IBOR-Ablösung

Die Fakten

Wir nähern uns einem Wendepunkt an den internationalen Finanzmärkten. Die Grundlage, auf der wir eine Vielzahl an Finanzinstrumenten berechnen, ändert sich. Die Auswirkungen werden alle Teilnehmer an den Finanzmärkten zu spüren bekommen: Einzelpersonen, Unternehmen, Regierungen, andere Institutionen und Anleger jeder Art. Ein geregelter Übergang ist für das Finanzsystem und die globale Wirtschaft von entscheidender Bedeutung. Als große internationale Bank ist die Deutsche Bank entschlossen, ihren Teil zu diesem Wandel beizutragen.

Was ändert sich?

Rund um den Globus werden von den Aufsichtsbehörden Initiativen gefördert, um die Abhängigkeit des Finanzsystems von den Interbank Offered Rates (IBORs) zu verringern und auf alternative risikofreie Referenzzinssätze umzustellen. IBORs sind Durchschnittssätze, zu denen einige Banken am Interbankenmarkt für eine bestimmte, auch Tenor genannte Laufzeit Fremdkapital aufnehmen können. Die Zeiträume reichen von gleichtägig (overnight) bis hin zu 12 Monaten. Jahrzehntelang nutzten die internationalen Finanzmärkte Interbanken-Angebotssätze: die London Interbank Offered Rate (LIBOR), die Euro Interbank Offered Rate (EURIBOR) und die Tokyo Interbank Offered Rate (TIBOR). Für eine große Bandbreite von Finanzmarktgeschäften – Kredite, Einlagen, Anleihen und Verbriefungen mit einem Euro-Wert in Billionenhöhe – spielen IBORs als Referenzzinssätze eine zentrale Rolle. Der Nennwert von Derivatekontrakten, die sich auf IBORs stützen, beläuft sich auf hunderte Billionen von Euro.

Warum der Wandel?

Auslöser der Reformbemühungen sind verschiedene Bedenken hinsichtlich der Abhängigkeit von IBORs. Ein Problem ist das potenzielle systemische Risiko. Es ergibt sich daraus, dass einerseits die den IBORs zugrunde liegenden Märkte schrumpfen und andererseits ein riesiges Volumen an Transaktionen auf IBORs als Referenzzinssätze basiert. Die Anzahl der Transaktionen an unbesicherten Interbankenmärkten ist sehr gering, sodass Banken ihre IBOR-bezogenen Meldungen zum Teil auf „Experteneinschätzungen“ statt auf tatsächlich stattfindende Transaktionen stützen. Banken, die Mitglieder in den die IBORs festlegenden Ausschüssen (Panels) sind, halten sich zunehmend mit Meldungen zurück, da sie potenzielle Schadenersatzansprüche befürchten, wenn anhand von „Experteneinschätzungen“ festgelegte Zinssätze eingereicht werden. Bei bestimmten Währungen haben einige Panel-Banken ihre Zinsmeldungen für den LIBOR vollständig eingestellt.

Welche potenziellen Vorteile bieten alternative risikofreie Zinssätze?

Alternative risikofreie Zinssätze haben mehrere große Vorteile. Sie basieren auf soliden Märkten mit hoher Liquidität sowie auf tatsächlichen Transaktionen statt auf „Experteneinschätzungen“. Sie gelten als besser geeignete Referenzsätze, da bei ihnen kein Risikoaufschlag zu berücksichtigen ist, wie er in Interbanken-Angebotssätzen enthalten ist.

Ziel der Umstellung ist die Einführung risikofreier Zinssätze, die transparent und objektiv sind (da sie auf tatsächlichen Transaktionen basieren) und kaum manipuliert werden können. Sie bilden eine zuverlässige Basis für alle Arten von Finanzkontrakten, die sich auf einen Referenzzinssatz stützen.

Wer ist betroffen?

