14. April 2016

Vor 50 Jahren brachte die Deutsche Bank Lufthansa an die Börse

Am 14. April 1966 wurde die Aktie der Deutschen Lufthansa erstmals nach dem Zweiten Weltkrieg an allen deutschen Börsen notiert. Das Bankenkonsortium, das den Börsengang begleitete, wurde angeführt durch die Deutsche Bank.

Aktie der Deutschen Lufthansa von 1966 Bereits an der Gründung der ersten Deutschen Lufthansa 1926 war die Deutsche Bank durch ihr Vorstandsmitglied Emil Georg von Stauß maßgeblich beteiligt gewesen. Damals entstand aus mehreren kleineren regionalen Fluglinien eine einzige nationale Fluggesellschaft. Stauß wurde erster Aufsichtsratsvorsitzender. Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahmen die Alliierten die Kontrolle über die Luftfahrt und untersagten alle zivilen Flüge. Ein Flugbetrieb der Lufthansa fand nicht mehr statt. Das juristische Ende des Unternehmens folgte mit der Liquidation des Restvermögens 1951.

Der Neubeginn der zivilen Luftfahrt in Westdeutschland fand 1953 statt. Unter dem Namen „Aktiengesellschaft für Luftverkehrsbedarf“, abgekürzt Luftag, wurde ein neues Unternehmen gegründet, dessen Aktien vollständig in staatlichem Besitz waren. Bereits 1954 wurde der Name in Deutsche Lufthansa AG geändert. Im folgenden Jahr wurde der Flugbetrieb aufgenommen.

Deutsche Bank-Vorstandssprecher Hermann J. Abs 1962 an Bord einer Boeing 707 An der Spitze des Aufsichtsrats der neuen Lufthansa stand seit 1960 der Vorstandssprecher der Deutschen Bank Hermann J. Abs. Als seine Hauptaufgabe betrachtete er die finanzielle Konsolidierung des defizitären Staatsunternehmens. 1964 konnte erstmals in der Geschichte der alten und neuen Lufthansa ein Gewinn erwirtschaftet werden.

Um den Finanzbedarf zu decken, der durch die Umstellung auf Düsenflugzeuge erforderlich war, wurde 1965 eine Erhöhung des Aktienkapitals von 250 Mio. DM auf 400 Mio. DM beschlossen. Zugleich wurden private Zeichner aufgefordert, sich an der Kapitelerhöhung zu beteiligen. Der Staat verzichtete dazu auf Teile seines Bezugsrechts. Knapp 18 Prozent des Kapitals kamen dadurch in den Besitz von Privatanlegern, Versicherungen, Banken, Industrieunternehmen, Schifffahrtsgesellschaften und Reisebüros, die Aktien zum Nennwert von 1000 DM beziehen konnten.

Diese Teilprivatisierung wurde begleitet durch die Börseneinführung aller Lufthansa-Aktien, womit ein Bankenkonsortium unter Führung der Deutschen Bank beauftragt wurde. Ziel war, im Interesse der freien Aktionäre den unkontrollierten Markt in Aktien der Gesellschaft in die geregelten Bahnen der Börsen zu lenken. Zugleich diente die Börseneinführung erklärtermaßen auch der Förderung des Ansehens des deutschen Kapitalmarkts im Ausland. Am 14. April 1966 wurde die Lufthansa-Aktie an den Wertpapierbörsen in Düsseldorf, Berlin, Bremen, Frankfurt am Main, Hamburg, Hannover, München und Stuttgart erstmals gehandelt. Der erste Kassakurs wurde im Beisein von Hermann J. Abs in Frankfurt einheitlich an allen Plätzen mit 292 Prozent festgestellt. Für die ersten privaten Zeichner hatte sich das Investment gelohnt.