Deutsche Bank – Verantwortung

Globale Initiative erarbeitet Standard für mehr Transparenz und Wirksamkeit von Nachhaltigkeitsratings

Nachhaltigkeitsratings und -rankings sollen transparenter, effizienter und wirksamer werden – dafür engagiert sich die Global Initiative for Sustainability Ratings (GISR). Mit ihrem am 18. Dezember 2013 veröffentlichten Diskussionspapier hat die GISR die Version 1.0 des ersten von drei Bausteinen für einen international harmonisierten Rating-Standard vorgelegt.

Das Papier definiert 12 Prinzipien, die bei Nachhaltigkeitsbewertungen zugrunde gelegt werden sollen. Sie beziehen sich sowohl auf den Prozess als auch auf den Inhalt der Bewertung.

Gegenwärtig ist das Feld der Nachhaltigkeitsbewertung geprägt von einer kaum überschaubaren Vielfalt der Akteure, Ansätze und Instrumente. Die Folge: Unternehmen müssen sich mit zahllosen Anfragen und Fragebögen auseinandersetzen. Die angelegten Maßstäbe weichen nicht selten voneinander ab, ebenso wie die Bewertungsergebnisse. Investoren vermissen eine neutrale Einschätzung der Qualität von Nachhaltigkeitsratings, -rankings und -indizes.

Dem will die GISR abhelfen. Die 2011 von der Nichtregierungsorganisation Ceres und dem unabhängigen Forschungsinstitut Tellus ins Leben gerufene Multi-Stakeholder-Initiative wird aktiv von der Deutschen Bank unterstützt. Sie hat sich zur Aufgabe gemacht, einen international akzeptierten Standard für Nachhaltigkeitsratings, -rankings und -indizes zu etablieren. Dessen konsequente Anwendung soll durch ein Akkreditierungsverfahren gesichert werden. Auf diese Weise will die GISR die Stringenz, die Transparenz und den Nutzen nachhaltigen Handelns in der Wirtschaft erhöhen, damit – so das Ziel – Kapitalmarkt und Unternehmen zu Treibern einer nachhaltigen Entwicklung werden.

Die nun vorliegenden Prinzipien bilden das Fundament des künftigen Standards, der insgesamt drei Elemente und entsprechende Stufen der Akkreditierung umfassen soll:

GISR principles

Stufe 1: Die 12 Prinzipien
Kernmerkmale, die ein Nachhaltigkeitsrating, -ranking oder -index hinsichtlich der Inhalte und Prozesse der Ratinganbieter aufweisen muss, um als glaubwürdig erachtet zu werden

Stufe 2: Kernthemen
Aspekte und Fragestellungen, die für die Bewertung der Nachhaltigkeitsleistung eines Unternehmens wesentlich sind

Stufe 3: Indikatoren
Kenngrößen, anhand derer die Nachhaltigkeitsleistung eines Unternehmens zu messen ist.

Als nächstes plant die GISR, Regeln und Prozesse zur Operationalisierung vorzulegen, die eine Akkreditierung von Nachhaltigkeitsratings auf der Grundlage der Prinzipien ermöglichen. Ende 2015 soll der Entwicklungsprozess abgeschlossen und der Standard verabschiedet sein.

Dr. Sabine Miltner, Group Sustainability Officer der Deutschen Bank, ist als Mitglied des Lenkungsauschusses der GISR überzeugt, dass die Entwicklung des geplanten Standards nur ein wichtiger erster Schritt sein kann: „Unser Ziel muss sein, schließlich zu einer Verschmelzung von Kredit- und Nachhaltigkeitsratings zu gelangen, um so – analog zum Ziel der Integrierten Berichterstattung - die Transparenz und Aussagekraft der Ratings zu erhöhen.“

Verfahren

Transparenz Ein Rating sollte für diejenigen, deren Entscheidungen durch die Anwendung eines solchen Ratings beeinflusst werden, transparent sein.
Unparteilichkeit Konzeption und Anwendung eines Ratings, dessen Hauptnutzer nicht der beurteilten Organisation angehören, sollten vor unangemessener Einflussnahme seitens der beurteilten Organisation geschützt werden.
Stetige Verbesserung Durch regelmäßige Aktualisierungen sollte ein Rating die besten verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse, Bemessungstechniken, -themen und -indikatoren nachverfolgen und integrieren.
Einbindung Bei der Entwicklung eines Ratings sollten diejenigen Stakeholder, deren Entscheidungen durch die Anwendung des Ratings beeinflusst werden, ermittelt und systematisch eingebunden werden.
Bestätigungsfähigkeit Ein Rating sollte so ausgestaltet sein, dass eine qualifizierte, dritte Partei unabhängig bestätigen kann, dass seine Anwendung mit dem GISR-Standard im Einklang steht.

Inhalt

Wesentlichkeit Ein Rating sollte die Performance anhand von jenen Nachhaltigkeitskriterien beurteilen, die für die Entscheidungen der Stakeholder, für die ein Rating entwickelt wurde, relevant sind.
Vollständigkeit Das Rating für einen oder mehrere Nachhaltigkeitsaspekte sollte systematisch die Auswirkungen auf das Human-, das intellektuelle, das Natur- und das soziale Kapital beurteilen.
Nachhaltigkeitskontext Ein Rating sollte die Performance vor dem Hintergrund wissenschaftlich fundierter Schwellenwerte und Grenzwerte bzw., sofern solche nicht verfügbar sind, weithin akzeptierter Normen für das langfristige Wohlbefinden von Menschen und Umwelt beurteilen.
Langfristigkeit Ein Rating sollte die Performance vor dem Hintergrund wissenschaftlich fundierter Schwellenwerte und Grenzwerte bzw., sofern solche nicht verfügbar sind, weithin akzeptierter Normen für das langfristige Wohlbefinden von Menschen und Umwelt beurteilen.
Wertschöpfungskette Ein Rating sollte sich auf alle Bereiche der Wertschöpfungskette eines Unternehmens beziehen, auf die das Unternehmen nennenswerten Einfluss hat.
Balance Ein Rating sollte verschiedene Messtechniken einsetzen, um die historische und künftig zu erwartende Performance zu erfassen.
Vergleichbarkeit Ein Rating sollte es den Nutzern ermöglichen, die Performance ein und desselben Unternehmens im Zeitablauf sowie im Vergleich zu anderen Unternehmen im selben Zeitraum zu beurteilen.

„Unser Ziel muss sein, schließ­lich zu einer Ver­schmel­zung von Kredit- und Nach­haltig­keits­ratings zu gelangen, um so – analog zum Ziel der Inte­grier­ten Bericht­erstat­tung – die Trans­parenz und Aus­sage­kraft der Ratings zu er­höhen.”

Sabine Miltner Group Sustainability Officer of Deutsche Bank

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