondern auch über wichtige strategische Aspekte und Zukunftsfragen. Dazu gehört, dass man die Nachfolge offen thematisiert: gibt es eine Nachfolgeregelung? Wer ist der potenzielle Nachfolger? Falls es bisher noch keinen Nachfolger gibt, wie sehen mögliche alternative Lösungen aus?

UMAG: Lassen Sie sich den Nachfolger vorstellen, wenn es soweit ist?

Natürlich möchten wir den potenziellen Nachfolger so früh wie möglich treffen. Ist eine familieninterne Nachfolgelösung geplant und der Nachwuchs schon im Unternehmen tätig, haben wir oft die Möglichkeit, ihn vor Eintritt der konkreten Nachfolgesituation im aktiven Geschäft zu erleben, zum Beispiel in leitender Funktion in der zweiten Managementebene oder als Geschäftsführer einer Tochtergesellschaft. Ebenso hat der Nachfolger die Chance, uns kennen zu lernen. Man baut also über einen längeren Zeitraum gegenseitiges Vertrauen auf.

UMAG: Wie gehen Sie mit den persönlichen Eigenschaften um, die sich als Erfahrungen und im Führungsstil zeigen?

Natürlich spielen Fähigkeiten und Erfahrungen des Unternehmers eine wichtige Rolle, die sich in bestimmten Schlüsselqualifikationen zeigen oder durch frühere berufliche Positionen mitgebracht werden. Die Betrachtung der eigentlichen Führungsqualitäten ist dabei vor allem dadurch bestimmt, den Einfluss des Unternehmers auf die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens einzuschätzen.

UMAG: Bei der Einschätzung von Firmenkunden spielen neben den Zahlen auch die sog. weichen Faktoren eine Rolle. Wie bewerten Sie Unternehmernachfolgen?

Auch sog. „weiche Faktoren“, wie die Einschätzung von Managementqualitäten, werden sich am Ende des Tages in „harten Zahlen“ wieder finden. Insofern ist es für uns schon von Interesse, wie der heutige Inhaber mit dem Thema Nachfolge umgeht. Sollte er erkennen, dass sich diese aus der Familie heraus nicht realisieren lässt, gilt es, trotz flacher Strukturen, potenzielle Nachfolger innerhalb des Unternehmens aufzubauen. Wichtig ist, dass das Problembewusstsein vorhanden ist. Wie auch immer die Lösung letztendlich aussieht, entscheidend ist das aktive Management der Nachfolgeregelung.

UMAG: Was wäre die Folge einer fehlenden Nachfolgelösung? Sagen Sie: Wir können die Geschäftsbeziehung mit Ihnen nicht fortführen?

Unsere Kunden und uns verbindet das Interesse an einer erfolgreichen Nachfolge. Mit Hinblick auf die Nachfolge in Familienunternehmen gilt es zunächst einmal festzuhalten, dass 92 % der Unternehmen dank weitgehend reibungsloser Übergaben intern oder extern weitergeführt werden. Diese Erfolgrate ist den jeweiligen Inhabern zu verdanken. Unser Ziel ist es, auch für die verbleibenden 8% erfolgreiche Unterstützung in Nachfolgefragen zu leisten. Sollte eine innerfamiliäre Übergabe nicht möglich sein, besteht eine Vielzahl an Optionen Nochmals möchte ich an dieser Stelle betonen, dass zunächst die aktive Auseinandersetzung mit dem Thema entscheidend ist. Erst in einem späteren Schritt kann entschieden werden, ob dann eine Stiftungslösung, eine Buy-Out- oder Buy-In-Option oder aber der Verkauf des Unternehmens an einen strategischen oder einen Finanzinvestor in Frage kommen. Hier besitzen wird die Expertise, einen substanziellen Beitrag zur Entscheidungsfindung zu leisten und Lösungen individuell umzusetzen.

UMAG: Was ist Ihnen bei Nachfolgern wichtig, die in einer Notlage in ein Unternehmen kommen?

So einfach die Frage aussieht, so schwierig ist sie zu beantworten. Entscheidend aber ist, dass er oder sie in der Lage ist, das Unternehmen zukunftsorientiert auszurichten und zu führen. Eine hohe Relevanz hat dabei in der Anfangsphase – insbesondere wenn es sich um einen externen Nachfolger handelt - die Begabung und Fähigkeit zur intensiven Selbstreflexion.

UMAG: Zum Schluss nochmals zum Unterschied zwischen Familienunternehmen und Konzernen. Bewerten Sie die Nachfolgethematik je nach Unternehmenstyp unterschiedlich?

Ein gutes Management bewerten wir grundsätzlich nach seinen Qualitäten. Am Ende des Tages nämlich findet eine ungeklärte Nachfolgekonstellation, wenn sie die Perspektive des Unternehmens beeinträchtigt, auch ihren Niederschlag in der Gesamtbonität eines Unternehmens. Dies gilt es, gerade in Familienunternehmen, frühzeitig zu vermeiden. Nachfolge ist ein Zukunftsthema, über dessen Erfolg bereits heute entschieden wird.


Die Fragen stellte Dr. Reinhard Nenzel
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