Deutsche Bank – Verantwortung

Risikomanagement: zur Kontrolle von Umweltrisiken und Sozialrisiken

Unser konzernweites Risikomanagement umfasst das Ermitteln, Messen, Überwachen und Steuern von Geschäfts- und Reputationsrisiken. Sowohl bei der Kreditvergabe als auch bei der Produktbewertung unterstützen präzise Verfahren den Entscheidungsprozess auf allen Ebenen der Bank. Risiken gehören zu unserem Geschäft. Verantwortlich mit ihnen umzugehen heißt für uns, die erwartete Wertschöpfung sorgsam gegen mögliche Gefahren abzuwägen und dabei die Belange unserer unterschiedlichen Interessengruppen zu berücksichtigen. Ein stringentes Risikomanagement mit genau festgelegten Prozessen und einem strikten System interner Kontrollen helfen uns dabei.

Bereits 2005 hat die Deutsche Bank ein konzernweites Programm zum Risikomanagement von Reputationsrisiken eingeführt. Es gibt einheitliche Richtlinien für die Ermittlung, Eskalation und Lösung von Reputationsrisiken vor, die aus geschäftlichen Aktivitäten der Bank entstehen können. Das Programm wird kontinuierlich weiterentwickelt.

Grundsätzlich ist es Aufgabe jedes Mitarbeiters, den Ruf der Bank zu schützen. Organisatorisch liegt die Hauptverantwortung für den Umgang mit Reputationsrisiken bei unseren Geschäftsbereichen vor Ort. Sie werden dabei von Kontrollteams der Abteilungen Recht, Compliance und Group Sustainability unterstützt. Die Beteiligung der Nachhaltigkeitsabteilung stellt sicher, dass auch Umwelt-, Sozial- und Governance-Themen (ESG) berücksichtigt werden.

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Der Führungsstab der Deutschen Bank erhält jeden Monat einen Bericht zum Profil der Reputationsrisiken, mit denen die Bank umgehen muss. Der Bericht zeigt auch die Hauptquellen und Treiber von Reputationsrisiken auf und analysiert die aktuelle Berichterstattung in den Medien. Darüber hinaus geht ein vierteljährlicher Bericht, in dem Fragen zur erhöhten Reputationsrisiken erörtert werden, an die Geschäftsbereiche und das Group Reputational Risk Committee (GRRC), unser höchstes Gremium zur Entscheidung von Reputationsrisiken. Das GRRC, dem auch zwei Mitglieder des Vorstandes angehören, berichtet direkt an das Risk Executive Committee, das höchste Risikogremium der Deutschen Bank. Das GRRC beurteilt auch abschließend, ob und unter welchen Rahmenbedingungen Produkte aufgelegt, Kundenbeziehungen eingegangen oder Transaktionen begleitet werden.

Strikte Richtlinien für Kredite

Strikte Richtlinien für Kredite

Ein wichtiger Baustein im Risikomanagement von Reputationsrisiken sind unsere Kreditrichtlinien. Sie beziehen sich nicht nur auf finanzielle Risiken, sondern umfassen auch klare Vorgaben zu Themen wie Rüstungsgüter, Pornografie, Wett- und Glücksspiel, Umweltschutz und Embargos. Geschäfte, die mit einem oder mehreren dieser Aspekte zu tun haben, erfordern eine Sonderprüfung durch das Senior Management. Alljährlich überprüfen das Group Reputational Risk Committee und das Group Credit Policy Committee die Kreditrichtlinien auf ihre Übereinstimmung mit den relevanten Standards der Bank.

Unser Rahmenwerk zu Risiken für Umwelt und Gesellschaft

Unser Risikomanagement in diesem Bereich basiert auf dem Leitfaden für Aktivitäten in Sektoren, die hohen Umweltrisiken und Sozialrisiken ausgesetzt sind. Dazu zählen beispielsweise die Rohstoffgewinnung, die Atomenergie, die Land- und Forstwirtschaft und die Rüstungsindustrie. 2012 haben wir das Rahmenwerk in allen Bereichen der Bank eingeführt und Mitarbeiter an Standorten in Asien und Lateinamerika geschult. Wir werden die Trainings auf weitere Geschäftsbereiche, Infrastrukturbereiche und Regionen ausdehnen. Zwischen Januar und Dezember 2012 stieg die Zahl der Transaktionen, die zur Prüfung und Einschätzung an unser Nachhaltigkeitsteam weitergeleitet wurden im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum um 480 %. Wir überprüfen den Anwendungsbereich unseres Rahmenwerks für Umweltrisiken und Sozialrisiken regelmäßig und weiten ihn, wenn nötig, auf weitere Sektoren aus.

