Adam zeigt uns, wie kraftvoll „anders denken“ sein kann.

Haben Sie schon einmal mit einem autistischen Kollegen zusammengearbeitet? Eher unwahrscheinlich, denn nach jüngsten Schätzungen sind z.B. in Großbritannien nur 16% der Autisten überhaupt erwerbstätig. Mit der Einrichtung eines Autismus-Praktikums ging es uns trotzdem nicht nur darum, ein zu wenig beachtetes soziales Problem aufzugreifen, sondern auch wirtschaftliche Vorteile zu nutzen.

Eine Sache des gesunden Menschenverstandes

Unterschiedliche Blickwinkel sind wichtig – das wissen wir alle. Autistische Menschen haben andere Denkmuster und verfügen damit über ein hohes Gut – leider müssen sie trotzdem überall auf der Welt darum kämpfen, geeignete Aufgaben zu finden. An Schulen und Universitäten werden Autisten in der Regel unterstützt, beim Start ins Arbeitsleben ist damit häufig Schluss, denn in den meisten Unternehmen wird ausschließlich mit neurotypischen Anwendungssystemen gearbeitet.

Auch Adam kämpfte nach seinem Abschluss darum, einen Arbeitsplatz zu finden. Im Jahr 2017 entdeckte er unser Angebot für Autisten und nahm erfolgreich am Programm teil. Heute arbeitetet er als Produktivitätsanalyst in unserem Equity Operations-Team und setzt sich außerdem dafür ein, dass ähnliche Programme in der gesamten Finanzbranche eingeführt werden.

Kleine Änderungen, große Wirkung

Seit 2016 bietet die Deutsche Bank in UK das 12-wöchige Praktikum für autistische Absolventen an. Sehr schnell haben wir dabei erkannt, dass nur kleine Anpassungen nötig sind, um autistischen Menschen ein Arbeitsumfeld zu bieten, in dem sie ihre Fähigkeiten entfalten können.

Das fängt bei dem Test an, der im Rahmen eines Bewerbungsprozesses absolviert werden muss, und für Autisten häufig bereits die erste unüberwindbare Hürde darstellt. „In der Regel sind Bewerbungstests zeitgesteuert und gehen davon aus, dass es ein Gleichgewicht von Stärken und Schwächen gibt und sich dementsprechend die Bearbeitungszeit auf die Arbeitsleistung auswirkt. Das trifft für neurodiverse Menschen nicht zu.“

In der Konsequenz bedeutet das, dass viele hochqualifizierte Absolventen, keine Chance haben, den Test erfolgreich zu bestehen und ihre Fähigkeiten unter Beweis zu stellen

Gleiche Chance für alle

Beim Einstellungstest für das Praktikum für autistische Menschen ersetzen wir deshalb zeitgesteuerte Antworten und Gruppenbewertungsszenarien durch eine Reihe von Fragen, bei denen die Absolventen eine Woche Zeit haben, um zu antworten. Die Auswertung der Ergebnisse bildet dann die Grundlage für Einzelgespräche.

Jeder erfolgreiche Bewerber bekommt einen Mentor. Vorgesetzte und Kollegen erhalten in Trainings außerdem Tipps und Hinweise für eine effektive Zusammenarbeit. Bereits kleine Veränderungen wie flexible Arbeitsweisen und eine verbesserte Kommunikation zeigen hier große Wirkung.

„Gute Führungskompetenzen sind im Prinzip das Wichtigste. Klare Kommunikation und aktives Zuhören – davon profitiere nicht nur ich, sondern alle“, sagt Adam.

Nachhaltige Inklusion

Für Adam bedeutet das Programm eine unersetzliche Erfahrung. Er selbst hat jetzt bankweit Networking-Veranstaltungen für Mitarbeiter initiiert – für autistische Kolleginnen und Kollegen, aber auch für Manager die eine integrativere Arbeitsumgebung schaffen möchten. Vor einiger Zeit hat er sein Konzept auch anderen Branchenexperten präsentiert.

„Ich habe mir sehr viel fachliches Wissen angeeignet und meine Kommunikationsfähigkeiten deutlich erweitert. Ein Arbeitsplatz ist ein wichtiger Beitrag zur Integration. Seit ich hier arbeite, ist mein Selbstbewusstsein regelrecht in die Höhe geschnellt.“

Aber die persönliche und berufliche Entwicklung von Adam ist längst nicht der einzige Vorteil des Programms, das sich für unsere Bank insgesamt positiv ausgewirkt hat. 83% der Teilnehmer sind auch nach drei Jahren noch feste Mitarbeiter unserer Bank. Und das Programm ist so erfolgreich, dass es ab Sommer 2019 auch in den USA angeboten werden wird.

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