4. März 2015

EEFIG-Bericht: Energieeffizienz ist die wichtigste Energiequelle für die EU-Wirtschaft

Die Deutsche Bank beteiligt sich an Grundsatzbericht der Europäischen Union zur Finanzierung von Energieeffizienzmaßnahmen. Das Ergebnis: Investitionen in Energieeffizienz sind der kostengünstigste Weg, um die Abhängigkeit der Europäischen Union von Energieimporten – und die entsprechenden Ausgaben, die sich in der EU derzeit auf jährlich über 400 Mrd. Euro belaufen – zu senken.

Im Jahr 2050 werden voraussichtlich 75 – 90% der heute existierenden Gebäude noch genutzt. Energieeffizienz spielte allerdings beim Bau von 75% dieser Bestandsimmobilien keine oder nur eine geringe Rolle. Da 40% des europäischen Energieverbrauchs auf Gebäude entfallen, ist eine Erhöhung der Sanierungsquote dringend erforderlich. Darüber hinaus wird derzeit nur etwa die Hälfte der geschätzt 60 – 100 Mrd. Euro pro Jahr investiert, die erforderlich wären, um die Energieeffizienzziele bis 2020 zu erfüllen.

Der Ölpreiseinbruch, aufgrund dessen in Europa voraussichtlich auch die Gaspreise sinken werden, hat erneut aufgezeigt, dass Europa einen Immobiliensektor, eine Industrie und kleine und mittelständische Unternehmen (KMUs) benötigt, deren Wettbewerbsfähigkeit und laufende Kosten besser gegen die mit Rohstoffpreisschocks einhergehenden Unsicherheiten und die entsprechende Volatilität abgesichert sind. Gleichzeitig muss Europa den Übergang zu einer wettbewerbsfähigen emissionsarmen Wirtschaft schaffen. Eine Erhöhung der Energieeffizienzinvestitionen ist für Europa daher ein wichtiges strategisches Ziel.

Grundsatzbericht zur Finanzierung von Energieeffizienzmaßnahmen

Vorschläge ausarbeiten sollte, wie solche Investitionen gesteigert werden können. Auch die Deutsche Bank gehörte der Energy Efficiency Financial Institutions Group (EEFIG) als wichtiges Mitglied an. Vor kurzem wurde der Abschlussbericht mit dem Titel “Energy Efficiency – the first fuel for the EU Economy: How to drive new finance for energy efficiency investments”. veröffentlicht. In diesem Bericht werden entscheidende Erfolgsfaktoren, politische Maßnahmen, Marktinstrumente und Finanzierungslösungen zur Erhöhung von Energieeffizienzinvestitionen im europäischen Immobiliensektor, in der Industrie und im KMU-Sektor aufgeführt. Über 120 aktive Teilnehmer aus dem Finanzsektor, der Politik, dem Bausektor, der Industrie, dem KMU-Sektor sowie Akteure am Energieeffizienzmarkt haben 16 Monate lang an dem international bahnbrechenden Bericht gearbeitet.

Eine Verfünffachung der Energieeffizienzinvestitionen des privaten Sektors in Gebäude in Europa bis 2030 ist erforderlich

Den Schätzungen des EEFIG-Berichts zufolge müssten sich die Energieeffizienzinvestitionen des privaten Sektors in Gebäude in Europa bis 2030 verfünffachen. Dafür gibt es keine Patentlösung; die EEFIG hat jedoch ein Rahmenwerk aus übergreifenden Maßnahmen und Erfordernissen für verschiedene Teilsegmente des Immobiliensektors und der Industrie entwickelt. Der EEFIG zufolge müssen unterschiedliche Stakeholder-Gruppen eingebunden werden, der Einsatz verschiedener Finanzinstrumente sollte im Rahmen eines klaren und strikt umgesetzten gesetzlichen Rahmenwerks mit Anreizen und Sanktionen gestärkt werden, und 19 Empfehlungen zu Markt- und politischen Maßnahmen in vier strategischen Bereichen – Markt, Wirtschaft, Finanzen und Institutionen – sollten umgesetzt werden.

