27. September 2016

Denk ich an Deutschland: Konferenz blickt zurück aus der Zukunft

„Deutschland 2025 – Haben wir’s geschafft?“ Diese spannende Frage stand im Mittelpunkt der diesjährigen Konferenz der Alfred Herrhausen Gesellschaft und der Frankfurter Allgemeinen Zeitung in Berlin.

„Wir schaffen das.“ Dieser kurze, prägnante Satz von Angela Merkel im August 2015 sollte zum Dreh- und Angelpunkt der Integrationsdebatte werden. Gut ein Jahr später war es nun an der Zeit, konkreter zu werden: Was werden wir im Jahr 2025 über diesen Satz denken? Was werden wir dann wirklich geschafft haben, und was nicht? Und: Was werden wir dafür tun müssen?
Die Konferenz bringt traditionell Referenten mit möglichst unterschiedlichen Perspektiven und Standpunkten zusammen, so auch in diesem Jahr. In diesem Jahr waren das unter anderem Andreas Voßkuhle, der Präsident des Bundesverfassungsgerichts, oder die Schauspielerin und Komödiantin Idil Baydar. Inspirierende Vorträge hielten der Historiker Andreas Rödder, der Philosoph Rainer Forst und der Hamburger Oberbürgermeister Olaf Scholz.

„Die Umwälzung, die wir seit geraumer Zeit erleben, ist ja gewaltig“, sagte Olaf Scholz, „die Flüchtlingsfrage ist ja nur eine Folge der viel umfassenderen Globalisierung.“ Dass die geopolitische Balance der Mächte sich verschiebe; dass mit der Besetzung der Krim sich die ganze bisherige Sicherheitsarchitektur infrage gestellt werde; dass das wirtschaftliche und politische Erstarken aufstrebender Länder keineswegs auch ihre Demokratisierung bedeuten müsse – dies seien enorme Herausforderungen, die die Menschen verunsicherten, ergänzte Hamburgs Oberbürgermeister. Um zu ergänzen: „Dabei habe ich die Anschläge in Paris, Brüssel oder Istanbul noch nicht einmal erwähnt.“ Beruhigend sei es deshalb, wenn Bürgerinnen und Bürger in derartigen Umbruchszeiten eher nüchtern auf die Dinge blicken, fügte Scholz hinzu, um dann zu einem ebenso nüchternen als auch positiven Fazit zu kommen: „Wir sind schon ein ordentliches Stück des Weges vorangekommen – vielleicht sogar weiter, als vielen heute bewusst ist.“

Jürgen Kaube, Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, rief dazu auf, konstruktiv zu sein – anders als beispielsweise die Alternative für Deutschland hierzulande oder in Großbritannien der Brexit-Befürworter und ehemalige Bürgmeister Londons, Boris Johnson. Sie hätten, so Kaube, der Politik ihres Landes zwar einen Denkzettel verpasst – allerdings solche, auf denen nichts steht.
Nach einem Tag intensiven Diskutierens und Debattierens blieb der Eindruck, wie viel Deutschland trotz einiger großer und ungelöster Aufgaben bereits im Jahr eins nach Merkels prägnantem Satz auf die Wege gebracht hat – sei es durch öffentliche Stellen, sei es durch das private Engagement vieler Bürger.