Die Umstellung auf alternative risikofreie Zinssätze wird Einzelpersonen, Unternehmen und Institutionen betreffen, die eine Vielzahl an Finanzdienstleistungen nutzen, die auf IBORs als Referenzzins beruhen. Einige Beispiele sind Familienunternehmen, die ihre Expansion mit auf IBORs basierenden Krediten finanzieren, Studenten, die nach ihrem Studium langfristige Kredite mit auf einem IBOR beruhendem Zinssatz zurückzahlen müssen, oder internationale Unternehmen, die sich mit auf IBORs bezogenen Derivaten gegen Zins- oder Wechselkursschwankungen absichern möchten. Auch Altersvorsorgeprodukte und somit die diese Produkte nutzenden Pensionäre werden betroffen sein, da die regelmäßigen Auszahlungsbeträge aus Anlagen mit auf einem IBOR basierender Verzinsung stammen.

Wann soll die Umstellung stattfinden?

Die Aufsichtsbehörden wichtiger Länder weltweit haben signalisiert, dass der Übergangsprozess im Wesentlichen bis Ende 2021 abgeschlossen sein soll. Andrew Bailey, Chairman der britischen Finanzaufsichtsbehörde Financial Conduct Authority (FCA), hat mitgeteilt, die FCA werde Banken ab Ende 2021 nicht länger verpflichten, Zinssätze für den LIBOR zu melden. Er fügte hinzu, man könne und werde das Weiterbestehen des LIBOR ab diesem Zeitpunkt nicht garantieren.

Welche Herausforderungen gibt es?

Ein großer Wandel wie dieser ist immer mit Herausforderungen verbunden. Eine breite Einführung alternativer risikofreier Zinssätze an den Finanzmärkten weltweit setzt voraus, dass großes Bewusstsein geschaffen und umfangreiche Ressourcen eingesetzt werden. Die Schaffung von Liquidität ist von entscheidender Bedeutung, vor allem bei Derivaten, die sich an diesen neuen Zinssätzen orientieren. Die Marktinfrastruktur – einschließlich Handels-, Clearing- und Abwicklungsmechanismen – muss angepasst werden, um auf die neuen Zinssätze bezogene Finanzinstrumente bearbeiten zu können. Bestehende Kontrakte müssen geändert werden, was Kosten und Aufwand bedeutet. Die Ersetzung alter Kontrakte hat Auswirkungen auf die Marktbewertung und die Effektivität bestehender Absicherungsgeschäfte. Auch Änderungen in den Bereichen Steuern und Rechnungslegung sind zu berücksichtigen.

Die Deutsche Bank wird ihren Teil zur Umstellung beitragen

Die Deutsche Bank steht Kunden in aller Welt mit einem einzigartigen globalen Netzwerk und einer weltweiten Präsenz an den großen Finanzmärkten zur Seite. Wir werden alles daran setzen, unsere Kunden, Handelspartner und sonstigen Interessengruppen dabei zu unterstützen, diesen Wandel auf sichere und geregelte Weise zu bewältigen. Dazu gehört die Unterstützung von Kunden mit Dokumenten, die einen reibungslosen Übergang ermöglichen, die Bereitstellung von Liquiditäts-, Umsetzungs- und Risikomanagement sowie die Förderung der Entwicklung von Instrumenten, die die Anforderungen der Aufsichtsbehörden auf der ganzen Welt erfüllen.

Risiken und Vorteile

Eine ganze Reihe führender internationaler Referenzzinssätze sind von Reformvorhaben betroffen und können daher massiven Änderungen unterliegen oder sogar eingestellt werden. Zu den betroffenen Referenzzinssätzen gehören u. a. die London InterBank Offered Rate („LIBOR“), die Euro Interbank Offered Rate („EURIBOR“) und die Euro OverNight Index Average Rate („EONIA“).

Im Juli 2017 gab die britische Finanzaufsichtsbehörde Financial Conduct Authority (FCA) bekannt, dass Panel-Banken nach 2021 nicht mehr verpflichtet seien, Zinssätze zur Festlegung des LIBOR einzureichen. Wenn Panel-Banken die zur Festlegung des LIBOR erforderlichen Daten nicht länger bereitstellen, wird dieser Referenzzinssatz unter Umständen volatiler und weniger liquide und möglicherweise letztlich eingestellt.

