21. Mai 2014

Deutsche Bank fördert Handel mit Palmöl aus nachhaltigem Anbau: Gemeinsame Initiative mit Konsumgüterproduzenten gegen Entwaldung

Der Verlust von Wäldern ist verantwortlich für ungefähr 15% der globalen Emissionen von Treibhausgasen – mehr als der Verkehr. Zugleich ist die Entwaldung in den Tropen zu rund 50% auf die Produktion von vier Agrarrohstoffen zurückzuführen: Sojabohnen, Palmöl, Rindfleisch und Zellstoff/Papier.

Agrarrohstoffe nachhaltig zu produzieren ist eine große Herausforderung unserer Zeit. Das zeigt das Beispiel Palmöl: Nach Prognosen wird sich die globale Produktion bis 2030 verdoppeln. Zusätzliche Anbauflächen werden abgeholzt werden, mit negativen Folgen für das Klima, die Biodiversität und die dort lebenden Menschen.

Das Ziel der Null-Netto-Abholzung

Fünfzig große Konsumgüterkonzerne, darunter Unilever, Coca-Cola und Nestle, haben sich öffentlich verpflichtet, ihre Lieferketten so umzugestalten, dass sie dazu beitragen, das Ziel der „Null-Netto-Abholzung“ zu erreichen. Das heißt, dass bei der Produktion von Agrarrohstoffen Nettomenge und Qualität der Regenwälder erhalten bleiben muss – auch, wenn die Nutzung einer konkreten Fläche geändert wird. Die Unternehmen haben sich das Ziel gesetzt, die durch ihre Lieferketten verursachte Entwaldung bis 2020 auf Null zu reduzieren.

Die Deutsche Bank und andere internationale Banken unterstützen die Unternehmen im Rahmen der Banking Environment Initiative (BEI) dabei, dieses Ziel zu erreichen. Zwischen dem Consumer Goods Forum (CGF) und der Banking Environment Initiative entstand der Agrarrohstoffpakt („Soft Commodities Compact“). Dieser Pakt legt Mindestanforderungen an die Kreditvergabestandards der Banken fest, die mit den Richtlinien des CGF für die nachhaltige Beschaffung wichtiger Agrarrohstoffe im Einklang stehen. Die Deutsche Bank und mehrere andere Banken wollen diese Standards im Zuge ihrer Due Diligence für Umwelt- und soziale Risiken umsetzen.

Sabine Miltner, Group Sustainability Officer bei der Deutschen Bank, sagte: „Wir unterstützen die Umweltziele der Konsumgüterindustrie als Partner. Dies ist ein gutes Beispiel für die Kundenorientiertheit der Deutschen Bank und für unseren Fokus auf eine innovative nachhaltige Entwicklung.“

Der Agrarrohstoffpakt in der Umsetzung

Zur Ergänzung des Pakts, der sich vor allem auf das Risikomanagement konzentriert, wurde ein Konzept für ein neues Bankprodukt entwickelt: ein „Sustainable Shipment Letter of Credit“. Dabei handelt es sich um ein Akkreditiv für Waren, die nach anerkannten Nachhaltigkeitsstandards hergestellt wurden. So können die in der Handelsfinanzierung tätigen Banken zwischen konventionellen und nachhaltigen Lieferungen unterscheiden. Akkreditive schließen im Außenhandel das Risiko aus, dass ein Verkäufer für seine Lieferungen nicht bezahlt wird.

Daniel Schmand, Head of Corporate Trade Finance and Cash Management Corporates für die Region EMEA (Europa, Naher Osten und Nord Afrika) bei der Deutschen Bank, erläutert dazu: „Akkreditive für nachhaltige Lieferungen, so genannte ‚Sustainable Shipment Letters of Credit‘, sind ein innovatives Bankprodukt, das zu einer grundlegenden Veränderung der Lieferketten für Rohstoffe beitragen kann, so dass die Endergebnisse sozial gerechter und ökologisch nachhaltiger werden. Die Deutsche Bank nimmt bei der Handelsfinanzierung eine führende Rolle ein – und wir sind bereit, die Konsumgüterproduzenten bei ihren Bemühungen zu unterstützen, der Entwaldung Einhalt zu gebieten.“

Vorzugszinsen als wirksamer Hebel

An der Entwicklung des „Sustainable Shipment Letter of Credit“ haben führende Rohstoffeinkäufer, Handelshäuser, internationale Handelsfinanzierungsbanken, Entwicklungsbanken, Gremien des Handelsfinanzierungssektors und internationale NGOs mitgewirkt. Außerdem unterstützte die International Finance Corporation dieses Konzept wirksam durch die Ankündigung, dass sie den Handelsfinanzierungsbanken Vorzugszinsen für Teil- oder Gesamtbürgschaften für die Zahlungsrisiken aus Transaktionen anbieten wird, bei denen ein Sustainable Shipment Letter of Credit eingesetzt wurde.

Sabine Miltner: „Die Deutsche Bank will ihre finanzielle Expertise nutzen, um die Konsumgüterproduzenten bei ihrem Ziel zu unterstützen, die Entwaldung zu begrenzen und nachhaltige Produktionsweisen von Agrarrohstoffen wie Palmöl einzuführen.“

Mögliche Risiken für Umwelt und Gesellschaft im Produktionsprozess von Palmoel zu identifizieren, ist ein fester Bestandteil des Risikopruefungsprozesses der Deutschen Bank. Als Mindeststandard werden Kunden in diesem Sektor aufgefordert nachzuweisen, dass ihre Produktion den Kriterien des RSPO entspricht (Round Table on Sustainable Palm oil). Mit ihrem Bekenntnis zum Agrarrohstoffpakt unterstreicht die Deutsche Bank diese Haltung.

Abholzung von Wäldern für Palmölplantagen in Malaysia

Abholzung von Wäldern für Palmölplantagen in Malaysia

„Akkreditive für nach­haltige Lieferungen, so genannte ‚Sus­tainable Shipment Letters of Credit‘, sind ein inno­vatives Bank­produkt, das zu einer grund­legen­den Ver­änderung der Liefer­ket­ten für Roh­stoffe beitragen kann, so dass die End­produkte sozial gerechter und öko­logisch nach­haltiger werden.”

Daniel Schmand Head of Corporate Trade Finance and Cash Management Corporates für die Region EMEA

Die Null-Netto-Abholzung

Die Unternehmen des ‚soft commodities compact‘ haben sich das Ziel gesetzt, die durch ihre Lieferketten verursachte Entwaldung bis 2020 auf Null zu reduzieren. Im Januar 2015 hat die Banking Environment Initiative technische Leitlinien veröffentlicht, in denen der Schlüsselbegriff „Null-Netto-Abholzung“ klar definiert wird. Dabei folgt die BEI der vom Consumer Goods Forum festgelegten Definition dieses Begriffs, die sich ihrerseits auf die Leitlinien des World Wildlife Fund (WWF) stützt.

„Die Deutsche Bank will ihre finanz­ielle Exper­tise nutzen, um die Konsum­güter­produ­zenten bei ihrem Ziel zu unter­stützen, die Ent­waldung zu be­gren­zen und nach­haltige Pro­duktions­weisen von Agrar­roh­stof­fen wie Palmöl einzu­führen.”

Sabine Miltner Group Sustainability Officer

Die Banking Environment Initiative

Paul Polman, der CEO von Unilever, erläutert in einem Video, warum er und seine im Consumer Goods Forum vertretenen Kollegen der Arbeit der Banking Environment Initiative im Bereich Agrarrohstoffe solche Bedeutung beimessen.

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