Born to Be - Bildungsgerechtigkeit fördern

Das Förderprogramm STUDIENKOMPASS bietet Schülern und Studierenden aus Nichtakademiker-Familien eine intensive Studien- und Berufsorientierung.

Junge Talente gehören zu den Zukunftsträgern jeder Gesellschaft. Doch auf Fairness und Chancengerechtigkeit hoffen viele Kinder in Deutschland vergebens. Alle wissenschaftlichen Studien weisen in dieselbe Richtung: Noch immer hängt der Bildungserfolg junger Menschen stark von ihrer sozialen Herkunft ab, haben der Bildungshintergrund oder die Migrationsgeschichte der Eltern Einfluss auf die Bildungslaufbahn ihrer Kinder. Die „hartnäckigste Baustelle“, resümieren auch die Forscher des Chancenspiegels 2014 der Bertelsmann Stiftung, ist nach wie vor die Schule. „Hier gelingt es in Deutschland immer noch zu wenig, die herkunftsbedingten Nachteile der Schüler auszugleichen.“

Die Bildungshürden sind vielschichtig: Die Berufswelt von Akademikern ist Schülern mit nicht-akademischem Hintergrund oft fremd, es herrschen Informationsdefizite, etwa bezüglich der Auswahl der Studienfächer oder der Finanzierungsmöglichkeiten für ein Studium. Und noch immer orientieren sich viele Kinder am Bildungsweg der Eltern. So verwundert es kaum, dass fast 80% Prozent der Kinder von Akademikern auf die gymnasiale Oberstufe gehen, aber nur gut 40% Prozent der Kinder von Nichtakademikern (20. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks, 2013). An der Universität ist der Anteil von Erstsemestern aus Akademikerfamilien sogar mehr als dreimal so hoch wie der aus Familien ohne Hochschulerfahrung (Bundesministerium für Bildung und Forschung). Und auch Kinder aus Migrantenfamilien haben erschwerte Rahmenbedingungen. Sie kommen im Schnitt viermal so häufig aus Elternhäusern mit niedrigem Bildungsniveau und weniger finanziellen Ressourcen (Bundeszentrale für politische Bildung).

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Skeptikern selbstbewusst begegnen

Vorurteile begleiteten sie stets auf ihrem Bildungsweg, nicht nur seitens der Lehrer – auch bei den Mitschülern kam der Ehrgeiz von Esra Yaman aus dem Berliner Bezirk Tempelhof nicht immer gut an. Zweifel nagten an ihr, „ich wusste nicht, ob ich mir Jura wirklich zutrauen sollte“. Doch Esra kapselte sich nicht ab wie so viele Schüler, denen die Unterstützung in ihrem Umfeld fehlt, sondern nutzte die Chance, die sich ihr in der 10. Klasse bot. Ihr Mathelehrer stellte das STUDIENKOMPASS-Programm vor. Esras Interesse war sofort geweckt. „Meine Englischlehrerin schrieb mir dann die Empfehlung, die ich für die Bewerbung brauchte.“ Den Aufnahmetest bestand sie mit voller Punktzahl, „auch das Auswahlgespräch lief gut“, erinnert sie sich. Trotzdem war sie überrascht, als sie die Zusage erhielt, „da ich nie eine reine Einser-Schülerin war. Aber am Ende war wohl auch mein außerschulisches Engagement entscheidend.“

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Jeder verdient eine faire Bildungschance

Die Zeit für neue Impulse in der Bildungslandschaft ist gekommen. Das Ziel des STUDIENKOMPASS, den die Deutsche Bank Stiftung 2007 mit ins Leben gerufen hat, ist es daher, die Bildungs- und Aufstiegschancen von jungen Menschen aus nichtakademischen Elternhäusern zu fördern. In dem Förderprogramm, das bundesweit in 30 Regionen läuft, werden derzeit 1.600 Stipendiaten drei Jahre lang individuell auf ihrem Weg Richtung Hochschule unterstützt. Auch Deutsche Bank Mitarbeiter engagieren sich als ehrenamtliche Vertrauenspersonen in dem Projekt. Sie beraten, informieren und vernetzen die jungen Teilnehmer, lassen sie an ihren eigenen Studien- und Berufserfahrungen teilhaben. Die Erfolgsquote des Programms ist hoch: 95% der Teilnehmer beginnen ein Studium. So wie die 22-jährige Esra: Die zielstrebige junge Frau studiert Jura im siebten Semester, arbeitet als studentische Aushilfe im Bundestag und engagiert sich ehrenamtlich bei den Schülerpaten in Berlin.

