Vor 10 Jahren nahm sie mit der Pleite von Lehman Brothers rasant Fahrt auf, die schwerste Finanz- und Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit. Die Übertreibungen an den US-Immobilienmärkten, die sich in den Monaten davor immer deutlicher abzeichneten, ließen den Hypothekenmarkt zusammenbrechen und mündeten in die internationale Finanzkrise. Ihre toxische Kraft entfaltete sich in den vergangenen Jahren auf vielen anderen Märkten: Es folgten die irische Immobilien- und Bankenkrise, die spanische Immobilien- und Bankenkrise, die Turbulenzen des europäischen Finanzsystems, die Krisen der Unternehmenskredite griechischer und italienischer Banken, die südeuropäischen Staatsschuldenkrisen und die Krise der Seeschifffahrt und der auf Schiffsfinanzierungen spezialisierten Banken.

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Die Lehman-Krise war ein Weckruf

„2008 war ein Wendepunkt: Die Menschen begannen, an der Globalisierung zu zweifeln, und die Aussicht auf Deglobalisierung wurde real“, sagt Harold James. Im Video spricht der Wirtschaftshistoriker über langfristige Folgen der Finanzkrise.

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Economy Views: Globale Risiken – globale Regeln

„Unsere Aufgabe besteht darin, Risiken einzugehen und zu steuern,“ sagt Sylvie Matherat, Chief Regulatory Officer der Deutschen Bank. Sind Banken heute wirklich sicherer als vor 10 Jahren? Und wie sollte die Regulierung in Zeiten geopolitischer Unsicherheiten und wachsendem Nationalismus aussehen?

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10 Jahre nach Lehman: Wie sich die Bankenwelt seit 2008 durch neue Technologien verändert hat
Nur einige Monate vor dem Zusammenbruch von Lehman Brothers kam mit dem App Store von Apple ein neues technologisches Konzept auf den Markt: eine Vertriebsplattform für Anwendungssoftware. Neu war, dass die Anwendungen dabei zum großen Teil nicht von Apple selbst sondern von Drittanbietern und freien Entwicklern stammen. Zehn Jahre später ist diese Idee eines digitalen Marktplatzes auch in der Diskussion um die Zukunft des Bankgeschäfts angekommen. mehr

10 Jahre nach Lehman: Klaus Kaldemorgen über „die größte Bedrohung für die Finanzstabilität“
In einem Interview mit FONDS professionell erzählt DWs-Fondsmanager Klaus Kaldemorgen, wie er die Lehman-Pleite erlebt hat und betont, dass die Bankenregulierung überwiegend richtige Schlüsse aus der Krise zog, was zu einem stabileren Finanzsystem beigetragen hat. mehr

10 Jahre nach Lehman: „Zum Bewerbungsgespräch müssen Studenten heute nicht mal ihr Wohnheim verlassen“
Faye Woodhead aus der Personalabteilung erklärt, wie die Deutsche Bank heutzutage neue Mitarbeiter anwirbt. mehr.

10 Jahre nach Lehman: Es ist nahezu unmöglich zu prognostizieren, wann eine Krise eintritt oder wie dramatisch sie wird
Jim Reid von Deutsche Bank Research über das Besondere an der Krise, die Lernkurve von Ökonomen und das, was ihn persönlich 2008 schockiert hat. mehr.

10 Jahre nach Lehman: Es wurde viel dafür getan, das Finanzsystem zu stärken, so Sylvie Matherat
Im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa sagte das Vorstandsmitglied, dass die Finanzwelt heute deutlich stabiler ist. mehr.

10 Jahre nach Lehman: Die Banken haben viele Hausaufgaben gemacht
Jan Schildbach von Deutsche Bank Research über die unterschiedliche Entwicklung der Banken in Europa und den USA seit 2008. mehr.

Stuart Lewis im Interview: Eine sichere Bank
In den vergangenen 10 Jahren hat die Deutsche Bank ihre Bilanz verkürzt und die Risiken darin deutlich reduziert – insbesondere solche Risiken, die während der Finanzkrise vor einem Jahrzehnt einer Reihe von Großbanken zugesetzt hatten. „Ich kann durchaus sagen, dass die Deutsche Bank eine sichere Bank ist“, sagt Risikovorstand Stuart Lewis im Interview mit der italienischen Zeitung Il Sole 24Ore. Lesen Sie das gesamte Interview in englischer Sprache hier.

