17. September 2014

Globale Kommission: Wirtschaftswachstum hängt von erfolgreicher Bewältigung des Klimawandels ab

Eine umfassende Studie wurde soeben in der Zentrale der Vereinten Nationen in New York präsentiert. Sie zeigt auf, wie Regierungen, Unternehmen und Kommunen ihre zentralen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Ziele effektiver verwirklichen und gleichzeitig das Risiko eines gefährlichen Klimawandels verringern können.

Better Growth, Better Climate: The New Climate Economy Report

Die Studie kommt zu dem Schluss, dass das Streben nach wirtschaftlichem Erfolg und eine Bekämpfung des Klimawandels nicht im Widerspruch zueinander stehen. Vielmehr lässt sich wirtschaftliches Wachstum nur dann erzielen, wenn die Risiken für das globale Klima reduziert werden – und Treibhausgasemissionen ihrerseits können nur dann verringert werden, wenn der wirtschaftliche Wohlstand wächst.

Die Studie wurde von sieben Regierungen (Kolumbien, Äthiopien, Indonesien, Republik Korea, Norwegen, Schweden, Großbritannien) finanziert. Der ehemalige mexikanische Präsident Calderón steuerte die Arbeit als Vorsitzender eines Ausschusses, dem 24 ehemalige Staatsoberhäupter und führende Persönlichkeiten aus der Wirtschaft, darunter auch der Vice Chairman der Deutschen Bank Caio Koch-Weser, angehörten. Koch-Weser sagte: „So etwas wie ‘business as usual‘ gibt es nicht. Wir müssen gleichzeitig das wirtschaftliche Wachstum steigern und den Klimawandel bekämpfen, um eine lebenswerte, gerechte und auskömmliche Zukunft zu schaffen.”

New Climate Economy Studie bereitet UN-Klimagipfel vor

Am 16. September wurde die Studie in der Zentrale der Vereinten Nationen in New York von Mitgliedern des Ausschusses sowie UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon und Lord Nicholas Stern vorgestellt. Sie wurde eine Woche vor dem UN-Klimagipfel veröffentlicht, einem Gipfeltreffen von Staatschefs und führenden Persönlichkeiten aus der Wirtschaft, bei dem der Abschluss einer neuen Vereinbarung zur Bekämpfung des Klimawandels bis Dezember 2015 vorangetrieben werden soll.

Kein Widerspruch zwischen Bekämpfung des Klimawandels und dem Wachstum der Weltwirtschaft

Calderón erklärte: „Die New Climate Economy-Studie räumt mit der Vorstellung auf, dass man sich zwischen der Bekämpfung des Klimawandels und dem Wachstum der Weltwirtschaft entscheiden müsse. Tatsächlich besteht kein solcher Widerspruch. Die heute vorgestellte Studie zeigt klar auf, wie der technologische Wandel neue Chancen zur Steigerung des Wachstums, zur Schaffung von Arbeitsplätzen, zur Erhöhung der Unternehmensgewinne und zur Förderung der wirtschaftlichen Entwicklung eröffnet. Sie beinhaltet eine klare Botschaft für Regierungen und Manager aus der privaten Wirtschaft: Wir können zur gleichen Zeit die Konjunktur ankurbeln und gegen den Klimawandel vorgehen.“

Ebenfalls im Vorfeld des UN-Gipfeltreffens hat sich die Deutsche Bank neben über 300 anderen Unternehmen und 44 Ländern der Weltbank-Kampagne „Putting a Price on Carbon“ angeschlossen. Deutsche Asset und Wealth Management unterstützt eine Initiative von über 340 institutionellen Anlegern mit einem verwalteten Vermögen von insgesamt über 24 Billionen US-Dollar, in deren Rahmen die Staatschefs dazu gedrängt werden, ernsthaft gegen den Klimawandel vorzugehen. Sabine Miltner, Group Sustainability Officer der Deutschen Bank, äußerte sich zudem vor kurzem bei einer Konferenz zur Rolle der Bank im wachsenden Markt für „grüne Anleihen“.

Wirtschaftswachstum steigern und Klimawandel bekämpfen

Die Herausforderungen müssen innerhalb eines kurzen Zeitfensters von fünfzehn Jahren angegangen werden. Insgesamt stehen Infrastrukturinvestitionen in Höhe von 90 Billionen US-Dollar in städtische Ballungsräume, Energieversorgungssysteme und Landnutzungssektoren weltweit an – und dieser Betrag fällt noch deutlich höher aus, wenn man sämtliche Gebäude und Verkehrssysteme einbezieht. So sollte sich die Stadtplanung auf die Entwicklung kompakter, ressourcen- und energieeffiziente Städte konzentrieren, um das Wachstum zu fördern und gesündere und lebendige Lebensräume zu schaffen. Zugleich würde die ungeplante Zersiedlung eingedämmt.

