19. Mai 2015

Caio Koch-Weser spricht vor Vertretern der G7 über Klimafinanzierung und verantwortungsvolles Investieren

Deutschland richtet in diesem Jahr den G7-Gipfel aus, auf dem die Klimapolitik eines der wichtigsten Themen sein wird. Im Zuge der Gipfelvorbereitungen sprach Vice Chairman Caio Koch-Weser vor Vertretern der G7 zum Thema Klimafinanzierung.

Zentraler Ausgangspunkt der Rede war die Botschaft, dass nachhaltiger Wohlstand nur verwirklicht werden kann, wenn sich alle Beteiligten gemeinsam sowohl für Wirtschaftswachstum und eine sichere Energieversorgung als auch für den Klimaschutz einsetzen. Dies ist das Fazit der New Climate Economy-Studie „Better Growth, Better Climate“, an deren Erstellung Koch-Weser als Mitglied der „Global Commission on the Economy and Climate“, einem globalen Ausschuss führender Vertreter aus Wirtschaft und Politik, federführend beteiligt war.

Handlungsempfehlungen für die G7-Gruppe

Die G7-Gruppe sei in der Vergangenheit mit gutem Beispiel vorangegangen, wie die Entwicklung des Financial Stability Board und der G20 zeige. Es könne nun die Rolle der G7 sein, auch die Umstellung auf eine klimafreundliche Wirtschaft als Vorreiter voranzutreiben. Koch-Weser stellte den G7 eine Reihe von Handlungsempfehlungen vor, die er in vier Gruppen einteilte.

Erstens gehe es darum, Schaden zu vermeiden. Subventionen für landwirtschaftliche Betriebsstoffe, Landschaftszersiedelung und fossile Brennstoffe sollten abgebaut und freiwerdende Gelder stattdessen zum Beispiel für klimafreundliche Infrastrukturinvestitionen genutzt werden. Gleichzeitig müsse an der Rolle von Exportkreditagenturen bei der Finanzierung von Kohleprojekten gearbeitet werden.

Zweitens sollten die G7-Staaten mit gutem Beispiel vorangehen. So müsse ein glaubwürdiges Finanzierungspaket für die Klimakonferenz in Paris vereinbart werden. Außerdem könnten Regierungen zu verantwortungsvollerem Anlegerverhalten beitragen. Unter anderem müssten öffentliche Pensionsfonds dazu angehalten werden, Klima- und Umwelt sowie Sozial- und Governance-Faktoren verstärkt bei Anlageentscheidungen zu berücksichtigen. Koch-Weser rief zudem einen Wettbewerb unter den G7-Regierungen aus: Welche werde wohl als erste eine grüne Staatsanleihe begeben?

Drittens sei ein politisches Rahmenwerk notwendig, das auch Klimaschutzziele berücksichtigt. Dazu gehöre ein verlässlicher, langsam ansteigender CO2-Preis. Speziell mit Hinblick auf den Finanzsektor riet Koch-Weser, Nachhaltigkeit auch durch Anreize, Regulierung und Standards zu fördern. Insbesondere nannte er folgende Bereiche:

  • Die integrierte Jahresberichterstattung von Unternehmen und Anlegern,
  • Due-Diligence- und Risikomodelle,
  • Verträge institutioneller Investoren mit Asset Managern,
  • Methoden und Kriterien zur Analyse von Unternehmen und Immobilien durch Anlagemanager und Investoren,
  • Die Interaktion von Investoren mit Regierungen und Unternehmen am Anleihemarket und
  • Die Bewertung von Nachhaltigkeit durch Analysten und Ratingagenturen.

Ein wichtiger Schritt ist Koch-Weser zufolge zum Beispiel, dass die Regierungen in Brasilien, China und Peru bereits Umweltvorschriften für den Finanzsektor verabschiedet haben. Vor kurzem haben die Finanzminister der G20 das Financial Stability Board aufgefordert, sich mit dem Thema Klimawandel zu befassen.

Viertens seien neue Partnerschaften und Instrumente erforderlich. So könnten sich Regierungen als wichtige Anteilseigner von Entwicklungsbanken noch stärker dafür einsetzen, dass private Investitionen gehebelt werden. Bei neuen Entwicklungsbanken wie der Asia Infrastructure Investment Bank sollten Nachhaltigkeit und eine klimafreundliche Wirtschaft als zentrale Punkte in das Mandat aufgenommen werden. Außerdem ist ein intensiverer Dialog zwischen der öffentlichen Hand und dem privaten Finanzsektor erforderlich.

Um diese Ideen umzusetzen, müssen verschiedene gesellschaftliche Bereiche sowie unterschiedliche Abteilungen und Experten eng zusammenarbeiten und die Aktivitäten zahlreicher Verwaltungsebenen genau aufeinander abgestimmt werden. Koch-Weser betonte, dass gemeinsames Handeln die Grundlage für ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum, für Energiesicherheit und für den Klimaschutz legen kann.

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„Zu unseren Zielvorgaben gehören unter anderem wirtschaftliches Wachstum, eine sichere Energieversorgung und der Schutz des Klimas. Man könnte sich diese drei Ziele als in Dreiecksform verbundene Beziehung vorstellen. Sie sind voneinander abhängig. Nachhaltiges soziales und wirtschaftliches Wohlergehen ist nur möglich, wenn wir alle drei anstreben.”

Caio Koch-Weser Vice Chairman Deutsche Bank
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