Eine Chronik wichtiger Ereignisse und Maßnahmen seit 2008

Was zunächst 2007 als ein regionales Beben am US-Hypothekenmarkt begann, löste in den folgenden Monaten und Jahren Erschütterungen aus, die beinahe im monatlichen Rhythmus Immobilienfinanzierer, Banken, Versicherer und Fonds stark beschädigte. Nach dem Zusammenbruch der 1850 in Alabama von deutschen Auswanderern gegründeten US-Investmentbank Lehman Brothers gab es kein Halten mehr. Die globale Finanzkrise nahm ihren Lauf.

15. September 2008

Lehman Brothers stellt einen Insolvenzantrag. Dies führt weltweit zu Turbulenzen an Börsen und Märkten

17. September 2008

Die US-Regierung gewährt dem weltgrößten Versicherer AIG einen Kredit über 85 Milliarden US-Dollar

18. September 2008

US-Notenbankchef Ben Bernanke bittet den US-Kongress, einem 700-Milliarden-US-Dollar-Rettungspaket zum Kauf hypothekenbesicherter Wertpapiere zuzustimmen

22. September 2008

Goldman Sachs und Morgan Stanley wollen künftig als reguläre Handelsbanken auftreten und bitten die US-Notenbank (Federal Reserve) um Schutz

25. September 2008

Die größte US-Sparkasse Washington Mutual bricht zusammen und wird von JP Morgan Chase aufgefangen

29. September 2008

Der Aktienmarkt bricht zusammen, nachdem das US-Repräsentantenhaus das Rettungspaket ablehnt

29. September 2008

Zur Stabilisierung des Finanzmarkts verdoppelt die Federal Reserve ihre Währungsswaps mit Zentralbanken in Europa und Japan auf 620 Milliarden US-Dollar. Weltweit sind Regierungen gezwungen, die eingefrorenen Kreditmärkte liquide zu halten

30. September 2008

In Irland stehen die sechs größten Banken kurz vor dem Zusammenbruch. Die irische Regierung beschließt eine Garantie von 400 Milliarden Euro für alle Einlagen. Die Verschuldungsquote in Irland und vielen anderen Euro-Ländern steigt

3. Oktober 2008

Der US-Kongress stimmt dem 700-Milliarden-US-Dollar-Rettungspaket zu und legt ein Programm namens „TARP“ auf (Troubled Asset Relief Program)

5. Oktober 2008

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Peer Steinbrück garantieren vor laufenden Kameras die Sicherheit der Einlagen der deutschen Sparer bei heimischen Kreditinstituten

6. Oktober 2008

Der Deutsche Aktienindex DAX stürzt um mehr als sieben Prozent ab, der Dow Jones Index verliert zwischenzeitlich mehr als 800 Punkte

7. Oktober 2008

Die Federal Reserve stimmt der Vergabe von kurzfristigen Krediten für Unternehmen zu, falls sie diese nicht anderweitig bekommen

7. Oktober 2008

Die EU-Finanzminister beschließen, „systemrelevante Finanzinstitute“ zu unterstützen und europaweit Spareinlagen von mindestens 50.000 Euro zu garantieren

8. Oktober 2008

Sechs große Nationalbanken senken gemeinsam die Leitzinsen. Die Märkte beruhigen sich nur kurzfristig

12. Oktober 2008

Die Mitgliedsländer der Eurozone einigen sich auf gemeinsame Regeln für nationale Rettungspläne zugunsten des Finanzsektors, um Banken vor dem Zusammenbruch zu bewahren

13. Oktober 2008

Die Bundesregierung einigt sich auf den neuen Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (SoFFin) in Höhe von 480 Milliarden Euro. Auch Frankreich, die Niederlande, Österreich und Spanien beschließen milliardenschwere Rettungs- und Stützungspakete für den Finanzsektor

15. Oktober 2008

Die USA geben das größte Handelsdefizit ihrer Geschichte bekannt

16. Oktober 2008

Die UBS bekommt sechs Milliarden Franken aus dem Staatssäckel der Schweiz. Darüber hinaus besichert ihr die Schweizerische Nationalbank die Auslagerung fauler oder illiquider Wertpapiere in Höhe von 60 Milliarden US-Dollar

