24. Juni 2016

David Folkerts-Landau, Chefvolkswirt, zum Ausgang des EU-Referendums in Großbritannien

„Man kann darüber streiten, was der Erfolg der Austritts-Befürworter für Großbritannien bedeutet. Aber Europa wird ohne seinen hellsten Stern auf jeden Fall ein dunklerer Ort sein. Das wäre vermeidbar gewesen. Dass Großbritannien nun seinen eigenen Weg geht, spiegelt ein verbreitetes Misstrauen in das europäische Projekt wider. Dies ist wiederum eine Folge des schwachen Wirtschaftswachstums. Die Europäische Union wäre heute erfolgreicher und attraktiver für die Wähler, wenn die Reformen früher begonnen hätten und eine immer lockerere Geldpolitik es nicht so einfach gemacht hätte, schwierige Entscheidungen zu vermeiden.

Großbritannien und Europa brauchen sich auch weiterhin gegenseitig. Brüssel sollte deshalb allen Forderungen widerstehen, Strafmaßnahmen gegen Großbritannien zu ergreifen, nur um einen Warnschuss an die anderen Mitgliedstaaten abzugeben. Dies muss die freundschaftlichste aller Scheidungen werden, bei der beide Seiten ohne Groll zusammenarbeiten. Großbritannien braucht ein starkes und dynamisches Europa, denn dorthin gehen 45 Prozent der Exporte des Landes. Europa braucht Großbritanniens Kreativität und Weltoffenheit. Beide sind auch in der Sicherheitspolitik langfristig aufeinander angewiesen.“