Deutsche Bank – Verantwortung

Agrarrohstoffe – Was treibt die Agrarpreise?

Eine Situationsanalyse aus den Jahren 2011 und 2012. Die Erkenntnisse haben nach wie vor Gültigkeit.

Nach einer umfangreichen Studie im März 2011 zieht DB Research im August 2012 Zwischenbilanz und zeigt wichtige Zusammenhänge auf: „Lebensmittelpreise erneut höher – jedoch keine globale Krise erwartet.“

DB Research: Steigende Agrarpreise durch steigende Nachfrage

Eine umfangreiche Analyse von DB Research zeigt, dass die steigenden Preise für landwirtschaftliche Rohstoffe vor allem Folge steigender Nachfrage sind, mit der das Angebot nicht Schritt halten kann. Was genau sorgt für diese Steigerung?

Vor allem sind das globale Bevölkerungswachstum, steigende Einkommen und sich verändernde Ernährungsgewohnheiten in Entwicklungs- und Schwellenländern zu nennen. Außerdem die Produktion von Biotreibstoffen. Zugleich schränken Wasserknappheit, Wetterextreme, Klimaveränderungen, mangelnde Infrastruktur, ungerechte Landverteilung und andere Faktoren das Angebot landwirtschaftlicher Produkte ein. Internationale Handelsbeschränkungen und Subventionen auf nationaler Ebene verschärfen die Situation zusätzlich.

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Das sagt die Weltbank

Eine Untersuchung der Weltbank kommt 2013 zu dem Schluss, dass Preissteigerungen bei Lebensmitteln weitestgehend auf die Entwicklung der Rohölpreise zurückzuführen sind. Das Verhältnis von Lagerbeständen und Verbrauch und der Einfluss der Wechselkursentwicklung liegen mit jeweils 15 % weit dahinter.
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Agrarpreise sind eine globale Herausforderung, stellen die G-20 fest

Dieser Problematik muss sich die gesamte Weltgemeinschaft stellen. Der auf dem G-20 Gipfel in Cannes verabschiedete Aktionsplan für den Agrarsektor ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.

Einige wissenschaftliche Studien messen auch der Spekulation an den Rohstoffterminbörsen einen beachtlichen Einfluss auf die Preise für Agrarrohstoffe bei. Die meisten wissenschaftlichen und von Experten bestätigten Publikationen kommen jedoch zu dem Schluss, dass das Verhältnis von Angebot und Nachfrage als wesentlicher Treiber für die Entwicklung der Rohstoffpreise anzusehen ist. Um den tatsächlichen Einfluss spekulativer Aktivitäten auf die Nahrungsmittelversorgung zuverlässig bewerten zu können, sind weitere Analysen nötig. Daran wird sich die Deutsche Bank, auch mit ihrem eigenen Forschungsteam, beteiligen. (Anmerkung der Redaktion: Bitte beachten Sie, dass dieser originale Text von DB Research aus dem Jahr 2012 stammt. Zu diesem Zeitpunkt hatte das Forschungsteam seine Arbeit noch nicht aufgenommen).

Darüber, dass die Derivatemärkte – durch Futures, Optionen, Swaps und andere Finanzinstrumente – die Absicherung von Preisen ermöglichen, besteht weithin Übereinstimmung. Zudem erhöhen diese Instrumente grundsätzlich auch die Liquidität an den Märkten (indem sie Verkäufer und Käufer zusammenführen) und reduzieren dadurch Preisschwankungen. Außerdem geben sie wichtige Preissignale für die Anpassung des Angebots. Sie schaffen so die notwendige Sicherheit für längerfristige Investitionen in Infrastruktur und Anbautechnologie.

Gleichwohl teilt die Deutsche Bank die Ansicht der G20-Staaten, dass die Märkte für Agrarrohstoffderivate transparenter gestaltet und die Kontrollmechanismen verstärkt werden sollten, um Fehlverhalten zu verhindern. In Europa und den USA werden in diesem Zusammenhang einschneidende regulatorische Veränderungen diskutiert. Einige Maßnahmen wurden bereits beschlossen.

Zu den Reformen zählen verschärfte Vorschriften für den Handel, um Manipulation zu verhindern, zusätzliche Anforderungen an die Berichterstattung der Akteure, um die Transparenz zu erhöhen, Höchstgrenzen für Positionen oder ähnliche Instrumente sowie neue Handels- und Abrechnungsregeln für OTC-Derivate.

Die Deutsche Bank unterstützt die Bemühungen, für alle wichtigen Terminbörsen und -märkte angemessene regulatorische Vorgaben einzuführen. Wir halten dies für eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass die Terminmärkte für Agrarrohstoffe als Instrumente zur Preisfindung und Absicherung gegen Preisschwankungen gut funktionieren und so einen wichtigen Beitrag zur allgemeinen Wohlfahrt leisten können.

Gipfel 2011 in Cannes

Aktionsplan der G-20

Wesentliche Inhalte sind:

  • Bessere landwirtschaftliche Erträge werden als Grundlage für Ernährungssicherung angesehen
  • Die Markttransparenz auf den Rohstoffmärkten soll verbessert werden
  • Klare Regeln und Rahmenbedingungen sollen Rohstoffmärkte funktionsfähig halten
Aktionsplan der G-20

Deutsche Bank Research

Dr. Claire Schaffnit-Chatterjee

„Steigende Lebensmittelpreise – strukturell oder temporär?”, eine Studie von Dr. Claire Schaffnit-Chatterjee aus dem Jahr 2011, DB Research, PDF, 780 KB


Lebensmittelpreise erneut höher – jedoch keine globale Krise erwartet 

Sollen Nahrungsmittel künftig weniger kosten und in ausreichendem Umfang zur Verfügung stehen, muss die Landwirtschaft produktiver, effizienter und auch nachhaltiger werden. Dafür sind enorme Investitionen nötig. Lesen Sie mehr über Agrarinvestitionen für mehr Produktivität und Nachhaltigkeit

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