26. Mai 2015

Dunkle Wolken über der Braunkohle: Aktueller Kommentar von Deutsche Bank Research

Die deutsche Regierung steht zu ihrem Ziel, die Treibhausgasemissionen bis 2020 um 40% gegenüber 1990 zu mindern. Da die Zielerreichung derzeit fraglich erscheint, schlägt Bundeswirtschaftsminister Gabriel vor, einen zusätzlichen Klimabeitrag für ältere Elektrizitätskraftwerke mit besonders hohen CO2-Emissionen einzuführen.

Ende März diesen Jahres bekräftigte der Wirtschaftsminister seinen Vorschlag, einen additiven „Klimabeitrag“ für Kohlekraftwerke einzuführen, die älter als 20 Jahre sind und über einen bestimmten Freibetrag hinweg CO2 ausstoßen. Im Kern ging es um ein zusätzliches Einsparvolumen von 22 Mio. t CO2; zuletzt sind „nur noch“ 16 Mio. t in der Diskussion. Die Betreiber der Kohlekraftwerke, so der Vorschlag, sollen für jede Tonne CO2, der eine Freigrenze übersteigt, einen Strafbeitrag von bis zu 20 EUR entrichten. Hauptbetroffene dieser Neuregelung wären die Betreiber der Braunkohlekraftwerke, da diese unter allen Kraftwerksalternativen die höchsten Emissionen pro erzeugter Stromeinheit tätigen.

Gemessen an der deutschen Primärenergiegewinnung ist die Braunkohle seit vielen Jahren der größte heimische Energieträger. 2014 lieferte sie 55,2 Mio. t SKE (Steinkohleeinheiten) bzw. 41% zur gesamten inländischen Energiegewinnung (135,3 Mio. t SKE). Erneuerbare, die früher nur eine untergeordnete Rolle spielten, haben mittlerweile aufgrund diverser Förderinstrumente fast gleichgezogen (knapp 50 Mio. t SKE). Danach folgen mit Abständen Erdgas und (aufgrund sinkender Förderung) die heimische Steinkohle (11 bzw. knapp 8 Mio. t SKE). Deutschland ist seit Jahren der mengenmäßig wichtigste Braunkohleproduzent – noch vor China und Russland; zuletzt fand in Deutschland mehr als ein Sechstel der globalen Braunkohlegewinnung statt.

Die Lagerstätten sind konzentriert auf vier Regionen: das Rheinland, die Lausitz sowie Mitteldeutschland und Helmstedt. Im Unterschied zu konkurrierenden Energieträgern ist der Transport von Rohbraunkohle über größere Distanzen aufgrund des hohen Wassergehalts und dem relativ niedrigen Heizwert betriebswirtschaftlich nicht interessant. Daher dienen rund neun Zehntel der Braunkohlegewinnung ortsnahen Kraftwerken der Strom- und Fernwärmeerzeugung. In Deutschland basiert jede vierte verbrauchte Elektrizitätseinheit auf Braunkohle.

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Josef auer - Dunkle Wolken über der Braunkohle

Josef Auer,
Autor des Kommentars, Sektoranalyst bei Deutsche Bank Research

Über 25% der Stromproduktion aus Braunkohle

Stromproduktion

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