Der Studie mit dem Titel New Climate Economy: Better Growth. Better Climate zufolge ist es möglich, das Wirtschaftswachstum zu steigern und Emissionen zu senken, indem vorrangig die Ressourcenproduktivität, die Investitionen in Infrastruktur und die technische Innovationstätigkeit gefördert werden. Es wird von der Art dieser Investitionen abhängen, wie das künftige Wirtschaftswachstum aussieht und ob die Gesellschaft dazu in der Lage ist, einen gefährlichen Klimawandel abzuwenden.

Höhere Einkommen und mehr Prosperität

Koch-Wesers Fazit: „Dem Finanzsektor bietet sich die Möglichkeit, eine wichtige Führungsrolle zu spielen und geschäftliche Chancen zu nutzen, um umweltfreundliche und gesellschaftlich verantwortungsbewusste Investitionen zu fördern, die zu höheren Einkommen und mehr Prosperität führen. Indem wir uns dieser Herausforderung stellen, können wir zeigen, welche Bedeutung unser Sektor für die Gesellschaft hat.“

In der Studie werden folgende Empfehlungen ausgesprochen:

  • Einbindung von Klimawandelrisiken und geschäftlichen Chancen in wichtige wirtschaftliche Entscheidungen von Regierungen, Unternehmen, Anlegern und Banken
  • Abbau der Subventionen für fossile Treibstoffe, Produktionsfaktoren für den Agrarsektor und Zersiedlung (einer der wichtigsten Aspekte, in denen die Märkte weltweit versagt haben)
  • Einführung robuster, berechenbarer und steigender CO2-Preise im Rahmen einer sinnvollen Fiskalreform
  • Stärkeres Bemühen von Entwicklungsbanken um private Investitionen
  • Abbau von Projektfinanzierungen, die einen hohen CO2-Ausstoß mit sich bringen (z.B. Kohleprojekte), sofern sie nicht Teil eines klaren, alternativlosen Entwicklungsplans sind
  • Verdreifachung der staatlichen Forschungs- und Entwicklungsausgaben im Energiesektor, Verdoppelung der Forschungs- und Entwicklungsausgaben im Agrarsektor und verstärkte Anwendung von Standards, Kodizes und öffentlicher Beschaffung bei neuen Technologien
  • Stoppen der Entwaldung und Wiederaufforstung entwaldeter Regionen bzw. Renaturalisierung landwirtschaftlich genutzter Regionen

Berechnungen des Ausschusses zufolge wäre es bei einer vollumfänglichen Umsetzung dieser Empfehlungen möglich, bis zu 90 Prozent der Emissionssenkungen zu erzielen, die bis 2030 erfolgen müssten, um einen gefährlichen Klimawandel zu verhindern. Dafür wäre ein entschiedenes und rasches Handeln der wirtschaftlichen Entscheidungsträger notwendig.

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Die “Global Commission on the Economy and Climate”

Der Kommission gehören z.B. Paul Polman (CEO von Unilever), Chad Holliday (Chairman der Bank of America), Michel Liès (CEO von Swiss Re), Zhu Levin (Präsident/CEO der China International Capital Corporation), S. Gopalakrishnan (Executive Vice-Chairman von Infosys), und Ingrid Bonde (CFO/stellvertretende CEO von Vattenfall) an. Weitere Mitglieder sind Nemat Shafik (stellvertretender Gouverneur der Bank of England), Takehiko Nakao (Präsident der Asian Development Bank), und Chen Yuan (Vizevorsitzender des National Committee of the Chinese People’s Political Consultative Conference).

„Die New Climate Economy-Studie räumt mit der Vorstellung auf, dass man sich zwischen der Bekämpfung des Klimawandels und dem Wachstum der Weltwirtschaft entscheiden müsse. Tatsächlich besteht kein solcher Widerspruch.”

Felipe Calderón Vorsitzender der Kommission
Felipe Calderón

„Dem Finanzsektor bietet sich die Möglichkeit, eine wichtige Führungsrolle zu spielen und geschäftliche Chancen zu nutzen, um umweltfreundliche und gesellschaftlich verantwortungsbewusste Investitionen zu fördern, die zu höheren Einkommen und mehr Prosperität führen. Indem wir uns dieser Herausforderung stellen, können wir zeigen, welche Bedeutung unser Sektor für die Gesellschaft hat.”

Caio Koch-Weser Vice Chairman der Deutschen Bank
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Ein Zeitfenster von fünfzehn Jahren

90 Billionen US-Dollar

Infrastrukturinvestitionen in dieser Höhe sind zu erwarten.

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