2. November 2016

Die dunklen Seiten des Quantitative Easing

Das Eigenlob der Europäischen Zentralbank für Ausmaß und Kreativität ihrer Geldpolitik scheint zunehmend unangebracht. Tatsache ist, dass der Euroraum seit der berühmten „Whatever it takes“-Rede von Mario Draghi im Jahr 2012 kaum Wachstum, dafür aber die schlechteste Arbeitsmarktentwicklung aller wichtigen Industrienationen, nicht tragfähige Verschuldungsquoten sowie eine weit hinter dem eigenen Ziel zurückbleibende Inflation zu verzeichnen hat.

Die Argumente für die Intervention der EZB werden zunehmend schwächer, mittlerweile dominieren die negativen Folgen.

Deutsche Bank Research analysiert fünf Schattenseiten der Geldpolitik der EZB in ihrem aktuellen dbStandpunkt:

1. Die Intervention der EZB hat paradoxerweise jene Reformdynamik erstickt, die sie eigentlich ermöglichen sollte. Tatsächlich wurden vor 2012 mehr als die Hälfte der von der OECD empfohlenen Wachstumsinitiativen im Euroraum umgesetzt, im letzten Jahr nur noch 20%. Die Intervention der EZB hat de facto die Aussichten auf bedeutende Reformen der Arbeitsmärkte und Rechts-, Sozial- und Steuersysteme in Europa zunichte gemacht.

2. Die Anleihekurse haben ihre Signalfunktion für die Märkte verloren

3. Die vielleicht dunkelste Seite der Geldpolitik der EZB ist die zunehmende Risikokonzentration in der Bilanz des Eurosystems, die sich auf voraussichtlich EUR 2 Bio. bis März 2018 belaufen wird. Bei einer Umschuldung eines EWU-Landes müssen die Verbindlichkeiten der Zentralbank des betreffenden Landes wahrscheinlich von den Steuerzahlern der anderen Euroländer getragen werden. Dies kommt einer Vergemeinschaftung der Schulden gleich.

4. Durch die Intervention der EZB wird den Sparern im Euroraum Schaden zugefügt. Die hohen und stabilen Neubewertungsgewinne, die in den letzten Jahren die Gesamtrenditen gestützt haben, werden sich nicht wiederholen. Nun werden die steigenden Energiepreise, die allgemein niedrige Verzinsung und letztlich der Mean-Reversion-Effekt ihren Tribut fordern.

5. Die EZB-Politik hat eine Fehlallokation von Kapital hervorgerufen, die den Prozess der schöpferischen Zerstörung verhindert und Vermögenspreisblasen entstehen lässt.

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