9. Dezember 2015

Deutsche Bank World Outlook 2016: Nachlassender Liquiditätsschub

Deutsche Bank Research hat heute ihren World Outlook 2016 veröffentlicht. Die Deutsche Bank erwartet, dass die internationalen ökonomischen Entwicklungen im Jahr 2016 in hohem Maße durch eine allmähliche Liquiditätsreduzierung beeinflusst werden.

Porträt David Folkerts-Landau, Chefvolkswirt der Deutschen Bank „In einer Welt, in der die Kapitalmärkte im vergangenen Jahrzehnt zumeist durch ein Überangebot an Zentralbankliquidität gekennzeichnet waren, besteht die zentrale Frage für das kommende Jahr darin, wie die Weltwirtschaft und die Finanzmärkte reagieren werden, wenn die Liquidität verknappt wird”, resümierte David Folkerts-Landau, Chefvolkswirt der Deutschen Bank. „Obwohl es sich dabei um ein noch nicht dagewesenes monetäres Experiment handelt, das nicht ohne Risiken sein wird, erwarten wir, dass die Weltwirtschaft und die Finanzmärkte diese geldpolitische Wende relativ gut bewältigen werden”, fügte Folkerts-Landau hinzu.

Deutsche Bank Research erwartet, dass das Wachstum in den Industrienationen mit knapp 2% im Jahr 2016 stabil bleiben wird. Dies ist darauf zurückzuführen, dass sich das Wachstum in Japan mehr als verdoppeln dürfte, während sich das Wachstum im Euroraum aufgrund der allmählichen Verbesserung der Arbeitsmarktsituation in Kombination mit Lohnerhöhungen leicht um ca. 1,5% erhöhen dürfte. Japan und die Eurozone dürften eine leichte Konjunkturabschwächung in den USA kompensieren können.

Mit Blick auf die Schwellenländer sagte Folkerts-Landau: „Das Wirtschaftswachstum der Emerging Markets-Länder dürfte sich im nächsten Jahr leicht erholen, da sich die Rezessionen in Russland und Brasilien abmildern und die jüngsten Abschwächungen des Exportwachstums, wenn auch moderat, umkehren dürften. Dies ändert nichts daran, dass auch 2016 ein schwieriges Jahr für die Emerging Markets sein wird, da fallende Rohstoffpreise und eine schwache Belebung des Welthandels dazu führen dürften, dass sich die Budgetbelastungen und Zahlungsbilanzschwierigkeiten der jüngsten Zeit fortsetzen. Die tendenzielle Konjunkturabschwächung in China dürfte anhalten und Rohstoffproduzenten weiter belasten."

„Eine weitere Belebung der Weltkonjunktur im Jahr 2017 lässt sich auf eine deutlichere Erholung in Russland und Brasilien zurückführen, während ein höheres Wachstum in Indien und Stabilität in China eine leichte Belebung in den aufstrebenden Ländern Asiens impliziert“, erklärte Folkerts-Landau.

Eine Erhöhung der Leitzinsen der Fed um 25 Basispunkte, die jetzt allgemein für die Dezember-Sitzung der Fed erwartet wird, wäre die erste Zinserhöhung seit Juni 2006. Darauf dürften 2016 drei weitere Zinsanhebungen um jeweils 25 Basispunkte folgen. Gegen Ende des Jahres erwartet die Deutsche Bank Signale, dass der Geldhahn in Europa allmählich etwas zurückgedreht wird. Während ähnliche Schritte in Japan noch mehr als ein Jahr entfernt sein dürften, erwartet Deutsche Bank nicht, dass die Bank von Japan ihre Käufe von Vermögenswerten fortsetzen dürfte. Obwohl das Basisszenario der Deutschen Bank davon ausgeht, dass die Weltwirtschaft in den nächsten zwei Jahren weiterhin moderat wachsen wird, gibt es auf beiden Seiten beträchtliche Risiken. In einem Negativszenario könnten die internationalen Finanzmärkte sehr viel heftiger auf den Normalisierungskurs der Fed reagieren, mit negativen Konsequenzen für die Ausgaben der privaten Haushalte und der Unternehmen auf der ganzen Welt. Derzeit besteht bei der Prognose der zukünftigen Zinsentwicklung eine deutliche Diskrepanz zwischen der Marktprognose und der aggressiveren Einschätzung der Fed. Sollte der Markt sich der Zinsprognose der Fed anschließen, könnte dies – auch ohne eine Verschärfung des von der Fed avisierten Zinspfades – als Katalysator für ein solches Szenario ausreichen.

„Ein Signal, dass die Fed beginnen wird, ihre Wiederanlage von Wertpapieren zurückzuschrauben, könnte die Marktturbulenzen zusätzlich erhöhen. Dieses Abwärtsrisiko würde sich verschlimmern, wenn es aufgrund der absehbaren Vollbeschäftigung zu einem kräftigeren Anstieg des Inflationsdrucks in den USA kommt”, führte Folkerts-Landau aus. „Eine solche Entwicklung würde die Fed zu einem deutlich schnelleren Tempo bei ihren Zinserhöhungen zwingen.“

Eine aggressivere Politik der Fed wiederum wäre schlecht für Risikoanlagen mit potenziell stark negativen Auswirkungen auf die Konjunktur. Ein stärker als erwarteter Konjunkturabschwung in China im nächsten Jahr hätte deutliche Folgewirkungen auf die Rohstoffpreise, den Welthandel und die Emerging Markets.

„Eine günstige Entwicklung könnte sich ergeben, falls die jüngste schwache Produktivitätsentwicklung weltweit und insbesondere in den USA sich als ein vorübergehendes Phänomen herausstellt und die technologischen Fortschritte der letzten Zeit zu einer nachhaltigen Beschleunigung des Produktivitätsanstiegs führen”, fügte Folkerts-Landau hinzu.