Deutsche Bank – Verantwortung

Deutsche Bank diskutiert World Energy Outlook der Internationalen Energieagentur mit Experten aus Wirtschaft und Politik

Der Chefökonom der IEA, Dr. Fatih Birol, stellte bei der Deutschen Bank in Berlin das kürzlich erschienene Werk zu globalen energiewirtschaftlichen Entwicklungen vor.

Die Präsentation legte neben den jährlich aktualisierten Prognosen zu Verbrauch, Produktion und Reserven einen besonderen Fokus auf das Thema "Energiepolitik und industrielle Wettbewerbsfähigkeit in der Welt". Der BDI, der Weltenergierat Deutschland und das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie hatten zu der Veranstaltung geladen.
Dr. Fatih Birol, Chefökonom der IEA
Dr. Fatih Birol, Chefökonom der IEA

Für BDI-Hauptgeschäftsführer Dr. Markus Kerber zeigte der diesjährige WEO eindrucksvoll auf, dass Deutschland nicht das einzige "Energiewendeland" in der Welt sei. "Einige Länder wandelten ihren Energiemix und andere ihre energiewirtschaftliche Handelsbilanz. Manche Länder gingen sogar von gar keiner Energieversorgung zu einer Energieversorgung über", so Kerber.

BMWi Staatssekretär Stephan Kapferer bemerkte, dass die noch vor einigen Jahren von den meisten Experten geteilte Einschätzung zu auch mittelfristig stark steigenden Preisen der fossilen Energieträger mittlerweile überholt sei. Deutsche Energiepolitik müsse daher Versorgungssicherheit, Umweltverträglichkeit und Bezahlbarkeit stärker gleichgewichtig betrachten. Für ihn wie auch für Dr. Alexander Winkler von der Deutschen Bank war besonders die prägnante Aussage des WEO, dass die US-Industrie alleine im Jahr 2012 rund 130 Milliarden US-Dollar aufgrund geringerer Gas- und Strompreise gegenüber der Konkurrenz in Europa und Japan eingespart habe, interessant. Wir sähen "tektonische Verschiebungen" bei der industriellen Wettbewerbsfähigkeit.

Vice Chairman Caio Koch-Weser nahm als einziger Vertreter des Finanzsektors am von der International Energy Agency ausgerichteten „Energy Ministerial and Energy Business Council“ für Energieminister und Vertreter von Energieunternehmen in Paris teil. CEOs und Top-Manager von 31 Unternehmen diskutierten mit Energieministern und hochrangigen Beamten aus 38 Ländern über den World Energy Outlook.

Zahlreiche CEOs von Energiekonzernen diskutierten über die Bekämpfung des Klimawandels – ein Beleg für das Interesse der Unternehmen an einem klaren Rahmenwerk für Investitionen in Emissionssenkungen. Die Teilnehmer waren sich einig, dass ein klares, pragmatisches und realistisches Ziel für Emissionssenkungen benötigt wird, das von einem langfristigen, transparenten und konsistenten politischen Rahmenwerk flankiert wird.

Renewable power up around the world
Erneuerbare Energien gewinnen rund um die Welt an Bedeutung. Dieses Chart beschreibt die Zunahme der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energiequellen: Mit Ausnahme von Wasserkraft hängt der Ausbau erneuerbarer Energien von Subventionen ab; ein höherer Anteil von Wind- und Sonnenenergie wirkt sich auf die Struktur des Strommarkts und auf die Kosten aus.

Eine Diskussion von Ministern und Unternehmensvertretern über Wettbewerbsfähigkeit kam zu dem Ergebnis, dass Energiepreisunterschiede zwischen den einzelnen Regionen ein strukturelles, langfristiges Thema sind, für das eine Lösung gefunden werden muss. Es gebe kein Allheilmittel, aber eine Reihe notwendiger Maßnahmen. Dazu gehören eine Verbesserung der Integration und Wettbewerbsfähigkeit der Märkte, eine Abkehr von der Bindung der Gaspreise an die Ölpreise, gut durchdachte Konzepte zur Unterstützung erneuerbarer Energien, die Nutzung aller einheimischen Energiequellen und deutlich größere Bemühungen um eine effiziente Energienutzung.

Lesen Sie hier eine Kurzfassung des Reports auf Deutsch.
World Energy Outlook 2013 – Executive Summary

An energy boost to the economy
Gibt der Energiesektor der Konjunktur einen Schub? – Dieses Chart zeigt den Anteil energieintensiver Güter am globalen Exportmarkt auf. Die USA und wichtige Schwellenländer können ihren Anteil an den Exportmärkten für energieintensive Güter ausbauen, die EU und Japan müssen dagegen einen deutlichen Rückgang hinnehmen.

Einige zentrale Ergebnisse des World Energy Outlook

  • Durch neue Technologien und aufgrund der hohen Ölpreise werden neue Ölquellen erschlossen. Dies bedeutet aber nicht, dass das Ölangebot künftig reichlich sprudeln wird. Aufgrund der steigenden Ölförderung in Nordamerika und Brasilien werden die OPEC-Länder zwar im kommenden Jahrzehnt weniger stark dazu beitragen, den Durst der Welt nach Öl zu löschen. Der Nahe Osten – die einzige große Quelle für billiges Öl – wird aber ab Mitte der Zwanzigerjahre wieder eine Schlüsselrolle für die Entwicklung des Ölangebots spielen.
  • Große Unterschiede bei den regionalen Energiepreisen werden sich auf die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie auswirken und dementsprechend Anlageentscheidungen und Unternehmensstrategien beeinflussen. Die Wettbewerbsfähigkeit im Energiesektor soll zwar verbessert werden – aber dies bedeutet nicht, dass die Anstrengungen zur Bekämpfung des Klimawandels verringert werden sollten.
  • Der Schwerpunkt der Energienachfrage verschiebt sich auf die Schwellenländer, vor allem China, Indien und den Nahen Osten. Dadurch dürfte der weltweite Energieverbrauch um ein Drittel ansteigen.
  • Hohe Energiepreise müssen nicht dazu führen, dass die Energiekosten für die Endverbraucher oder die Volkswirtschaft untragbar werden. Durch eine größere Energieeffizienz können die hohen Energiekosten abgemildert und gleichzeitig die Energiesicherheit und der Umweltschutz verbessert werden. Im Jahr 2011 wurden weltweit etwa ebenso hohe Investitionen in Energieeffizienz getätigt wie in erneuerbare Energien und die Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen.
  • Da der Energiesektor zwei Drittel der weltweiten Treibhausgasemissionen verursacht, spielt er eine zentrale Rolle für das Erreichen der Klimaziele. Die Welt steuert derzeit auf einen langfristigen durchschnittlichen Temperaturanstieg um 3,6° C zu – deutlich über dem vereinbarten Zielwert von 2° C. Die Umstellung auf einen effizienteren Energiesektor mit einem geringen CO2-Ausstoß ist in harten Zeiten für die Wirtschaft schwieriger, aber um nichts weniger dringend.
  • Zur Reduzierung der Emissionen sind vor allem eine Steigerung der Energieeffizienz, eine geringere Nutzung der ineffizienten Stromerzeugung aus Kohle, die Minimierung der Methanemissionen auf den Vorstufen der Öl- und Gasindustrie und eine raschere teilweise Abschaffung von Subventionen für fossile Brennstoffe sinnvoll.
Caio Koch-Weser

„Immer mehr Energieunternehmen befürworten eine Form der Preisfestsetzung für Kohlenstoff als Teil regulatorischer Rahmenwerke.”

Caio Koch-Weser Vice Chairman der Deutschen Bank

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