16. September 2015

Die Hälfte der deutschen Privatvermögen schlummert nahezu zinslos auf Bankguthaben

Die Mehrzahl der deutschen Sparer ist mit der Verzinsung ihrer Sparguthaben unzufrieden, scheut aber das Risiko am Kapitalmarkt – so das Ergebnis einer aktuellen Online-Umfrage.

Die Deutschen bleiben fleißige Sparer, aber sparen sie auch richtig? Zweifel sind angebracht: Fast 50 Prozent ihrer Vermögenswerte entfallen auf Bankguthaben, Spar- und Festgeldanlagen, so eine repräsentative Online-Umfrage der Deutschen Bank. Angesichts der aktuellen Niedrigzinsen liegt damit die Hälfte der deutschen Privatvermögen praktisch zinslos auf Eis. Den Sparern ist dieses Dilemma bewusst: 67,7 Prozent der Befragten geben an, mit der Verzinsung ihrer Sparguthaben unzufrieden zu sein. Nur jeder fünfte Sparer ist mit seinem Sparzins ausdrücklich zufrieden.

 

 Kapitalerhalt ist den meisten wichtig

Besonders ältere, männliche Sparer mit höherem Einkommen würden sich für ihr Erspartes höhere Zinsen wünschen. Eine Verzinsung von 2 Prozent oder mehr für kurzfristige Geldanlagen halten insgesamt 68,7 Prozent der Befragten für angemessen. Die Bereitschaft, für höhere Renditechancen bei der Vermögensanlage zusätzliche Risiken einzugehen, ist aber nur schwach ausgeprägt: 64,1 Prozent der Befragten legen trotz niedriger Zinsen Wert auf 100-prozentigen Kapitalerhalt. Immerhin ein knappes Viertel (22,9 Prozent) wäre bereit, zwischenzeitliche Verluste von bis zu 5 Prozent im Jahr zu akzeptieren. Mehr als 5 Prozent Verlust im Jahr sind nur für 13 Prozent akzeptabel.

„Die private Geldanlage ist für viele Anleger aufgrund des extrem niedrigen Zinsniveaus eine große Herausforderung“, sagt Dr. Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege für Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank. „Denn wenn die Zinserträge den inflationsbedingten Kaufkraftverlust nicht mehr auffangen können, droht eine schleichende Entwertung des Vermögens. Es ist deshalb sinnvoll, das langfristige Sparverhalten zu verändern und auch Anlagealternativen am Kapitalmarkt in Betracht zu ziehen.“

Renditepotenzial am Kapitalmarkt wird erkannt

Noch hindert die Risikoscheu viele Sparer daran, erste Schritte an den Kapitalmarkt zu tun – und dies, obwohl die meisten das Renditepotenzial von Kapitalmarktanlagen richtig einschätzen. Befragt, wie sich eine Investition von 100 Euro in DAX-Aktien in den vergangenen zehn Jahren entwickelt hätte, wählten fast drei Viertel (73 Prozent) ein Ergebnis von 150 Euro oder mehr. Das kommt dem tatsächlichen Resultat recht nahe: Ein Anleger, der im September 2005 100 Euro in DAX-Aktien investiert hätte, könnte heute über gut 200 Euro verfügen – auch nach den jüngsten China-Turbulenzen. Nur eine Minderheit von 15 Prozent der Befragten glaubt fälschlich, dass eine Investition in den DAX in den vergangenen zehn Jahren unterm Strich Verluste gebracht hätte. Auffallend: Frauen schätzen die Entwicklung des Aktienmarkts deutlich schwächer ein als Männer. Auch ein niedrigerer Bildungsgrad führt eher dazu, dass die Aktienrendite unterschätzt wird.

Durchschnittlich halten die Befragten nach eigenen Angaben 48,3 Prozent ihres Vermögens als Barvermögen, also in Form von Bankguthaben, Spar- und Festgeldanlagen. Aktien und Fonds machen im Schnitt 14,1 Prozent der Vermögensanlagen aus, weitere 22 Prozent sind in Immobilien investiert. Auch hier zeigt sich eine klare Geschlechterdifferenz: Der Anteil von Wertpapieren am Vermögen fällt bei Männern nach eigenen Angaben mit 18,3 Prozent fast doppelt so hoch aus wie bei weiblichen Sparern. Investieren am Kapitalmarkt ist in Deutschland, wie es scheint, noch überwiegend Männersache.

An der repräsentativen Online-Umfrage im Auftrag der Deutschen Bank nahmen mehr als 1.000 Bundesbürger im Alter von 18 bis 69 Jahren teil. Die Befragung wurde im September 2015 durchgeführt.