Rahmenwerk zu Umweltrisiken und Sozialrisiken

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Bei der Einstufung nach diesem Schema orientieren wir uns im Risikomanagement an einer Checkliste für mögliche Umweltrisiken und Sozialrisiken. Sie setzt sich mit Aspekten auseinander wie:

  • Wie ist die Ausgangssituation in Bezug auf Umwelt und Gesellschaft zu beurteilen?
  • Gibt es Alternativen, die unter Umwelt- und gesellschaftlich-sozialen Gesichtspunkten vorzuziehen wären?
  • Inwieweit wären potenziell Gesundheit, Sicherheit und Menschenrechte der lokalen Bevölkerung betroffen?
  • Welche Folgen für die Bewahrung der Biodiversität, einschließlich gefährdeter Arten und Ökosysteme, wären zu erwarten?
  • Mit welchen sozio-ökonomischen Auswirkungen wäre zu rechnen?
  • Wie wären mögliche Bodenverschmutzungen zu verhindern und Abfälle zu minimieren?
  • Wie ließe sich eine mögliche Verschmutzung von Wasser und Luft verhindern oder kontrollieren?
  • Inwieweit wäre eine effiziente Produktion, Lieferung und Nutzung von Energie gewährleistet?

Fallbeispiele für erfolgreiches Risikomanagement

Unsere Geschäftsentscheidungen basieren auf umfangreichen Prüfungen und genauer Abwägung. Die hier folgenden Fallbeispiele verdeutlichen diesen Prozess und die hinter der schließlich getroffenen Entscheidung stehenden Überlegungen.

Im Herbst 2012 wurden wir angefragt, uns an der Finanzierung von  Komponenten zum Bau eines Wasserkraftwerks in Asien zu beteiligen.

Wasserkraft stellt eine erneuerbare Energiequelle dar. Die aus ihr gewonnene Energie trägt zwar nicht unmittelbar zum Klimawandel bei, Wasserkraftprojekte können sich jedoch nachteilig auf die lokale Bevölkerung auswirken, indem sie Umsiedlungen erforderlich machen, Naturschutzgebiete zerstört werden oder sich die Wasserqualität verschlechtert. Aus diesem Grund wenden wir unser ESG Rahmenwerk auch auf Transaktionen in diesem Sektor an.

Wir prüfen die Rahmenbedingungen solcher Projekte sowie die Projektpartner. Besonderen Wert legen wir auf die Beteiligung von multinationalen oder bilateralen Finanzinstituten, die verlangen, dass internationale Umwelt- und Sozialstandards eingehalten werden. Wir wägen die Auswirkungen des Projekts auf die Umwelt und die Kommunen vor Ort ab. Wir lassen uns Umweltverträglichkeitsprüfungen und, sofern notwendig, auch Umsiedlungspläne vorlegen. Wir beurteilen Projektziele und prüfen, ob die angewendeten Standards internationalen Standards wie den IFC-Leitlinien entsprechen.

Im hier umrissenen Fall konnten wir nicht alle von uns geforderten Projektunterlagen einsehen. Das Projekt erforderte Umsiedlungen, es wurde jedoch kein entsprechender Plan zum Umgang mit der lokalen Bevölkerung vorgelegt. Wir hatten keine Gelegenheit, den aktuellen Stand des Projekts und strittige Fragen mit dem Projektentwickler zu klären. Wir entschieden daher, keine Finanzierungsmittel zur Verfügung zu stellen.

Anfang 2012 beauftragte uns einer unserer Kunden, den Zahlungsverkehr für den Bau eines neuen Kernkraftwerks zu übernehmen. Obwohl es nicht darum ging, Finanzierungsmittel für das Projekt zur Verfügung zu stellen, überprüfen wir in solchen Fällen dennoch länderspezifische und sicherheitsrelevante Kriterien.

Unser Kunde verfügt über große Erfahrung in der Branche. Er betreibt sein Unternehmen in einem europäischen Land, das alle wichtigen internationalen Abkommen zur nuklearen Sicherheit und den Atomwaffensperrvertrag unterzeichnet hat. Damit erfüllt er unsere grundlegenden Anforderungen für Transaktionen im Nuklearenergiesektor. Wir beziehen aber auch das Land, in dem die Anlage betrieben werden soll, in unsere Überprüfung ein.

Diese Prüfung ergab, dass das Kernkraftwerk in einem Land errichtet werden sollte, das zwei der wesentlichen internationalen Abkommen weder unterzeichnet noch ratifiziert hat.  Es betreibt darüber hinaus noch kein Kernkraftwerk und konnte somit keine Erfahrung nachweisen. Auch gab es  keine Vorschriften zum Schutz der Gesundheit und Einhaltung von Sicherheitsstandards. Das seismische Risiko in der Region gilt als hoch bis sehr hoch.

