Deutsche Bank – Verantwortung

GET FiT: Den Herausforderungen von Klimawandel und Armut wirksam begegnen

Die Finanzierung erneuerbarer Energien ist eine Kernkompetenz der Deutschen Bank. Auch bei strategischen Initiativen, die sich mit den globalen Herausforderungen von Klimawandel und Armut befassen, sind wir ein international angesehener Ansprechpartner für den öffentlichen Sektor.

GET FiT Programm

GET FiT: Erneuerbare Energien für Entwicklungsländer

Ziel von GET FiT (Global Energy Transfer Feed-in Tariffs Programm) ist es, den Klimawandel und die Energieknappheit in Schwellen- und Entwicklungsländern zu bekämpfen, indem Investitionen in kapitalintensive erneuerbare Energiequellen unterstützt werden.

GET FiT wurde im Januar 2010 von Experten der Deutsche Bank Climate Change Advisors entwickelt.  Sie waren von der Beratergruppe für Energie und Klimawandel (AGECC) des Generalsekretärs der Vereinten Nationen gebeten worden, neue Konzepte zur Förderung von Investitionen in erneuerbare Energien in Entwicklungsregionen vorzustellen.

Eine innovative Form von Public-Private-Partnership

GET FiT zufolge ist angesichts finanzieller Limitierungen und mangelnden Vertrauens von Anlegern in die Regierungen von Entwicklungsländern internationale Unterstützung notwendig, um den dortigen Bau von Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energien voranzutreiben. Das Konzept kombiniert Mechanismen und Strukturen des öffentlichen und privaten Sektors und schafft eine innovative Form von Public-Private-Partnership:

  • Die Regierung und/oder die Energiesektorregulierer des Entwicklungslands unterstützen Projekte im Bereich erneuerbare Energien, indem sie im Entwicklungsland angemessene regulatorische Regelungen für die Erzeugung erneuerbarer Energien einführen. Fixe Vergütungen für die erzeugte Energie und eine bevorzugte Behandlung erneuerbarer Energien sind entscheidende Voraussetzungen für Investitionen des privaten Sektors.
  • Der öffentliche Sektor des Industrielands bzw. multi- oder bilaterale Entwicklungspartner trägt dafür Sorge, dass das vorhandene bzw. neu aufgebaute regulatorische Umfeld im Entwicklungsland stabilisiert wird. Er sorgt für zusätzliche Transparenz, Stabilität und langfristige Sicherheit für die Anleger aus dem privaten Sektor und verringert so die realen wie die gefühlten Risiken in einer Weise, die allein durch Maßnahmen der Regierung des Entwicklungslands nicht möglich wäre. Zu diesem Zweck übernimmt der öffentliche Sektor des Industrielandes das Bonitätsrisiko des Stromabnehmers und gibt damit weitere Sicherheit, dass die benötigten Renditen des Privatsektors erreicht werden können. Die Privatanleger können auch Bürgschaften für politische und regulatorische Risiken in Anspruch nehmen. Positive Effekte entstehen darüber hinaus, wenn bilaterale und multilaterale Entwicklungspartner außerdem finanzielle Unterstützung für Einspeisevergütungen anbieten (Lastenteilung mit dem Entwicklungsland).
  • Auf der Grundlage des nun attraktiveren Risikoprofils und der wirtschaftlichen Tragfähigkeit der Investitionen im Bereich erneuerbare Energien stellt der private Sektor Kapital bereit. Er übernimmt alle Risiken, die er selbst managen kann; dies sind insbesondere technologische und operative Risiken.

Gefühlte Risiken minimieren

Diese beschriebenen Finanzierungsmechanismen des öffentlichen Sektors adressieren zentrale Probleme, die höhere Privatinvestitionen in erneuerbare Energien in Entwicklungsländern in der Regel verhindern – insbesondere das Fehlen kreditwürdiger Abnehmerstrukturen, beträchtliche (gefühlte) politische Risiken und mangelnde finanzielle Tragbarkeit von Investitionen aufgrund niedriger Einspeisevergütungen. GET FiT schafft eine faire Risikoallokation; durch die Übernahme von Risiken von der Partei, die sie am besten beeinflussen kann, entsteht zusätzlich ein kosteneffizientes Förderinstrument.
GET FiT Sektoren
Das GET-FiT-Fondskonzept verfolgt eine einzigartige Philosophie und einen innovativen Ansatz. Es geht weit über die traditionellen Mechanismen zur Förderung privater Investitionen in erneuerbare Energien hinaus, indem es ein umfassendes Unterstützungspaket bietet.

Ein stabiles regulatorisches Umfeld aufbauen

Die Unterstützung des Aufbaus eines stabilen regulatorischen Umfeldes in Entwicklungsländern („enabling environment“) anstelle projektbezogener Einzelförderung erhöhen die Transparenz und Vorhersehbarkeit für den Privatsektor und reduzieren Opportunitätskosten in neuen Märkten.

