Monokulturen / Palmöl

Veränderte Ernährungsgewohnheiten sowie die Verwendung als Biotreibstoff ließen die Nachfrage nach Palmöl in den letzten zehn Jahren drastisch ansteigen. Prognosen gehen davon aus, dass sich die globale Palmölproduktion - gegenüber dem Jahr 2000 - bis 2030 verdoppeln und bis 2050 sogar verdreifachen wird.

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Palmölproduktion und -industrie

Der Boom der Palmölindustrie fördert die wirtschaftliche Entwicklung der asiatischen Länder, die auf diesem Weg internationale Märkte für sich erschließen wollen. Die Herstellung des Öls bringt aber auch ökologische und soziale Herausforderungen mit sich. So werden für die Palmölplantagen teilweise ganze Wälder illegal abgeholzt und Lebensräume zerstört.

Gefährdete Tier- und Pflanzenarten drohen dadurch auszusterben, die Emission von Treibhausgasen nimmt zu. Die vielfach entstehenden ausgedehnten Monokulturen führen zu ökologischen Problemen und Konflikten mit der Bevölkerung: Häufig werden Menschen zwangsweise umgesiedelt und ihr Recht auf Grund und Boden wird missachtet.

Vor diesem Hintergrund haben wir 2012 Richtlinien für Transaktionen im Palmölsektor eingeführt, die eine an Nachhaltigkeitskriterien orientierte Palmölproduktion fördern. Sie enthalten unter anderem die Mindestanforderung, dass Kunden aus der Palmölindustrie für ihre Plantage oder Fabrik einen Zertifizierungsplan nach den Kriterien des Roundtable on Sustainable Palm Oil (RSPO) vorweisen müssen.

Der RSPO wurde 2004 gegründet, um nachhaltige Anbaumethoden für Palmöl zu fördern, und wird von internationalen Konsumgüterherstellern und Finanzinstituten unterstützt. Wenn Kunden dies wünschen, stehen wir ihnen auch während des RSPO-Zertifizierungsprozesses zur Seite.

Darüber hinaus unterstützen wir gemeinsam mit anderen Banken die Anstrengungen der Konsumgüterindustrie, das Abholzen von Wäldern im Bereich ihrer Lieferketten zu unterbinden. Die Initiative gilt auch weiteren Agrarrohstoffen wie Holz, Soja und Rindfleisch, deren Produktion insgesamt für mehr als 50 Prozent der globalen Entwaldung verantwortlich ist.

Null-Netto-Abholzung

Im Rahmen der Banking Environment Initiative (BEI) unterstützen die Deutsche Bank und andere internationale Banken die Konsumgüterunternehmen in Zusammenarbeit mit dem Consumer Goods Forum (CGF) dabei, die durch ihre Lieferketten verursachte Entwaldung bis 2020 wie angestrebt auf Null zu reduzieren (so genannte „Null-Netto-Abholzung“). Zwischen dem CGF und der BEI entstand der Agrarrohstoffpakt (Soft Commodities Compact). Im Januar 2015 hat die BEI technische Leitlinien veröffentlicht, in denen der Schlüsselbegriff „Null-Netto-Abholzung“ klar definiert wird. Dabei folgt die BEI der vom Consumer Goods Forum festgelegten Definition dieses Begriffs, die sich ihrerseits auf die Leitlinien des World Wildlife Fund (WWF) stützt.

Wie schätzt die Deutsche Bank aktuell die Situation im Palmölsektor ein?

Das Wachstum der Palmölindustrie hat einen positiven ökonomischen Nutzen, insbesondere für die asiatischen Länder, die auf diesem Weg internationale Märkte für sich erschließen wollen. Ohne verantwortungsvolle Prozesse kann die Herstellung des Öls jedoch ökologische und soziale Herausforderungen mit sich bringen.

Wie kann die Deutsche Bank dabei die negativen Auswirkungen außer Acht lassen, die die derzeitige Vorgehensweise der Palmölindustrie mit sich bringt?

Die teilweise Abholzung von Tropenwäldern für Palmölplantagen zerstört Lebensräume, gefährdete Tier- und Pflanzenarten drohen dadurch auszusterben, die Emission von Treibhausgasen nimmt zu und es kommt zu Konflikten mit der lokalen Bevölkerung.

Vor diesem Hintergrund haben wir 2012 Richtlinien für Transaktionen im Palmölsektor eingeführt, die eine an Nachhaltigkeitskriterien orientierte Produktion fördern. Sie enthalten unter anderem die Mindestanforderung, dass Kunden für ihre Plantagen oder Mühlen einen Zertifizierungsplan nach den Kriterien des „Roundtable on Sustainable Palm Oil“
(RSPO) vorweisen müssen.

Der RSPO Standard wurde 2004 eingeführt, und wird von internationalen Konsumgüterherstellern und Finanzinstituten unterstützt. Wenn Kunden dies wünschen, unterstützen wir sie auch während des RSPO-Zertifizierungsprozesses.

Was unternimmt die Deutsche Bank, um zu einer Verbesserung der Situation im Palmölsektor beizutragen?

Um die spezifischen Herausforderungen des Palmölsektors besser zu verstehen, tauschen wir uns regelmäßig mit Experten aus, wie z.B. mit Forschungseinrichtungen, die vor Ort in Asien aktiv sind. Auch mit dem deutschen Forum für Nachhaltiges Palmöl sind wir im Kontakt.