Drei Jahre lang begleitete der STUDIENKOMPASS die junge Berlinerin auf ihrem Weg. Die Berliner Regionalgruppe traf sich regelmäßig. Zu Beginn des Programms sprachen sie über Stärken, Wünsche und Ziele. Später stellten die Dozenten verschiedene Studiengänge und Universitäten vor, erklärten Finanzierungsmodelle, hinterfragten Wunschfächer. „Wir sollten herausfinden, ob das angestrebte Studienfach wirklich zu uns passt.“ Und endlich konnten die Teilnehmer die Fragen stellen, die innerhalb der Familien niemand beantworten konnte. Sie sprachen mit Professoren und Studenten, besuchten Hochschulen. Esra lacht: „Damals hätte ich mich niemals alleine in eine Vorlesung gesetzt.“

Esra tauschte sich mit einer Jurastudentin aus, besprach ihre Pläne mit ihrer Vertrauensperson beim STUDIENKOMPASS und letztlich auch mit ihrer Mutter. „Sie war stolz auf mich und hat mich seitdem stets unterstützt.“ Nach Beginn des Studiums besuchte Esra noch ein Jahr lang die regelmäßigen Treffen und Workshops des Programms, die ihr dabei halfen, den Studienalltag zu managen und die nächsten Schritte Richtung Beruf vorzubereiten. Ihre Entscheidung für das Jurastudium habe sie auch dreieinhalb Jahre nach dem Start ihrer Universitätslaufbahn nie bereut, sagt Esra, obwohl es nicht immer einfach sei. „Es gibt Studenten, die es leichter haben, nicht arbeiten müssen, ein teures Buch kaufen können ohne darüber nachzudenken. Aber wenn ich mein Staatsexamen irgendwann in den Händen halte, ist es für mich mehr wert als ihres, weil dahinter viel mehr Arbeit und Schweiß steckt.“

Nach wie vor ist der Druck auf Esra groß, finanziell, aber auch seitens ihres Umfelds, in dem viele nicht so recht an Esras Erfolg glauben wollen. „Versagen macht niemandem Spaß“, sagt Esra, „aber wenn ich zweifele, denke ich an die Tipps meiner Mentoren zurück.“ So wie vor einigen Monaten, als sie sich für ein Auslandssemester in Istanbul entschied. „Für mein Jurastudium bringt mir das wenig, aber meine Mentoren haben immer gesagt, dass man auch die persönliche Entwicklung im Blick behalten muss.“ Esra kann sich gut vorstellen, sich später selbst als Mentorin beim STUDIENKOMPASS zu engagieren und junge Menschen auf der Suche nach dem passenden Bildungsweg zu unterstützen.

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Esra Yaman, 22, Jura-Studentin, Alumna des STUDIENKOMPASS

Esras Eltern kamen als Gastarbeiter aus der Türkei nach Deutschland. Kurz nach der Geburt ihrer Tochter trennten sie sich. Esra blieb bei ihrer Mutter, einer gelernten Bauzeichnerin, die heute als Sekretärin arbeitet. Zum Ende der Grundschulzeit bekam Esra eine Gymnasialempfehlung; die Mutter lehnte ab, Esra sollte noch etwas länger Kind bleiben dürfen. In der sechsten Klasse musste sie sich dann entscheiden, doch ausgerechnet ihre Klassenlehrerin legte ihr „den ersten Stein in den Weg.“ Sie empfahl ihr trotz guter Noten einen Besuch der Realschule. An die Worte der Pädagogin kann sich die Berlinerin gut erinnern: „Auf dem Gymnasium würde ich es sowieso nicht schaffen, schließlich sei ich Türkin. Sie wolle mir und meiner Familie die Blamage ersparen.“ Die Mutter überließ Esra die Entscheidung, die daraufhin zur Oberschule wechselte, ihren Berufswunsch stets vor Augen: Sie wollte Anwältin werden, sich für die Rechte der Menschen einsetzen.

Projektpartner

Studienkompass

Über dieses Projekt

Der STUDIENKOMPASS fördert die Bildungs- und Aufstiegschancen von Jugendlichen aus nicht-akademischen Elternhäusern.

 

STUDIENKOMPASS

 

Wichtigster Erfolg

1.600

STUDIENKOMPASS unterstützt jedes Jahr 1600 Studenten.

 

 

 

 

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