GET FiT weckt weiterhin das Interesse öffentlicher Institutionen in den Industrie- und Entwicklungsländern und beeinflusst die internationalen Verhandlungen über die Finanzierung von Klimawandelprojekten. In Zusammenarbeit mit der KfW hat die Deutsche Bank eine Machbarkeitsstudie für ein GET FiT-Pilotprojekt in Uganda ausgearbeitet. Dieses Pilotprojekt soll in Kürze mit Unterstützung verschiedener bilateraler und multilateraler Entwicklungspartner und der Regierung sowie des Regulierers in Uganda umgesetzt werden. Die ersten Finanzierungszusagen seitens der Regierungen von Großbritannien und Norwegen liegen bereits vor.

Aktuelle Entwicklungen

„Das bahnbrechende GET FiT-Programm stellt die zentralen Elemente für bankfähige Mini-Wasserkraftprojekte in Uganda bereit und ermöglicht so wirkliche Public-Private-Partnership-Finanzierungen. Ohne das GET FiT-Programm würden verschiedene Projekte, die den dringend benötigten Strom liefern können, nicht finanziert werden.”

Orli Arav Leiterin Projektfinanzierung, Frontier Markets Fund Managers (FMFM)

Pilotprojekt

15 saubere Kraftwerke

für Uganda geplant

Levelised cost of energy

Das Klima gewinnt

8 Mio. Tonnen

mögliche Verringerung des CO2-Außstoßes in Uganda

„GET FiT kann die Kapazitäten zur Stromerzeugung in Uganda um 20% steigern – für saubere Energie.”

Silvia Kreibiehl Projektmanagerin für das GET FiT-Pilotprojekt in Uganda

Interview mit GET FiT Lead Analyst Silvia Kreibiehl

Worum geht es bei GET FiT?
GET FiT ist die Abkürzung für Global Energy Transfer – feed-in tariffs (Globaler Energietransfer – Einspeisevergütungen) für Entwicklungsländer. Es handelt sich dabei um ein Konzept, das Investitionen des privaten Sektors in erneuerbare Energien in Entwicklungsländern erleichtern soll. Der Begriff beschreibt eine Kombination aus bestehenden und neuen Instrumenten und Mechanismen, durch die ein günstiges Umfeld für Projekte geschaffen werden kann.

Warum ist GET FiT erforderlich?
Erneuerbare Energien spielen zum einen bei der Bekämpfung des Klimawandels und zum anderen bei der Behebung von Energieknappheit in Entwicklungsländern eine wichtige Rolle. Viele Technologien sind jedoch sehr kapitalintensiv und erfordern beträchtliche Investitionen, vor allem von Seiten des privaten Sektors. In den Entwicklungsländern ist das Investitionsklima häufig sehr viel unattraktiver als zum Beispiel in Deutschland. In Deutschland profitieren die Anleger von einem starken und stabilen regulatorischen Umfeld und einer hervorragenden Bonität der Versorger, die die Einspeisevergütung zahlen. Daher können sich die Anleger sehr sicher sein, dass sie ihre angestrebten Renditen auch tatsächlich erzielen – und wegen der geringen Risiken sind die Risikomargen bei den Finanzierungskosten niedrig. Dies wiederum führt dazu, dass die Erzeugungskosten für erneuerbare Energien geringer sind, wodurch sie besser mit traditionellen Energiequellen konkurrieren können. Die von GET FiT bereitgestellten Mechanismen tragen dazu bei, das regulatorische Rahmenwerk für erneuerbare Energien in Entwicklungsländern zu stabilisieren und ein Projektumfeld zu schaffen, das den privaten Sektor anzieht.

Aus welchem Grund treibt die Deutsche Bank strategische Initiativen wie GET FiT voran?
Die Deutsche Bank nimmt nicht nur im Rahmen ihres Kerngeschäfts bei der Finanzierung erneuerbarer Energien eine Führungsposition ein, sondern ist in ihrer Rolle als „Klimabotschafter“ auch bei strategischen Initiativen, die sich mit globalen Herausforderungen wie Klimawandel und Armutsbekämpfung befassen, ein international angesehener Ansprechpartner für den öffentlichen Sektor. Wir sind der Auffassung, dass wir als verantwortungsbewusster Unternehmensbürger erklären müssen, warum wir manche Dinge tun und andere nicht tun können - und was geschehen muss, damit Hindernisse überwunden werden können. Genau dies haben wir in unseren Studien zu GET FiT getan. Nach den umfangreichen Arbeiten der Deutschen Bank zum GET FiT-Konzept haben wir beschlossen, auch die Vorbereitung des Pilotprojekts zu unterstützen und so unsere Vorstellungen zu realisieren. Die Deutsche Bank ist ein dauerhaft verlässlicher Partner, und wir engagieren uns zuverlässig in komplexen und langfristigen Projekten.