17. Oktober 2008

Das Finanzmarktstabilisierungsgesetz (FMStG) tritt in Kraft – das schnellste jemals verabschiedete Gesetz in Deutschland. Es trägt in der Folge maßgeblich zur erfolgreichen Stabilisierung des deutschen Finanzmarkts bei

24. Oktober 2008

In Asien einigen sich 13 Staaten auf ein gemeinsames Rettungspaket für die Finanzbranche mit einem Volumen von 80 Milliarden US-Dollar

12. November 2008

Das US-Finanzministerium arbeitet mit der Fed zusammen, um Geld aus dem Rettungspaket für Konsumentenkredite zu verwenden. Der Markt für Kreditkarten, Autos und Studienkredite mit einem Volumen von einer Billion US-Dollar war zuvor zum Erliegen gekommen

14./15. November 2008

Die G20-Gruppe etabliert sich als das zentrale Koordinationsforum der globalen Wirtschafts- und Finanzpolitik. Die Staats- und Regierungschefs schnüren in Washington D.C. erstmals ein umfangreiches Maßnahmenpaket, mit dem der Absturz der Weltwirtschaft verhindert und das internationale Finanzsystem stabilisiert werden soll

25. November 2008

Das US-Finanzministerium gewährt Citigroup eine Geldspritze über 20 Milliarden US-Dollar

26. November 2008

Die Fed gewährt Fannie Mae und Freddie Mac 800 Milliarden US-Dollar für den Kauf von hypothekenbesicherten Wertpapieren und Konsumentenkrediten

19. Dezember 2008

Das US-Finanzministerium steuert 105 Milliarden US-Dollar für den TARP-Fonds für acht Banken bei und erhält im Gegenzug Vorzugsaktien

8. Januar 2009

Die Commerzbank geht unter den Rettungsschirm. Die Bundesregierung übernimmt 25 Prozent plus eine Aktie

12. Januar 2009

Die US-Banken haben seit Beginn der Hypothekenkrise 2007 mehr als eine Billion US-Dollar verloren

13. Februar 2009

US-Präsident Obama initiiert ein Konjunkturprogramm im Umfang von 797 Milliarden US-Dollar, um Steuern zu senken, Arbeitslose zu unterstützen und öffentliche Bauaufträge sofort zu finanzieren

18. Februar 2009

Um Zwangsversteigerungen zu verhindern, stößt Obama die Homeowner Stability Initiative mit einem Budget in Höhe von 75 Milliarden US-Dollar an. Damit sollen Immobilienkredite refinanziert werden, bevor sieben bis neun Millionen Hausbesitzer zahlungsunfähig sind

März 2009

Der Dow Jones sinkt auf 6594,44 Punkte – ein Verlust von 53,4 Prozent seit seinem Höhepunkt von 14.164,43 Punkten am 9. Oktober 2007 und der größte Absturz seit der Großen Depression 1929

2. April 2009

Beim Weltfinanzgipfel in London beschließen die G20-Staaten strengere Kontrollen und Regeln für die internationalen Finanzmärkte und stellen 1,1 Billionen US-Dollar für Hilfen zugunsten ärmerer Länder bereit

August 2009

Das Gesetz zur Stärkung der Finanzmarkt- und Versicherungsaufsicht in Deutschland tritt in Kraft

Oktober 2009

Die Arbeitslosenrate in den USA steigt auf 10 Prozent – der höchste Wert seit der Rezession im Jahr 1982

10. Mai 2010

Die Europäische Währungsunion gerät zunehmend unter Druck, weil die Refinanzierungskosten durch die Schuldenkrise in Griechenland und anderen Euro-Ländern steigen. Um die Lage zu stabilisieren, kauft die EZB erstmals Staatsanleihen einzelner Länder

7. Juli 2010

Das Europaparlament beschließt strengere Regeln für Banker-Boni

21. Juli 2010

Der Dodd-Frank Wall Street Reform and Consumer Protection Act (Dodd-Frank Act) tritt in Kraft. Er verändert das Finanzmarktrecht der USA grundlegend

Juli 2010

Gesetz zur Vorbeugung gegen missbräuchliche Wertpapier- und Derivategeschäfte (Deutschland) tritt in Kraft

23. Juli 2010

Beim europäischen Bankenstresstest fallen 7 von 91 Banken durch

Januar 2011

Gründung der drei Europäischen Aufsichtsbehörden im Rahmen des Europäischen Finanzaufsichtssystems EBA, EIOPA und ESMA

