21. September 2017

Caline Aoun: „Künstlerin des Jahres“ 2018 der Deutschen Bank

Caline Aoun: „Künstlerin des Jahres“ 2018 der Deutschen Bank Caline Aoun ist die „Künstlerin des Jahres“ 2018 der Deutschen Bank. Im Herbst 2018 wird sie ihre erste große institutionelle Einzelausstellung im dann neu eröffneten Forum für Kunst, Kultur und Sport der Deutschen Bank im Prinzessinnenpalais in Berlin zeigen.

1983 in Beirut geboren, gehört Aoun zu einer Generation junger libanesischer Künstler, die nach dem Ausbruch des Bürgerkrieges 1975 im Ausland aufwuchsen und dort auch ihre Ausbildung absolvierten. Sie studierte in London am Central Saint Martins School of Art and Design und der Royal Academy School. 2012 machte sie an der University of East London ihren Doktor in Bildender Kunst. Aoun, die ursprünglich Malerin werden wollte, entschloss sich kurz nach ihrem Abschluss, die Malerei aufzugeben, und begann mit Fotografie und digitalen Drucktechniken zu experimentieren.

In ihrem Werk verbindet die in der Nähe von Beirut lebende Künstlerin Strategien aus dem Minimalismus und der Konzeptkunst mit der Frage, wie die Evolution digitaler Technologien unsere Wahrnehmung von Bildern und Informationen verändert.

Die Auszeichnung „Künstler des Jahres“ wird auf Empfehlung des Deutsche Bank Global Art Advisory Council vergeben, dem die renommierten Kuratoren Okwui Enwezor, Hou Hanru, Udo Kittelmann und Victoria Noorthoorn angehören. Im Fokus stehen vielversprechende Künstlerinnen und Künstler, die bereits ein künstlerisch wie auch gesellschaftlich relevantes Werk geschaffen haben, das die beiden Schwerpunkte der Sammlung Deutsche Bank einbezieht: Arbeiten auf Papier oder Fotografie.

„Mich beeindruckt Caline Aouns Obsession für das Drucken, ihr Versuch, alles was vergeht, festzuhalten“, erläutert Hou Hanru, der Künstlerische Direktor des MAXXI in Rom, die Entscheidung der Jury. „Die aufmerksame Beobachtung ihrer persönlichen Umgebung verwandelt sich bei ihr in eine generelle Betrachtung der globalisierten Welt. Auf eine äußerst schöne, stille Weise spiegeln ihre Arbeiten die heutige Welt.“
Aoun thematisiert die Übersättigung an Bildern, die die Digitalisierung unserer globalisierten Welt mit sich bringt. Die Grundlage ihrer abstrakten Werke bilden Experimente mit Inkjet-Druckern. Eigentlich dazu geschaffen, makellose Bilder zu generieren, werden sie von Aoun in einem subversiven Akt mit von ihr gesammelten Daten und Bildern „überfüttert“, was zu Fehlfunktionen führt.

Das Ausgangsmaterial ihrer künstlerischen Arbeiten findet Aoun in den Bereichen des öffentlichen Lebens, die von digitaler Technologie geprägt sind: Logistik, Architektur, Werbung oder Urbanistik. In einem ihrer jüngsten Projekte, Fields of Space (2016), widmet sie sich verschiedenen Objekten im Hafen von Beirut – übereinandergestapelten Schiffscontainern, Handelsbüchern oder Transportpaletten, aber auch den damit verbundenen Daten und Informationen. Dabei geht es ihr darum, die Art und Weise zu überdenken, wie wir uns Räume und die materielle Wirklichkeit, die uns umgibt, vorstellen.

Zu Caline Aouns Einzelausstellungen zählen Fields of Space, Marfa', Beirut (2016), Concrete Layers, Greynoise, Dubai (2015), The Future of Smart Technology in your Hands, Noshowspace, London (2013), Scape, Sartorial Project Space, London (2009). Mit ihren Arbeiten war sie in zahlreichen internationalen Gruppenausstellungen vertreten wie etwa I Spy with my Little Eye…, Casa Árabe, Madrid und Mosaic Room, London (2015), Dust, Centre for Contemporary Art at Ujazdowski Castle, Warschau (2015), Exposure 2012, Beirut Art Center. Sie ist auch in der Ausstellung Home Beirut. Sounding the Neighbors vertreten, die am 15. November im MAXXI in Rom beginnt.

Nach Wangechi Mutu, Yto Barrada, Roman Ondák, Imran Qureshi, Victor Man, Koki Tanaka, Basim Magdy und Kemang Wa Lehulere ist Caline Aoun die neunte Künstlerin, die die Deutsche Bank als „Künstler des Jahres“ ehrt.


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