Nach mehr als einem Jahr Lobbyarbeit für das GET FiT-Konzept im öffentlichen Sektor ist die Deutsche Bank ein „Joint Venture“ mit der KfW eingegangen, in dessen Rahmen ein GET FiT-Pilotprojekt in Uganda entwickelt werden soll. Warum gerade Uganda?
Uganda nimmt bei Reformen im Energiesektor eine Führungsposition ein und hat bereits im Jahr 2007 Vorschriften zu Einspeisevergütungen für erneuerbare Energien verabschiedet. Der CEO der Stromaufsichtsbehörde und der ugandische Botschafter in Deutschland interessieren sich für GET FiT, seit das Projekt in den Kinderschuhen steckt, und standen jederzeit als wertvolle Ansprechpartner für einen Austausch zur Verfügung. Außerdem hat die Entwicklungszusammenarbeit zwischen Deutschland und Uganda im Bereich Energie eine lange Geschichte. Insgesamt sind wir davon überzeugt, dass sich Uganda in hohem Maße engagieren und als zuverlässiger und motivierter Partner erweisen wird. Die Regierung von Uganda, die Energieaufsichtsbehörde und andere Institutionen in Uganda haben uns in dieser Hinsicht nicht enttäuscht.

Die britische Regierung hat vor kurzem angekündigt, dass sie das GET FiT-Pilotprojekt in Uganda finanziell unterstützen wird. Ist die Arbeit jetzt getan?
Die erste finanzielle Zusage eines Spenders ist für uns ein sehr wichtiger Meilenstein, und wir sind sehr stolz und froh darüber. Nach einem Jahr Vorbereitungsarbeit haben wir es fast geschafft. Wir sind zuversichtlich, dass bald weitere Geldgeber und ein Bürge an Bord kommen. Dann wird das Projektumfeld vollständig geschaffen sein.
GET FiT erfordert jedoch noch mehr: Nachdem das Investitionsklima so verbessert wurde, muss nun der Privatsektor Projekte entwickeln, umsetzen und finanzieren. Aus unserer Sicht sind bereits interessante Projektpläne vorhanden, und wir erwarten, dass mit dem Bau der ersten Projekte im Jahr 2013 begonnen wird und dass sie 2014 ans Netz angeschlossen werden können.

Was geschieht als nächstes? Können sich auch Kunden der Deutschen Bank an GET-FiT-Projekten beteiligen?
Wie gesagt hat die Arbeit für den privaten Sektor gerade erst begonnen. Das GET FiT Geberkonsortium gemeinsam mit dem ugandischen Regulierer wird zur Einreichung von Projektvorschlägen aufrufen, so dass die Projektentwickler Anträge auf GET FiT-Unterstützung stellen können. Wenn die Projekte angenommen werden, folgt die Strukturierung der Projektfinanzierung: eine wichtige Phase im Prozess. Die Deutsche Bank arbeitet eng mit Banken vor Ort zusammen, um Finanzierungspakete zu schnüren, die das deutlich bessere Risikoprofil der Investitionen widerspiegeln.
Die Deutsche Bank wird die Anlagemöglichkeiten für ihre Kunden prüfen, sobald die Bauphase der Projekte beendet ist und ein interessantes Portfolio aufgebaut wurde.

Welche Auswirkungen wird das GET FiT-Pilotprojekt in Uganda haben?
GET FiT wird dazu beitragen, den stark ansteigenden Energiebedarf in Uganda auf saubere und zuverlässige Weise zu decken. Lastabwurf, das heißt das Abschalten von Verbrauchern und damit einhergehender Stromausfall, bzw. ein umfassender Rückgriff auf schmutzigen und teuren Strom aus fossilen Brennstoffen werden vermieden.
Das GET FiT-Pilotprojekt für Uganda hat zunächst ein Volumen von rund 125 Megawatt; auf der Grundlage der aktuellen Annahmen ist davon auszugehen, dass die finanziellen Zusagen der Spender und die Bürgschaften zur Unterstützung von Projekten mit einem Gesamtvolumen von 125 Megawatt ausreichen. Dies entspricht einer Steigerung der bereits vorhandenen Stromerzeugungskapazitäten in Uganda um 20 Prozent. Wenn durch diesen Strom Kraftwerke ersetzt werden, die mit fossilen Brennstoffen arbeiten, kann der CO2-Ausstoß über die Lebensdauer der Projekte hinweg um rund 8 Mio. Tonnen verringert werden.
Neben diesen direkten Auswirkungen dürfte GET FiT noch sehr viel mehr bewirken: Die Kosten für erneuerbare Energien werden nachhaltig gesenkt, und der Finanzsektor wird spürbar weiterentwickelt. Wenn das GET FiT-Pilotprojekt gut läuft, hoffen wir, dass mittelgroße Projekte im Bereich erneuerbare Energien zentraler Bestandteil eines möglichst kostengünstigen Entwicklungsprogramms für den Energiesektor werden.

Dezember 2012

Silvia Kreibiehl

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