Wir erkannten signifikante Reputationsrisiken für die Bank und leiteten die Anfrage an das Group Reputational Risk Committee zur abschließenden Beurteilung weiter. Es entschied, dass wir trotz der bestehenden Kundenbeziehung keine Zahlungsdienstleistungen für das Projekt übernehmen würden.

Die Deutsche Bank wurde angefragt, sich an der Finanzierung eines Kohlekraftwerks in einem Entwicklungsland in Asien zu beteiligen. Das Land strebt wirtschaftliches Wachstum und die Verbesserung der Lebensbedingungen für die Bevölkerung an, achtet aber gleichzeitig darauf, dass die Entwicklungen möglichst umweltverträglich gestaltet werden.

Das Kyoto-Protokoll wurde ratifiziert und die Förderung erneuerbarer Energien in den nationalen Energieentwicklungsplan aufgenommen. Der hohe Strombedarf des Landes kann jedoch noch nicht alleine durch diese Energiequellen gedeckt werden.

Wir unterstützen die Erzeugung erneuerbarer Energien und die Entwicklung umweltfreundlicher Technologien, sind allerdings der Meinung, dass die vorhandenen Kapazitäten noch nicht ausreichen, den weltweit wachsenden Energiebedarf zu decken. Als Teil des Energiemixes halten wir die konventionelle Energieerzeugung als Brückentechnologie weiterhin für unverzichtbar. Deshalb finanzieren wir unter bestimmten Bedingungen auch Kohlekraftwerke.

Wir überprüfen alle Transaktionen, die mit der Förderung von Kohle oder dem Bau von Kohlekraftwerken in Verbindung stehen, gemäß den Richtlinien unseres ESG-Risikorahmenwerkes. So muss z. B. beim Bau eines Kohlekraftwerkes die  modernste und effizienteste Technologie angewendet werden und die CO2-Bilanz des Landes insgesamt gesenkt werden.

Das vorgestellte Projekt erfüllte diese Kriterien nicht. Es fehlten die finanziellen Mittel, um die effizienteste verfügbare Technologie gemäß den Standards der europäischen Union einzusetzen. Die erforderliche Investition für ältere und damit weniger effiziente (sog. „sub-critical“) Technologien liegt im Allgemeinen um 30 Prozent niedriger. Experten bestätigten allerdings, dass das Kraftwerk nachträglich mit einer verbesserten Technologie ausgerüstet werden könnte.

Nach Abwägung aller Fakten eskalierten wir den Fall an unser asiatisches Reputational Risk Committee. Das Gremium entschied, dass die Deutsche Bank keine Finanzierung zur Verfügung stellen würde, da unsere Standards hinsichtlich einer ausgewogenen Energiepolitik und der verwendeten Technologie nicht erfüllt wurden. Da wir die Notwendigkeit erkennen, den wachsenden Energiebedarf im Land zu decken, stellten wir stattdessen Mittel zur Finanzierung eines Windparks zur Verfügung. Die Gelder stammten aus einem unserer Fonds zur Förderung des Energiesektors und von Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz in Entwicklungsländern.

Klare Vorgaben für neue Produkte

Risikomanagement durch klare Vorgaben für neue Produkte

Ein wichtiges Instrument in unserem Risikomanagement ist zum Beispiel das New Product Approval (NPA). Es schreibt vor, wie neue Geschäftsideen und Produkte oder auch Veränderungen im laufenden Geschäft der Bank zu prüfen und zu genehmigen sind.
Mithilfe des NPA führen wir Risikoanalysen durch und stellen sicher, dass beabsichtige Neuerungen und Veränderungen mit unseren Standards übereinstimmen. Ziel ist es dabei, zu gewährleisten, dass unsere Kontroll- und Risikomanagement-Prozesse einsatzbereit und wirksam bleiben. Das New Product Approval hilft uns:

  • operative Risiken zu erkennen, zu beurteilen und zu vermeiden oder zu begrenzen
  • daraus möglicherweise folgende Markt-, Kredit und Liquiditätsrisiken zu erkennen und einzuschätzen
  • sich möglicherweise daraus ergebende regulatorische, gesetzliche und Reputationsrisiken zu identifizieren und zu beurteilen
  • mögliche Rechnungslegungs-, Bewertungs- und Steuerrisiken zu erkennen und zu beurteilen
  • die Einhaltung bestehender Richtlinien zu kontrollieren und zu prüfen, ob neue Regelwerke und Prozesse erforderlich sind.

Kontakt

Haben Sie Fragen zur Kontrolle von Umwelt- und Sozialrisiken? Senden Sie Ihre E-Mail bitte an:

mailbox.sustainability@db.com

Downloads

Unternehmerische Verantwortung: Bericht 2012

Weiterführende Links

Die weitere Identifizierung, Aggregierung, Steuerung und Reduzierung von Risiken liegt in der Verantwortung des Bereichs „Group Risk” der Deutschen Bank.

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