Im Januar 2018 traten die meisten Vorschriften der EU-Referenzwerte-Verordnung (EU-Referenzwerte-VO) in Kraft, sodass in der EU verwaltete oder verwendete Referenzwerte nun bis Ende 2019 bestimmte Vorgaben erfüllen müssen. Wenn die bei einem Referenzwert angewandte Methode nun zu diesem Zweck geändert wird, besteht die Gefahr, dass sich der Referenzwert anders entwickelt. Zudem besteht das Risiko, dass einige Referenzwerte die Anforderungen der EU-Referenzwerte-VO nicht erfüllen und entweder eingestellt werden oder nicht länger im EWR verwendet werden dürfen. Anfang 2018 teilte der Administrator des EONIA mit, dass dieser Referenzzinssatz die in der EU-Referenzwerte-VO vorgegebenen Standards nicht erfüllen kann.

Zentralbanken – darunter die Europäische Zentralbank, die Bank of England und die US-amerikanische Federal Reserve – haben Initiativen zur Entwicklung risikofreier Zinssätze als alternative Referenzzinssätze angeregt. Die Secured Overnight Financing Rate (SOFR) ist eine solche Alternative zum USD LIBOR, und weitere risikofreie Zinssätze werden derzeit entwickelt. Wahrscheinlich wird sich die Liquidität ab einem bestimmten Zeitpunkt auf neue risikofreie Zinssätze verlagern. Dies birgt das Risiko, dass die alten Zinssätze weniger liquide werden.

Bezieht sich ein Finanzprodukt auf einen betroffenen Referenzwert, können sich entsprechende Veränderungen oder eine Einstellung des Referenzwerts negativ auf Zahlungen im Rahmen des Produkts oder den Wert eines solchen Produktes auswirken. Die Bedingungen von Finanzprodukten enthalten in der Regel Fallback-Klauseln zur Bestimmung eines Nachfolge- oder Ersatzzinssatzes für den Fall, dass LIBOR, EURIBOR, EONIA oder ein ähnlicher Referenzzinssatz nicht veröffentlicht wird. Es besteht das Risiko, dass Fallback-Bestimmungen keine geeigneten Angaben zu den Umständen enthalten, unter denen sie anzuwenden sind. So hängen beispielsweise Fallback-Klauseln, die sich auf Umfragen unter Banken stützen, von der Kooperation Dritter ab, die unter Umständen nicht gegeben ist.

Andere Fallback-Bestimmungen legen möglicherweise Zahlungen auf der Grundlage der zuletzt bekannten Höhe des Referenzwerts fest, was wirtschaftlich ungünstig sein kann, oder erlauben es bestimmten Parteien, einen Nachfolge- oder Ersatzzinssatz festzulegen. Nutzt ein Finanzprodukt einen Nachfolge- oder Ersatzzinssatz, können sich daraus ungünstigere Zahlungen im Rahmen des Produktes im Vergleich zum ursprünglichen Zinssatz ergeben. Gemäß den Bedingungen eines Finanzprodukts ist ein solches gegebenenfalls zu beenden oder vorzeitig zu tilgen, wenn kein geeigneter Nachfolge- oder Ersatzzinssatz bestimmt werden kann, und die damit einhergehenden Kosten können erheblich sein und zu einem Verlust für den Kunden führen.
 
Beim Abschluss von Transaktionen mit der Deutschen Bank sollten Kunden die Risiken und Vorteile der Nutzung eines bestimmten Referenzwerts bedenken und sich mit den Folgen vertraut machen, die die Änderung oder Einstellung eines solchen Referenzwerts mit sich bringt. Kunden sollten prüfen, ob sie über geeignete Notfallpläne verfügen, falls eines der oben beschriebenen Ereignisse eintritt.

Weitere Erwägungen über die Nutzung von Referenzwerten sind dem „Statement on Matters to Consider in the Use of Financial Benchmarks“ der IOSCO vom 5. Januar 2018 zu entnehmen, das hier verfügbar ist.

weiter IBOR Ressourcen

Zeitpläne, Neuigkeiten aus der Industrie und den Regulierungsbehörden und Glossar zum IBOR-Übergang. (Nur in englischer Sprache)

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