7. Oktober 2015

Botschaft von John Cryan an alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

John Cryan, Co-Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank, hat sich heute mit folgender Botschaft an alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gewandt.

Liebe Kolleginnen,
liebe Kollegen,

wir haben heute einige für den Markt wichtige neue Finanzinformationen veröffentlicht. Der Inhalt der Bekanntmachung ist nicht positiv und mir ist klar, dass einige von Ihnen darüber sehr enttäuscht sein werden. Wir erwarten für das dritte Quartal einen signifikanten Verlust. Dieser ist in erster Linie auf drei Faktoren zurückzuführen, die sich auf einen Betrag von rund 7,6 Mrd Euro addieren.

Zum einen haben wir eine Wertminderung auf den Geschäfts- oder Firmenwert und sonstige immaterielle Vermögenswerte in den Unternehmensbereichen Corporate Banking & Securities (CB&S) und Private & Business Clients (PBC) von rund 5,8 Mrd Euro vorgenommen. Diese Werte wurden in der Vergangenheit angesetzt, als wir Geschäftseinheiten für mehr als den Marktwert der entsprechenden Nettovermögenswerte erworben haben. Zu diesen Akquisitionen gehören u.a. Bankers Trust im Jahr 1999 und die Postbank im Jahr 2010.

In Vorbereitung auf die Bekanntgabe weiterer Details zur Strategie 2020, die für den 29. Oktober vorgesehen ist, überprüfen wir unsere Finanzplanung. Dabei haben wir in den Unternehmensbereichen, die über Geschäfts- oder Firmenwerte und sonstige immaterielle Vermögenswerte verfügen, die Bewertungen angepasst. Wir stellten fest, dass die Bewertungen nicht mehr im Einklang mit den dafür bisher angesetzten Buchwerten stehen. Als Konsequenz daraus haben wir den gesamten in CB&S und PBC gehaltenen Geschäfts- oder Firmenwert wertberichtigt.

Zweitens haben wir unseren Anteil von 19,99% an der chinesischen Hua Xia Bank neu bewertet. Diese Neubewertung ergibt sich daraus, dass wir den Anteil nicht mehr als strategische Beteiligung des Konzerns sehen. Dies führte zu einer Wertberichtigung in Höhe von rund 0,6 Mrd Euro auf den Buchwert.

Drittens erwarten wir gegenwärtig Rückstellungen für regulatorische Angelegenheiten und Rechtsstreitigkeiten für das dritte Quartal von rund 1,2 Mrd Euro. Bis zur Finalisierung des Ergebnisses zum Ende des dritten Quartals am 29. Oktober könnten diese Kosten durch weitere Ereignisse beeinflusst werden. Auf dieser Basis läge die Gesamtbelastung für Rechtsstreitigkeiten und damit in Zusammenhang stehender Angelegenheiten für den bisherigen Jahresverlauf bei rund 4 Mrd Euro. Wie ich Ihnen bereits früher mitgeteilt habe, rechne ich damit, dass Kosten und Belastungen aus Rechtsstreitigkeiten uns auch in zukünftigen Quartalen weiter belasten werden.

Vor dem Hintergrund der genannten Effekte erwartet die Deutsche Bank einen Verlust vor Steuern im dritten Quartal von rund 6,0 Mrd Euro und einen Verlust nach Steuern von rund 6,2 Mrd Euro. Für die ersten neun Monate 2015 erwarten wir einen Verlust vor Steuern von rund 3,3 Mrd Euro und einen Verlust nach Steuern von rund 4,8 Mrd Euro.

Ohne die Wertminderung auf den Geschäfts- oder Firmenwert und immaterielle Vermögenswerte erwarten wir für das dritte Quartal einen Verlust vor Steuern von rund 0,2 Mrd Euro und einen Verlust nach Steuern von rund 0,4 Mrd Euro, was im Wesentlichen die Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten sowie die Abschreibung im Zusammenhang mit der Hua Xia Bank widerspiegelt. Wir gehen jedoch davon aus, dass die Bank auf dieser Basis in den ersten neun Monaten des Jahres profitabel bleibt – mit einem Vorsteuergewinn von rund 2,5 Mrd Euro und einem Gewinn nach Steuern von rund 0,9 Mrd Euro.

Die Wertminderung auf den Geschäfts- oder Firmenwert und sonstige immaterielle Vermögenswerte sowie die Wertberichtigung auf die Hua Xia-Beteiligung haben keinen signifikanten Einfluss auf die regulatorischen Kapitalquoten der Bank. Wir erwarten daher zum Ende des dritten Quartals eine Kernkapitalquote (CET1) bei vollständiger Umsetzung der CRR/CRD4 Vorschriften von rund 11%. Darin bereits berücksichtigt sind in diesem Quartal umgesetzte strengere Regeln bezüglich unseres regulatorischen Kapitals, die sogenannte „Prudential Valuation“.

Außerdem wird der Vorstand im Rahmen der Planung zur Umsetzung der Strategie 2020 eine Reduzierung oder einen Ausfall der Dividende auf Aktien der Deutschen Bank für das Finanzjahr 2015 vorschlagen.

Die Abschreibungen und der Dividendenvorschlag, die wir heute bekannt gegeben haben, werden sich zu einem gewissen Teil auch in den bevorstehenden Entscheidungen über die Höhe der variablen Vergütung für 2015 widerspiegeln. Während sich Überlegungen hinsichtlich der Vergütung nicht allein auf die Finanzergebnisse dieses Jahres stützen, erwarten unsere Aktionäre zu Recht, dass die Mitarbeiter einen Teil der Belastung tragen. Dies vor Augen möchte ich betonen, dass ich mich persönlich dafür einsetzen werde, einen fairen Ausgleich zwischen Mitarbeiter- und Aktionärsinteressen zu finden. Es sind noch keine Entscheidungen hinsichtlich der Vergütung gefallen. Wir werden die Diskussion darüber erst beginnen, wenn wir eine bessere Einschätzung haben, wie sich letztendlich das Ergebnis der Bank für das Gesamtjahr darstellen wird.

Am ersten Tag in meiner neuen Funktion habe ich Ihnen mitgeteilt, dass ich die interne Kommunikation verbessern möchte, indem ich mich direkt an Sie wende. Ich habe Ihnen auch deutlich gemacht, dass es in den nächsten Monaten kein einfacher Weg werden würde.

Wir planen den Markt am Ende des Monats über weitere Details zu informieren, wie wir die sechs strategischen Entscheidungen der Strategie 2020 umsetzen wollen. Ich werde Sie dann ausführlich über unsere Pläne informieren. Ich danke Ihnen für Ihr Engagement und Ihren Einsatz auf dem Weg, eine bessere Deutsche Bank zu schaffen.


Mit freundlichen Grüßen

John Cryan