Deutsche Bank – Verantwortung
Frankfurt | 29. Juli 2013

Schiefergasrevolution in USA Thema bei der deutschen Energiesicherheitskonferenz

Die weitreichenden Auswirkungen der Nutzung von Schieferöl und -gas in den USA wurden kürzlich von den Teilnehmern der Energiesicherheitskonferenz in Frankfurt erörtert. Caio Koch-Weser, Vice Chairman der Deutschen Bank, diskutierte dazu mit internationalen Experten. Die Konferenz, die von der Stiftung Münchener Sicherheitskonferenz und dem FAZ-Forum organisiert wurde, brachte Regierungen, Unternehmensvertreter, Wissenschaftler und Nichtregierungsorganisationen an einen Tisch, um die wirtschaftlichen, ökologischen und sicherheitsrelevanten Fragestellungen im Zusammenhang mit der Energiesicherheit zu beleuchten.

Koch-Wesers Einschätzung zufolge ist die Schiefergasrevolution aus wirtschaftlicher wie auch aus ökologischer und geopolitischer Sicht summa summarum eine positive Entwicklung - vorausgesetzt, dass angemessene politische und regulatorische Rahmenbedingungen geschaffen werden. Vor allem institutionelle Investoren in den USA beantragen weiterhin Aktionärsbeschlüsse, die verbesserte Methoden zur Risikoermittlung sowie Maßnahmen zur Risikominderung bei der Gewinnung von Schiefergas fordern. Dies veranlasst manche Unternehmen dazu, sich einer größeren Transparenz zu verschreiben, das umweltschädliche Gasabfackeln einzustellen und verbesserte betriebliche Verfahren umzusetzen. Die Regulierung rund um die Gewinnung von Schiefergas und -öl ist in den US-Bundesstaaten uneinheitlich geregelt, was die Vorbehalte der US-Aktionäre hinsichtlich dieses Industriezweigs zumindest zum Teil erklären könnte. Eine verantwortungsvolle Gewinnung von Schiefer-gas- und -öl erfordert weitere Maßnahmen von Privatsektor und Regierung, um die Vorteile bestmöglich zu nutzen und potenziell negative Auswirkungen soweit wie möglich zu begrenzen.

Obwohl die Gewinnung von Schiefergas und die damit einhergehenden niedrigeren Energiepreise die Re-Industrialisierung in den USA beflügeln, sind sie doch nur einer unter einer Vielzahl von Einflussfaktoren für Wettbewerbsfähigkeit. Daher seien die Implikationen für Europa nicht überzubewerten. Für die überwiegende Mehrzahl der Unternehmen sind das Investitionsklima insgesamt, das Lohnniveau, Produktivität und Wechselkurse weit wichtiger. Die potenziellen Auswirkungen auf energieintensive Industrien sollten näher untersucht werden. Insgesamt habe die Entwicklung im Bereich Schiefergas und -öl positiv zu einer größeren Stabilität des Energieangebots beigetragen und die Gefahr einer sogenannten „Gas-OPEC“ reduziert.

Die Förderung von Schiefergas kann per Saldo hilfreich sein, um die globalen CO2-Emissionen zu reduzieren. Beispielsweise hat der Ausbau der US-amerikanischen Schiefergasproduktion die Emissionen der USA gesenkt, gleichzeitig jedoch zu niedrigeren Preisen für US-Kohle und gestiegenen Exporten nach Europa beigetragen. Auch aus diesem Grund ist eine Reform des EU-Emissionshandels wichtig, so dass Marktknappheit wiederhergestellt wird. Zudem sollten längerfristige Ziele zur Reduzierung von CO2 Emissionen definiert werden. Ebenso müssen Regierungen und Wirtschaft größere Anstrengungen bei der Reduktion des Methanaustritts unternehmen um sicherzustellen, dass Schiefergas per Saldo zu einer Reduzierung von Treibhausgasemissionen führt.

Die erste neue Exportanlage für verflüssigtes Gas (LNG) wird in den USA zur Zeit gebaut, doch dürfte es noch einige Zeit dauern, bis Exporte in signifikanten Ausmaß aus den USA nach Europa oder Asien erfolgen; dies ist unabhängig davon, wie schnell die US-Regierung weitere Exportlizenzen erteilt. Angesichts der Wahrscheinlichkeit, dass die USA in den kommenden Jahren zum Exporteur von Öl und Gas werden dürfte, stellten Koch-Weser und andere Teilnehmer Fragen hinsichtlich der geopolitischen Implikationen für den Nahen Osten. Was passiert, wenn die USA nicht mehr die gleichen Sicherheitsinteressen wie heute in dieser Region haben? Die Erwartung wurde geäußert, dass Europa gebeten werden könnte, eine größere Rolle im Nahen Osten zu spielen.

Mit Koch-Weser diskutierten zu diesem Thema u.a. Elmar Brok (Vorsitzender des Ausschusses für Auswärtige Angelegenheiten, EU-Parlament), Dr. Ashti Hawrami (Minister für Natürliche Ressourcen, Regionalregierung Kurdistan, Irak), Peter Reitz (CEO, European Energy Exchange) und Professor Wang Zhongying (Stellvertretender Generaldirektor, Chinesisches Energie-Forschungsinstitut).

Während der Konferenz wurde die deutsche Energiewende immer wieder als positive Initiative im Hinblick auf eine höhere Energiesicherheit angeführt. Die Anstrengungen jedoch müssten verstärkt werden, um die Energiewende auf kosteneffiziente Weise umzusetzen, so die Einschätzung der Teilnehmer.

Andere Teilnehmer stimmten darin überein, dass es aufgrund der Vielzahl unbekannter Faktoren schwierig sei, den vollen Umfang der Auswirkungen der Schiefergasrevolution in den USA und deren mögliche Vorbildfunktion für andere Länder und Regionen einzuschätzen. Aufgrund der unterschiedlichen Ausgangslage hinsichtlich der Ausstattung eines Landes mit natürlichen Ressourcen, der Bevölkerungsdichte, der Sorgen der Bevölkerung im Hinblick auf Umweltbelange, der Wasserversorgung, Eigentumsrechten, der lokalen Infrastruktur und der technischen Fähigkeiten der Industrie sei es schwierig zu prognostizieren, wie die Schiefergasrevolution anderswo auf der Welt nachgeahmt werden könnte.

Die Bemühungen Chinas, die Verwendung von erneuerbaren Energien zu fördern und andere Maßnahmen zur Begrenzung von CO2-Emissionen und Luftverschmutzung zu ergreifen, wurden begrüßt. Angesichts der rasanten wirtschaftlichen Entwicklung (auch in anderen asiatischen Ländern wie Indien) werden fossile Brennstoffe jedoch in absehbarer Zeit unverzichtbar bleiben und weiterhin den überwiegenden Anteil des primären Energieverbrauchs ausmachen. Eine Reduzierung des Anteils der Kohlenutzung ist jedoch absehbar. Dies könnte dazu führen, dass das Maximum des Kohleverbrauchs in China bereits zu einem früheren Zeitpunkt als erwartet erreicht wird.

Caio Koch-Weser, Vice Chairman der Deutschen Bank

„Die Schiefergasrevolution ist aus wirtschaftlicher wie auch aus ökologischer und geopolitischer Sicht summa summarum eine positive Entwicklung – vorausgesetzt, dass angemessene politische und regulatorische Rahmenbedingungen geschaffen werden.”

Caio Koch-Weser Vice Chairman der Deutschen Bank

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