Investitionen in Maßnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz von fundamentaler Bedeutung für Europa

Maroš Šefčovič, Vizepräsident der EU-Kommission, begrüßte die Veröffentlichung des Berichts und sagte, Investitionen in Maßnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz von Gebäuden, der Industrie und des KMU-Sektors seien von fundamentaler Bedeutung für Europa. Er werde sich darum bemühen, dass die Finanzierung von Energieeffizienzinvestitionen künftig ein Thema für die Politik werde und dass der Bericht als Inspiration für die weitere Arbeit diene. Der EEFIG-Bericht hat sich direkt auf die neue Strategie der EU-Kommission zur Energieunion und Klimaschutz ausgewirkt.

Caio Koch-Weser, Vice Chairman der Deutschen Bank, sagte mit Blick auf die Arbeit des EEFIG: „Unsere Erfahrungen und unsere Studien haben gezeigt, dass Finanzierungen von und Investitionen in Energieeffizienzmaßnahmen rentabel sein können. Sie tragen dazu bei, die Energiesicherheit zu verbessern, das Wirtschaftswachstum anzukurbeln und unseren ökologischen Fußabdruck zu verringern. Für höhere Investitionen in europäische Immobilien und in die europäische Industrie ist eine sehr viel engere Zusammenarbeit zwischen Politik, Unternehmen und dem Finanzsektor erforderlich. Bei Immobilieninvestitionen spielt Energieeffizienz bereits heute eine wichtige Rolle. Dieser Fokus kann noch gestärkt werden, wenn belastbare Informationen, Anreize und Zielsetzungen zur Förderung von Investitionen eingesetzt werden.“

Felipe Calderón, der ehemalige mexikanische Präsident und Vorsitzende der Global Commission on the Economy and Climate, äußerte, das Fazit des Berichts – nämlich, dass eine Verbesserung der Energieeffizienz aus strategischer wie aus wirtschaftlicher Sicht wichtig für die Europäische Union sei – passe zu seinen Regierungserfahrungen und dem Fazit der New Climate Economy-Studie. Energieeffizienz sei bereits heute die wichtigste „neue“ Energiequelle, wobei in Europa noch umfangreiche Potenziale brach lägen. Die Empfehlungen der Studie könnten das Wirtschaftswachstum stützen und zugleich zur Bekämpfung des Klimawandels beitragen, wenn sie umgesetzt würden.

Finanzielle Kompetenz, um die Kunden bei der Verringerung ihres Energieverbrauchs zu unterstützen

 Die Deutsche Bank setzt sich in verschiedener Hinsicht aktiv für eine bessere Energieeffizienz ein, und wir nutzen unsere finanzielle Kompetenz, um unsere Kunden bei der Verringerung ihres Energieverbrauchs zu unterstützen.

  1. Die Bank hat beträchtliche Schritte zur Reduzierung ihres eigenen Energieverbrauchs unternommen. Dazu gehören z.B. die ökologische Sanierung der Türme der Konzernzentrale in Frankfurt, der Einbau energieeffizienter Technik-, Beleuchtungs- und Heizsysteme in zahlreichen Gebäuden und der Abschluss grüner Mietverträge für eine größere Anzahl der von uns genutzten Immobilien. Dies trägt zur gleichermaßen zur CO2-Neutralität und zum Erreichen der Kostensenkungsziele der Bank bei.
  2. Aufgrund dieses Fachwissens haben wir das Fondsmandat für den European Energy Efficiency Fund erhalten, der in Projekte zur Verbesserung der Energieeffizienz öffentlicher Gebäude investiert.
  3. Die Deutsche AWM Real Estate konzentriert sich zunehmend auf das Thema Energieeffizienz und wird im März zusätzlich zum Jahresbericht und dem Bericht zur Unternehmerischen Verantwortung der Deutschen Bank einen eigenen, jährlichen Fortschrittsbericht veröffentlichen.
  4. Die Deutsche AWM Real Estate hat ein Investmentteam für energieeffiziente Immobilien ins Leben gerufen, das sich vor allem auf die Sanierung von Altbauten konzentriert.
  5. Der von Sal. Oppenheim verwaltete Green For Growth Fund konzentriert sich auf Investitionen in Südosteuropa und Nachbarländern wie der Türkei und der Ukraine
  6. Der Bereich Corporate Banking & Securities (CB&S) hat eine Energieeffizienzanleihe in Kalifornien strukturiert und gehört zu den führenden Akteuren am Wachstumsmarkt für grüne Anleihen.
  7. Der Bereich Private and Business Clients (PBC) vergibt Kredite zur Unterstützung von Investitionen in Energieeffizienz und erneuerbare Energien an Unternehmen und Privatpersonen.

