Deutsche Bank – Verantwortung
13. Januar 2014

"Nachhaltig und profitabel – kein Widerspruch"

Sabine Miltner und Michael Schneider diskutieren über das erfolgreiche Zusammenspiel von Ökologie und Ökonomie in WERTE, dem Wealth Magazin der Deutschen Bank

Was bedeutet Nachhaltigkeit für die Deutsche Bank, welchen Stellenwert hat sie in den strategischen Überlegungen?

Sabine Miltner: Nachhaltigkeit ist im Zuge der Finanzkrise stärker in den Vordergrund gerückt. Kurzfristige Strategien, die ausschließlich auf eine schnelle Rendite abzielen, werden der Verantwortung des Finanzsektors für Wirtschaft und Gesellschaft nicht gerecht. Deshalb ist »Nachhaltige Leistung« auch einer der besonders hervorgehobenen Werte der Deutschen Bank. Zudem, wenn unsere Kunden in innovative und nachhaltige Bereiche vorstoßen, müssen wir uns in diesen Sektoren auskennen, damit wir sie kompetent beraten können. Nachhaltigkeitskriterien spielen bei Kreditvergaben und Kapitalmarktbegebungen eine zunehmende Rolle.

Inwieweit beeinflusst Nachhaltigkeit die Anlagestrategien der Deutschen Bank?

Michael Schneider: Der Begriff Nachhaltigkeit wurde in der Vergangenheit oft überstrapaziert – auch in der Investmentbranche. Dort wurden mit dem Label Nachhaltigkeit auch Fonds verkauft, in denen sich Aktien eines Ölkonzerns befanden, dessen Bohrinsel in Flammen aufging, oder die eines Kraftwerkbetreibers, dessen Anlage in Japan für eine Atomverseuchung sorgte.  Wir fordern von Unternehmen ein verantwortliches Handeln – auch und vor allem im Sinne der Risikovermeidung. Dazu gehören Umweltthemen genauso wie faire Arbeitsbedingungen. Denn wir sehen immer wieder, wie Großkonzerne in Erklärungsnot geraten, weil sie unter menschenunwürdigen Bedingungen in Asien produzieren lassen. Das wirkt sich dann auch negativ auf den Aktienkurs aus. In diesen Aspekten arbeiten wir also eng mit Frau Dr. Miltner und ihrem Team zusammen.

Frau Miltner, was genau ist Ihre Aufgabe bei der Deutschen Bank?

Sabine Miltner: Zum einen prüft mein Team, ob Kundentransaktionen die Nachhaltigkeitskriterien erfüllen, an denen wir unsere geschäftliche Tätigkeit messen lassen. Zum zweiten arbeiten wir mit den Geschäftsbereichen wie eben zum Beispiel Asset & Wealth Management zusammen, um gemeinsam neue und nachhaltige Marktchancen zu identifizieren. Und drittens ist es meine Aufgabe, nach innen und außen transparent zu machen, was die Bank im Bereich Nachhaltigkeit tut. Dazu gehört vor allem der regelmäßige Dialog mit den unterschiedlichsten Interessengruppen wie Nichtregierungsorganisationen, Aktionären, Kunden, Mitarbeitern oder Rating-Agenturen.

Welche Aspekte sind bei der Prüfung wichtig, und können Sie das anhand eines Beispiels erklären?

Sabine Miltner: In den USA ist zurzeit ein Fracking-Boom zu beobachten. Dabei geht es um Schiefergas, das durch den Einsatz von Wasser und Chemikalien aus dem Gestein gepresst wird. Da gibt es potenzielle Auswirkungen auf die Umwelt und die Anrainer der Bohrstellen. Auch in anderen Ländern wurden beträchtliche Schiefergasvorkommen gefunden. Wir wollen sicherstellen, dass wir zukünftige Transaktionen auf diesem Gebiet sachkundig begleiten können. Wir prüfen deshalb, ob solche Vorhaben nicht nur ökonomisch sinnvoll, sondern auch ökologisch verantwortbar und sozialverträglich sind.

Fondsmanager der Deutschen Bank müssen die Kriterien und die potenziellen Risikopunkte also längst beachten?

