Deutsche Bank – Verantwortung

Globale Universalbanken müssen Antworten auf entscheidende Herausforderungen finden

Vor mehreren hundert Teilnehmern aus dem europäischen Finanzdienstleistungssektor hielt Anshu Jain, Co-Vorsitzender des Vorstands der Deutschen Bank, heute die Eröffnungsrede der 18. Handelsblatt Jahrestagung in Frankfurt. Unter dem Leitthema der Tagung, „Banken im Umbruch“, ging er dabei auf die Veränderungen in der Bankenindustrie ein.

„Die Bankbranche steht an einem Wendepunkt“, so Jain. Seit dem Jahr 2008 hätten Banken auf der ganzen Welt große Veränderungen vorgenommen, zu großen Teilen aus eigenem Antrieb. Kapitalreserven wurden aufgestockt, Verschuldungs- und Risikoprofile gesenkt, Geschäftsmodelle klarer ausgerichtet und Vergütungspraktiken geändert.

Dennoch muss sich die Finanzbranche laut Jain nach wie vor mit einer beispiellosen Kombination von Herausforderungen auseinandersetzen: Das Ausmaß an Regulierung hat zugenommen, zu Recht, allerdings einhergehend mit einer regionalen Fragmentierung. Aufwendungen für Rechtsstreitigkeiten haben beträchtlich zugenommen und werden die Branche weiterhin belasten. Vor allem aber steht das Vertrauen in die Bankbranche an einem historischen Tiefpunkt. „Der geballte Einfluss all dieser Faktoren wird das Bankgeschäft verändern“, erklärte Jain.

Auch die Weltwirtschaft befinde sich im Umbruch und berge entsprechende Herausforderungen. Die Globalisierung sei trotz ihrer Vorteile in Frage gestellt. Eine fragmentierte Bankenregulierung verhindere den freien globalen Kapitalfluss und stelle die Banken somit vor Herausforderungen. Zugleich leide Europa an einem Wettbewerbsnachteil gegenüber den USA, wo die schnellere wirtschaftliche Erholung denjenigen Banken mit einer starken Präsenz im dortigen Markt zugutekomme.

Trotz dieser Herausforderungen gibt es auch Chancen, so Jain. Die Konsolidierung unter europäischen Banken eröffne Häusern mit einer starken Marke und einer soliden Kapitalbasis die Möglichkeit, Marktanteile zu gewinnen. Angesichts des Wachstums in Schwellenländern, das durch eine starke Urbanisierung getrieben wird, werde die Mittelschicht in diesen Regionen auf rund 3 Milliarden Menschen anwachsen, woraus sich Chancen für Banken in diesen Regionen ergeben. Viele dieser Menschen werden zum ersten Mal Kunde einer Bank sein. Auch durch die Alterung der Weltbevölkerung ergeben sich für Banken beträchtliche Chancen, indem sie die Gesellschaft dabei unterstützen, sich an die demographische Verschiebung anzupassen. Große Chancen entstehen auch dadurch, dass die Finanzmärkte eine Revolutionalisierung durch Technologie erlebt haben. So kann etwa die Auswertung vorhandener Daten das Verständnis der Banken für die Bedürfnisse ihrer Kunden verbessern.

Diese Phase des Umbruchs wird die Finanzindustrie der Zukunft prägen, so Jain. „Vor der Krise haben viele Banken vielen Kunden viele Dienstleistungen angeboten. Jetzt zählen vor allem Fokussierung und Größe. In der Branche werden sich künftig drei verschiedene Geschäftsmodelle herauskristallisieren.“

Den regional ausgerichteten Banken bleiben die Herausforderungen, die mit steigender Komplexität verbunden sind, erspart, so Jain. In diesem Zusammenhang gratulierte er den deutschen Regionalinstituten zu ihrem Kostenmanagement im aktuellen Niedrigzinsumfeld.

Spezialisierte globale Banken, wie etwa reine Transaktionsbanken, Investmentbanken oder Vermögensverwalter, werden die Vorteile ihrer Fokussierung auf ein bestimmtes Geschäftsfeld und ihre globale Präsenz miteinander verbinden. Ihnen fehlt es jedoch an Diversifizierung, und sie sind daher den Risiken im jeweiligen Sektor ausgeliefert.

Mit Blick auf das globale Universalbankenmodell sagte Jain: „Globale Universalbanken bieten viele Vorteile und sind gut aufgestellt, um mehrere der Chancen zu nutzen, die ein sich veränderndes Umfeld bietet. Bis dahin liegt allerdings noch ein gutes Stück harte Arbeit vor uns.“

„Globale Universalbanken müssen Antworten auf drei kritische Herausforderungen finden: Sie müssen die ,Too big to fail‘-Problematik lösen, das Vertrauen der Gesellschaft wieder aufbauen und sie müssen effizienter werden“, so Jain. „Wenn sie das leisten können, ist das enorm gewinnbringend.“

Jain ging abschließend auf die Vorteile einer globalen Universalbank für Deutschland ein: „Deutschland gehört zu den Gewinnern der Globalisierung. Die deutsche Wirtschaft braucht und verdient eine globale Bank. Um global sein zu können, ist eine gewisse Mindestgröße von wesentlicher Bedeutung. Es ist sehr schwierig, global und zugleich klein zu sein.“

Deutschland sei zudem einzigartig durch seinen Mittelstand, der einerseits regional bodenständig und andererseits global sehr aktiv ist. Für diese Kunden sei es oftmals von entscheidender Bedeutung, über eine lokale Anlaufstelle auf alle globalen Bankdienstleistungen zuzugreifen, so Jain. Darüber hinaus sei die Kreditvergabe durch Banken äußert wichtig für die deutsche Wirtschaft. Eine globale Universalbank mit einer stark diversifizierten Bilanz und Refinanzierungsbasis könne Kredite im passenden Umfang und zu vernünftigen Kosten zur Verfügung stellen.

Eine globale Universalbank mit Sitz in Deutschland hat zusätzliche Vorteile für die deutsche Wirtschaft, so der Co-Vorsitzende des Vorstands. „Wir verfügen sowohl über globale Reichweite als auch über ein lokales Filialnetz – anders ausgedrückt, wir sind genauso global und lokal aufgestellt wie unsere Mittelstandskunden.“ Zudem könnten ausländische Banken in Deutschland angesichts des fragmentierten aufsichtsrechtlichen Umfelds möglicherweise unter Druck geraten und ihr Kapital zeitweise wieder in ihre Heimatmärkte überführen.

„Einfach ausgedrückt: Es gibt keine deutsche Bank, die globaler ist als wir, und keine globale Bank, die deutscher ist als wir“, so Jain. „Unser Vorhaben ist ambitioniert, komplex und anspruchsvoll. Wenn es uns gelingt, hat es sich gelohnt.“


Weiterführende Informationen

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Anshu Jain, Co-Vorsitzender des Vorstands

„Deutschland ist ein Exportweltmeister; für diese globalisierte Wirtschaft ist eine globale Universalbank von großem Wert.”

Anshu Jain Co-Vorsitzender des Vorstands

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