Verschiedene Studien der Deutschen Bank wurden in der EEFIG-Studie zitiert:

energy-efficiency-energieeffizienz.jpg

Energieeffizienzmaßnahmen gezielt eingesetzt

40%

des europäischen Energieverbrauchs entfallen auf Gebäude

„Energieeffizienz ist bereits heute die wichtigste „neue“ Energiequelle, wobei in Europa noch umfangreiche Potenziale brach liegen. Die Empfehlungen der Studie können das Wirtschaftswachstum stützen und zugleich zur Bekämpfung des Klimawandels beitragen.”

Felipe Calderón Ehemaliger mexikanischer Präsident und Vorsitzender der Global Commission on the Economy and Climate
EEFIG conferenz

„Für höhere Investitionen in europäische Immobilien und in die europäische Industrie ist eine sehr viel engere Zusammenarbeit zwischen Politik, Unternehmen und dem Finanzsektor erforderlich.”

Caio Koch-Weser Vice Chairman der Deutschen Bank

Schätzungen des EEFIG-Berichts

Eine Verfünffachung

der Energieeffizienzinvestitionen des privaten Sektors in Gebäude in Europa ist erforderlich.

Banken für mehr Energieeffizienz

Die Energy Efficiency Financial Institutions Group (EEFIG) wurde als dauerhafte Arbeitsgruppe der Europäischen Kommission und der United Nations Environment Programme Finance Initiative (UNEP FI) eingerichtet. Die Gruppe will auf der Grundlage ihrer professionellen Erfahrung dazu beitragen, das Volumen von Energieeffizienzinvestitionen in der EU zu erhöhen.

Der Report gibt eine Reihe von Empfehlungen

Marktmaßnahmen

  • Verbesserung der bei Gebäudezertifizierungen angewendeten Methoden und der Standards für Energieausweise und Einführung von Mindeststandards für die Sanierung, den Verkauf oder die Vermietung von Gebäuden, so dass ein lebendiger gesamteuropäischer Markt für Energieeffizienzinvestitionen in Gebäude entsteht, in dem Vergleiche möglich sind
  • Verbesserung des Informationsflusses durch die Entwicklung einer Open-Source-Datenbank mit Energie- und Kostendaten für Gebäude und den Aufbau wirksamer Systeme zum Austausch von Informationen und technischem Know-How in der Industrie
  • Einführung von Innovationen wie z.B. Mechanismen zur Finanzierung von Investitionen über die Energierechnung oder durch steuerliche Erleichterungen im Rahmen entsprechender Pilotprojekte, um so Energieeffizienzinvestitionen in Gewerbe- und Wohnimmobilien zu steigern
  • Entwicklung eines Ratingsystems für Projekte, das eine transparente Beurteilung der technischen und finanziellen Risiken von energetischen Gebäudesanierungsprojekten und ihrer vertraglichen Struktur ermöglicht