Darüber hinaus haben wir gemeinsam mit anderen Banken den sogenannten Agrarrohstoffpakt (Soft Commodities Compact) entwickelt. Dieser Pakt unterstützt große Konsumgüterkonzerne bei der Umsetzung ihres Ziels, die in ihren Lieferketten verursachte Entwaldung bis 2020 auf null zu reduzieren. Die Initiative gilt neben Palmöl auch weiteren Agrarrohstoffen wie Holz/Zellstoff, Soja und Rindfleisch, deren Produktion aufgrund der Entwaldung in den Tropen insgesamt für rund die Hälfte der globalen Treibhausgas- Emissionen verantwortlich ist. Für die Banken schreibt der Agrarrohstoffpakt Mindestanforderungen für die Kreditvergabepolitik fest, die sich an den Kriterien für einen verantwortungsvollen Beschaffungsprozess des „Consumer Goods Forum“ (CGF) orientieren. Bei Palmöl basieren die Mindestanforderungen auf den Kriterien des RSPO.

Der Agrarrohstoffpakt fordert Banken zudem dazu auf, in ihren Kundenbeziehungen auf nachhaltige Finanzierungslösungen hinzuwirken. In diesem Zusammenhang hat die Deutsche Bank an der Entwicklung des „Sustainable Shipment Letter of Credit“ mitgewirkt. Dabei handelt es sich um ein Akkreditiv für Waren, die nach anerkannten Nachhaltigkeitsstandards (etwa RSPO-zertifiziert) hergestellt wurden. So können die in der Handelsfinanzierung tätigen Banken zwischen konventionellen und nachhaltigen Lieferungen unterscheiden. Die Deutsche Bank nimmt bei der Handelsfinanzierung eine führende Rolle ein – und wir sind bereit, die Konsumgüterproduzenten bei ihren Bemühungen zu unterstützen, der Entwaldung Einhalt zu gebieten.

Wie die Deutsche Bank entscheidet, welche Geschäftsbeziehungen sie eingeht – ein Fallbeispiel

Vor dem Hintergrund von Berichten von NGOs über mutmaßliche ökologische und soziale Probleme im Zusammenhang mit der Abholzung von Wäldern und Konflikten mit der lokalen Bevölkerung überprüften wir unsere Geschäftsbeziehungen zu einem unserer Kunden in der Palmölherstellung in Asien.

Beurteilung
von
ES-Risiken
In Übereinstimmung mit unseren Leitlinien für Monokulturen beurteilen wir:
  • Liegt eine RSPO-Mitgliedschaft und eine Zertifizierung/ein Zertifizierungsplan vor?
  • Verpflichtet sich der Kunde, nicht zur Entwaldung beizutragen, Waldflächen mit hohem Erhaltungswert zu schützen und keine Feuerrodung durchzuführen?
  • Bestehen Konflikte um die Nutzungsrechte von Ländereien mit der lokalen Bevölkerung?
  • Gibt es Leitlinien für den Dialog mit der lokalen Bevölkerung?
Darüber hinaus begannen wir einen intensiven Austausch mit einigen unserer Mitbewerber zu diesem Thema.
Ergebnisse
und
Handlungs­felder
Unser Kunde verfügt über ein gutes Managementsystem:
  • Mitgliedschaft im RSPO
  • Zertifizierung der asiatischen Plantagen ist für den Zeitraum 2015/2016 angestrebt
  • Richtlinien für sensible Themenbereiche sind vorhanden
Trotz einiger Bemühungen, nachhaltig angebautes Palmöl verstärkt von lokalen Lieferanten zu beziehen, stellten wir einige Problemfelder fest. Dazu zählen:
  • fehlende Kontrollsysteme für die Lieferkette
  • unzureichende Umsetzung der bestehenden Richtlinien außerhalb Asiens
Gemeinsam mit Wettbewerbern, die ebenfalls enge Geschäftsbeziehungen unterhalten, nahmen wir Kontakt zu unserem Kunden auf. Der Dialog umfasste insbesondere:
  • die Anwendung des RSPO und von Kontrollmechanismen
  • das Management der Lieferantenkette
  • die Umsetzung neuer Richtlinien
Darüber hinaus diskutierten wir das Thema mit NGOs und führten einen weiter gefassten Dialog mit Forschungsinstituten und Wissenschaftlern zu Problemstellungen im Zusammenhang mit der Herstellung von Palmöl.
Entscheidung und weiteres Vorgehen Wir führen unsere Geschäftsbeziehungen weiter. Gemeinsam mit unseren Wettbewerbern werden wir den Dialog mit dem Kunden fortführen und uns weiterhin an der Diskussion zum Thema Palmöl beteiligen.

 

Aktuelle Entwicklungen

Stellungnahme zum Engagement der Deutschen Bank bei der Bumitama Agri Group

Das Engagement der Deutschen Bank bei der Bumitama Agri Group beschränkte sich auf Investments von zwei asiatischen Fonds der DWS. Diese Investments sind in der Zwischenzeit nahezu komplett zurückgeführt worden. Die verantwortlichen Investmentmanager sind sich der Kontroversen in Bezug auf Bumitama Agri Group bewußt und werden die Hinweise trotz der geringen Bedeutung unserer aktuellen Position weiter untersuchen. Weitere Schritte werden sie vom Ergebnis der Untersuchung abhängig machen. Grundsätzlich führen wir vor jeder Investment-Entscheidung verschiedene Analysen durch, um die Leistung eines Unternehmens in Bezug auf seine ökologischen und sozialen Auswirkungen sowie seine Unternehmenssteuerung (ESG) zu beurteilen. Hierbei greifen wir auch auf externe Datenlieferanten (z.B. Sustainalytics oder MSCI), Aktienanalysen oder andere öffentlich zugängige Informationen zurück. Der Einfluss, den die verschiedenen Dimensionen der ESG Leistung des Unternehmens auf die jeweilige Anlageentscheidung hat, wird aber immer auch von dem Mandat unserer Kunden bestimmt, nach dem wir uns als ihr Investment-Manager richten müssen.

31. März 2014

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