Michael Schneider: Natürlich haben sie das auch heute schon im Blick. Aber vielleicht nicht in dem Maße, wie es sein könnte. Bislang fehlt häufig schlicht das Wissen über bestimmte Zusammenhänge. Großprojekte in Afrika oder Lateinamerika scheitern oft an vermeintlichen Kleinigkeiten, etwa weil vor einem Landerwerb vergessen wurde, auch die Zustimmung der indigenen Völker und des Stammesältesten einzuholen, oder weil die Abwässer von Minenprojekten wenige Kilometer weiter das Trinkwasser ganzer Dörfer verseucht haben. Wir schulen unsere Mitarbeiter, damit sie diese Risiken erkennen und richtig bewerten können.

Heißt das nicht, dass künftig auf profitable Geschäfte verzichtet werden muss, wenn soziale oder ökologische Standards nicht erfüllt sind?

Sabine Miltner: Ja, das passiert. Aber meistens sind unsere Kunden durchaus dankbar, wenn sie auf mögliche Schwachstellen aufmerksam gemacht werden und diese dann beheben können. Denn sie wissen, dass die Beachtung von Nachhaltigkeitskriterien langfristig den wirtschaftlichen Erfolg erhöht und dass Investoren zunehmend darauf achten.

Michael Schneider: Die ökonomischen Interessen unserer Kunden stehen auch künftig über allem. In der Vermögensverwaltung, über die ich hier rede, ist die Deutsche Bank ja lediglich Treuhänder anvertrauten Vermögens.

Wenn es am Ende nur um den Return on Investment geht, sprechen wir dann hier nicht von Greenwashing?

Michael Schneider: Keinesfalls. Unsere Überzeugung ist, dass Unternehmen an der Börse erfolgreicher sind, wenn sie einen verantwortlichen Ansatz verfolgen. Verantwortliches ökologisches und soziales Handeln ist gleichzusetzen mit ökonomischen Interessen und per Definition immer im Sinne unserer Kunden. Jüngstes konkretes Beispiel ist der AATIF Fonds in Partnerschaft mit der Bundesregierung und der KfW: Eine wirtschaftlich interessante Investitionsmöglichkeit, mit der wir beispielsweise 45 000 Kleinbauern in Ghana finanzieren und die Produktion von Kakao, Baumwolle und Mais mit dem Ziel der Einkommenssteigerung und Nahrungsmittelsicherheit unterstützen. Das alles erfolgt zudem unter Einhaltung von unter den Partnern klar definierten und veröffentlichten Sozial- und Umweltstandards.

Wie viel Geld wird bereits nach Ihren Nachhaltigkeitskriterien verwaltet?

Michael Schneider: Schon heute bewerten wir für unsere Fondsmanager Unternehmen nach etwa 150 Umwelt- und Sozialkriterien.  Wir wissen, wie verantwortliche Unternehmen wirtschaften, und müssen das in alle Wertpapierprospekte hineinschreiben, damit der Kunde schon vor dem Investment weiß, nach welchen Kriterien wir anlegen. Das ist im Sinne von Produktklarheit und Produktwahrheit unumgänglich. Rund 3,5 Milliarden Euro liegen bislang in Nachhaltigkeitsfonds der Deutschen Bank.  Alle Fonds haben Zugang zu unseren Nachhaltigkeits-Rankings und berücksichtigen diese in ihren Entscheidungen. Ich möchte in wenigen Jahren sagen können, dass alle unsere Fonds nach diesen Kriterien gemanagt werden.

Sabine Miltner: Weltweit sind bisher 14 Billionen Euro nachhaltig angelegt. Das sind erst 20 Prozent des Gesamtmarktes. Um diese Zahl weiter zu steigern, müssen wir noch klarer aufzeigen, dass nachhaltiges Investieren auch profitabel ist.  Wir dürfen die nachhaltige Anlage nicht aus den Augen verlieren.

 

Sabine Miltner ist Group Sustainability Officer der Deutschen Bank.
Michael Schneider verantwortet im Anlagemanagement der Deutschen Bank (AWM) den Bereich Verantwortungsvolles Investieren.

„Alle Fonds haben Zugang zu unseren Nach­haltig­keits­rankings und berücksichtigen diese in ihren Entscheidungen. Ich möchte in wenigen Jahren sagen können, dass alle unsere Fonds nach diesen Kriterien gemanagt werden.”

Michael Schneider, im Anlagemanagement der Deutschen Bank verantwortlich für verantwortungsvolles Investieren

Nachhaltiges Anlagemanagement

Rund 3,5 Milliarden Euro

liegen bislang in Nachhaltigkeitsfonds der Deutschen Bank.

Das könnte Sie auch interessieren