Wirtschaftliche Maßnahmen

  • Straffung, Zusammenlegung und Optimierung des Einsatzes der Europäischen Struktur- und Investitionsfonds, des Programms Horizon 2020 und der EU-Einnahmen aus dem Emissionshandel (ETS-Einnahmen) für Energieeffizienzinvestitionen durch eine bessere Verknüpfung mit nationalen Renovierungsstrategien, Auflegung nationaler Energieeffizienzfonds und Reformen des Energiemarkts
  • Stärkerer Einsatz gezielter fiskalpolitischer Instrumente, um Hauseigentümern und Unternehmen einen Anreiz zu geben, im Zuge des normalen Renovierungszyklus Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz vorzuziehen
  • Überprüfung der Behandlung von Energieleistungsverträgen in der Rechnungslegung im öffentlichen und privaten Sektor
  • Weitere Überprüfung der für Energiemodelle, politische Entscheidungen und Investitionsentscheidungen verwendeten Diskontsätze durch Experten, damit die Chancen und Risiken einer höheren Energieeffizienz angemessen wiedergegeben werden

Finanzielle Maßnahmen

  • Entwicklung gemeinsamer Verfahren und Standards für die Vergabe von Fremd- und Eigenkapital für Energieeffizienz- und Gebäudesanierungsinvestitionen
  • Anpassung der regulatorischen Rahmenwerke für den Finanzsektor derart, dass Kapitalmarktinnovationen besser unterstützt werden, dass die Risikobeurteilung und die entsprechenden Eigenkapitalanforderungen für langfristige Energieeffizienzinvestitionen die Risiken zutreffend wiedergeben und dass das Marktpotenzial für grüne Anleihen, Finanzierung durch die Bürger, Factoringfonds für Energieleistungsverträge und andere, innovativere Finanzierungsquellen für Energieeffizienzinvestitionen entwickelt wird
  • Abschaffung von Hindernissen für einen Ausbau des Markts für grüne Hypotheken, u.a. durch Prüfung der Frage, wie Energiekosten und Energieeffizienzpotenziale in die Erschwinglichkeitsberechnungen von Hypotheken einbezogen werden können
  • Sicherstellen, dass sich das neue regulatorische Rahmenwerk für Finanzinstitute (Solvency II und Basel III) nicht nachteilig auf Energieeffizienzinvestitionen auswirkt
  • Sicherstellen, dass öffentliche Programme zur technischen Unterstützung und zur Projektentwicklungsunterstützung miteinander vereinbar sind und von qualifizierten und erfahrenen Finanzinstituten leicht mit Mitteln aus marktbasierter oder geförderter Finanzierung kombiniert werden können
  • Sicherstellen, dass Finanzinstrumente, die einen Bezug zur Energieeffizienzinvestitionen aufweisen, im Rahmen öffentlicher Refinanzierungsfazilitäten, z.B. derjenigen der Europäischen Zentralbank, als Sicherheiten in Frage kommen

Institutionelle Maßnahmen

  • Erhöhung der Kapazitäten für die begleitende Unterstützung bei der Projektentwicklung für alle einschlägigen Akteure sowie für die technische Unterstützung einschlägiger Körperschaften und Institutionen des öffentlichen Sektors zur Entwicklung und Aggregierung von Energieeffizienzinvestitionen in KMUs und private Haushalte
  • Überprüfung der Beschaffungsvorschriften im öffentlichen Sektor, damit niedrigere operative Kosten im Rahmen des Ausschreibungsverfahrens besser berücksichtigt werden
  • Bereitstellung institutioneller Kapazitäten zur Umsetzung von nationalen Plänen zur Gebäudesanierung, so dass eine langfristige Planung und ein Ausbau der Lieferkette zur Umsetzung und Finanzierung ehrgeiziger Gebäudesanierungsprogramme möglich werden
  • Stärkere Konzentration auf regulatorische Rahmenwerke, die Unternehmen an wichtigen Zeitpunkten im Investitionszyklus dabei unterstützen, sich für Energieeffizienzinvestitionen zu entscheiden (Verbindung mit Überprüfungen des Energieverbrauchs)
  • Sicherstellen, dass die derzeitigen Regelungen für staatliche Förderung eine beschleunigte Investition in Energieeffizienz und einen Ausbau von öffentlich-privaten Finanzierungsinstrumenten nicht unnötig belasten

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