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Bernd Leukert, Leiter Technologie, Daten und Innovation bei Deutsche Bank

Bei der Digitalisierung und insbesondere in der Plattform-Wirtschaft droht uns die Konkurrenz aus China und Amerika weiter zu enteilen. Staat und Unternehmen sind gleichermaßen gefordert, damit Deutschland und Europa mittelfristig global mithalten können. Auch wir als Deutsche Bank sind hier in der Pflicht, unseren Beitrag zu leisten: Wir müssen die Herausforderungen der Plattform-Wirtschaft klar benennen und angehen, um der Konkurrenz aus Übersee in der Digitalisierung nicht kampflos das Spielfeld zu überlassen.

Meine 5 Thesen zur Plattform-Wirtschaft

  1. 1. Die eigentliche „Disruption“ der Digitalisierung liegt nicht in der Technik, sondern im Entstehen neuer Geschäftsmodelle.
    • Die erfolgreichsten und wertvollsten Unternehmen der Welt sind heute Plattform-Unternehmen. Und ihr größtes Kapital und das Geheimnis ihres Erfolgs sind nicht eigentlich Produkte oder Produktionsmittel, sondern der direkte Zugang zu den Kunden, zu deren Vorlieben, Wünschen und Plänen.
  2. 2. Die Banken müssen sich entscheiden, ob sie ein (austauschbarer) Produktlieferant für andere sein wollen oder ob sie selbst zum Plattformbetreiber werden wollen und können.
    • Eine Bank, die ihr Produkt nur einer Plattform zuliefert, wird immer nur der Lieferant bleiben, der das Regal befüllt. Aber dann ist man ersetzbar. Daher gilt es strategische Partnerschaften mit Technologieunternehmen einzugehen, um Plattformen gemeinsam zu betreiben.
    • Als Zulieferer und Produktproduzent lassen sie sich Banken auf ein reines Skalen- und Effizienzspiel ein, bei dem nur wenige Institute in Europa werden bestehen können.
  3. 3. Der Weg der Deutschen Bank ist klar: Wir wollen Partnerschaften schließen, um selbst zum Plattformanbieter zu werden.
    • Wir wollen für die Kunden auf unserer Plattform die besten Produkte und Dienstleistungen bieten. Wie bei allen erfolgreichen Plattformen möchten wir die Kunden an uns binden und über laufend erweiterte Angebote, neue Kunden gewinnen. Für ihre finanziellen Bedürfnisse und für vieles, was darüber hinausgeht, sollen die Kunden immer bei uns fündig werden.
    • Für ihre digitale Plattform kann die Deutsche Bank nicht alles selbst bauen und produzieren – dazu ist in der Plattform-Wirtschaft niemand in der Lage. Es geht darum, nicht nur für die Kunden, sondern auch für die besten Partner, Verbündete und Dritte attraktiv zu sein und diese Externen im Sinne der Kunden bestmöglich zu organisieren/orchestrieren.
    • Ein Mentalitätswechsel vom Outsourcing hin zu strategischen Partnerschaften wird dazu beitragen die digitale Transformation hin zur Plattform-Wirtschaft zu beschleunigen.
  4. 4. Die Logik und die Mechanismen der Plattform-Wirtschaft münden in eine sich beschleunigende Konsolidierung auch über nationale Grenzen hinweg in der europäischen Bankenlandschaft.
    • Die Netzwerkeffekte der Plattformen – viele Anbieter locken viele Nutzer, wegen derer wiederum weitere Anbieter zur Plattform stoßen, und so weiter – sorgen für eine Konzentration und eine „economy of scale“.
    • Auch wenn ein „the winner takes it all“ in der stark regulierten Bankenbranche unwahrscheinlich ist, werden die Großen die Kleinen vom Markt drängen oder schlucken.
  5. 5. Deutschland braucht ein starkes Europa – seine Bürger, die Unternehmen und die Politik –noch mehr Bewusstsein für die gesellschaftlichen und ethischen Folgen der Plattform-Ökonomie.
    • Die Plattform-Wirtschaft ist nicht per se gut. Sie hat auch negative Effekte auf unser privates und soziales, wirtschaftliches und politisches Leben. Dafür haben wir gerade in Deutschland und Europa eine feine Sensorik.
    • Zu Recht werden die Stimmen lauter, die darauf dringen, dass diese wirtschaftliche Umwälzung, die auf neuen Technologien fußt, stärker gesellschaftlich und ordnungspolitisch eingebettet wird. Wir müssen bei einigen Dingen wachsamer sein und aktiver gegensteuern:
      • Bei menschen-, wissenschafts- und demokratiefeindlichen Umtrieben etwa in den sozialen Medien.
      • Beim fast vollständigen Verlust der informationellen Selbstbestimmung. Denn die Hoheit über ihre Daten ist den Europäern in den vergangenen Jahren schleichend abhandengekommen. Eine echte Kontrolle, welche Unternehmen welche Daten der Bürger haben, gibt es de facto für den Einzelnen nicht mehr. Gleichzeitig ist die sichere und einwandfreie Identifikation von Personen und Maschinen im und über das Internet gerade für den Standort Europa – für Wirtschaft und Gesellschaft – von enormer Bedeutung.
      • Bei möglichen Arbeitsplatzverlusten und einer schleichenden „Entmachtung“ der organisierten Arbeitnehmer.
      • Bei der bisher nur unzureichenden Besteuerung der in Europa erzielten Gewinne von Plattformunternehmen aus Übersee.
    • Wir sollten die drohende Marginalisierung europäischen Know-hows und europäischer Produkte durch Plattformen aus Übersee endlich ernst nehmen und entsprechend handeln. Und wir dürfen nicht ignorieren, dass viele Menschen der Digitalisierung mit Sorglosigkeit, aber auch mit Ängsten begegnen. Probleme der Plattform-Ökonomie müssen benannt und angegangen werden, sonst könnte die Akzeptanz für die digitale Transformation verloren gehen.

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