8. August 2011

Die EZB kauft verstärkt Staatsanleihen von Italien und Spanien

Juni 2012

Spanien und Zypern beantragen Hilfen aus dem Euro-Rettungsschirm

26. Juli 2012

EZB-Chef Mario Draghi beruhigt die Märkte: „Die Zentralbank wird alles tun, was nötig ist, um den Euro zu retten“

August 2012

Die Verordnung über außerbörslich gehandelte Derivate (EMIR) tritt in Kraft. Damit sollen systemische Risiken im europäischen Derivatemarkt eingedämmt werden

1. Januar 2013

Basel III tritt in Kraft. Ziel der Reform ist es, mit strengeren Regeln für Eigenkapital und Liquidität die Resilienz des Bankensektors in Stresssituationen zu erhöhen und so die Gefahr zu verringern, dass sich Probleme im Finanzsektor auf die Realwirtschaft auswirken

1.Januar 2013

Gesetz zur Stärkung der deutschen Finanzaufsicht tritt in Kraft

Mai 2013

Das Hochfrequenzhandelsgesetz stellt neue Regeln auf, um Gefahren und Missbrauch im Hochfrequenzhandel zu verhindern

Juli 2013

Die Capital Requirements Directive IV (CRD IV) soll für eine quantitativ und vor allem qualitativ bessere Eigenmittelausstattung der Institute sorgen und wird erstmals EU-weit harmonisierte Liquiditätsanforderungen stellen

5. Juni 2014

Die EZB beschließt Strafzinsen für alle Banken, die ihr Geld bei ihr parken, statt Kredite auszugeben.

4. November 2014

Durch den Einheitlichen Bankenaufsichtsmechanismus (Single Supervisory Mechanism, SSM) übernimmt die EZB die europäische Bankaufsicht

18. Dezember 2014

Der EU-Gipfel billigt das milliardenschwere Wachstumspaket von EU-Kommissionspräsident Juncker

1.Januar 2015

Wenige Wochen nach dem SSM wird der zweite Pfeiler der europäischen Bankenunion aktiviert: Der Einheitliche Bankenabwicklungsmechanismus (Single Resolution Mechanism, SRM) gilt ab sofort

22. Januar 2015

Die EZB beschließt bis Ende 2017 den Kauf von Staatsanleihen und weiteren Wertpapieren der Euro-Länder für monatlich 60 Milliarden Euro, um damit indirekt die schwache Konjunktur in der Währungsunion anzukurbeln

20. Juli 2015

Die griechischen Banken öffnen nach drei Wochen wieder

Januar 2016

Schrittweise Einführung der bankenaufsichtsrechtlichen Kennziffer TLAC (Total Loss-Absorbing Capacity, Verlustabsorptionsfähigkeit) für systemrelevante Banken (30 Banken weltweit)

10. März 2016

Die Europäische Zentralbank senkt den Leitzins auf 0,0 Prozent und verschärft den Strafzins für Bankeinlagen auf 0,4 Prozent

29. Juli 2016

Beim Stresstest der Europäischen Bankenaufsicht EBA erweisen sich die 51 untersuchten Geldhäuser überwiegend als krisenfest

6. Juni 2017

Die spanische Großbank Santander kauft für einen symbolischen Euro die Banco Popular. Parallel dazu müssen die beiden italienischen Banken Veneto Banca und Banca Popolare di Vicenza schließen

29. Juni 2017

Die größten US-Banken bestehen alle erstmals seit der Krise einen Stresstest der US-Notenbank. Dies wird als Signal gewertet, dass in den USA die Finanzkrise vorüber ist

7. Dezember 2017

Das überabeitete Basel-III-Reformpaket (auch Basel IV genannt) tritt endgültig vollständig in Kraft

1.Januar 2018

  • MiFID II und PSD 2 treten in Kraft und sollen unter anderem mehr Transparenz  bei Finanzdienstleistungen schaffen
  • Startschuss für die Verordnung für alle verpackten Anlageprodukte (Packaged Retail and Insurance-based Investment Products; PRIPs) wie Investmentfonds, kapitalbildende Lebensversicherungen und Zertifikate

9.Juli 2018

Die 5. EU-Geldwäsche-Direktive tritt in Kraft. Die Mitgliedsstaaten müssen bis zum 10. Januar 2020 ihre nationalen Gesetze anpassen

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