29. Januar 2018

Chefökonom spricht in Davos über Folgen der US-Steuerreform

Torsten Slok, Chefökonom Internationales, sprach beim Weltwirtschaftsforum 2018 in Davos über die mit der US-Steuerreform verbundenen Risiken und deren Auswirkungen auf Investoren.

In seinem Vortrag Understanding the implications of the US Tax Reform erklärte Slok, dass die US-Steuerreform möglicherweise die Inflation in einer Volkswirtschaft ankurbelt, die ihre Kapazitäten bereits voll auslastet und in der es Vollbeschäftigung gibt: „Unter solchen Bedingungen nimmt der Inflationsdruck zu.“

Das zweite Risiko seien die Auswirkungen auf US-Staatsanleihen, den sogenannten Treasuries. „Die Steuerpaket muss finanziert werden und dadurch wird das Angebot an Staatsanleihen noch größer – es nehme bereits aufgrund wachsender Defizite und der Bilanzreduzierung bei der Federal Reserve zu“, ergänzte Slok.

Ein steigendes Angebot an US-Treasuries ohne eine entsprechende Zunahme der Nachfrage werde zu höheren Zinssätzen und damit zu höheren Finanzierungskosten für die US-Regierung und letztendlich auch für Konsumenten und Unternehmen führen.

Mehr Ungleichheit?

Außerdem zeigten Berechnungen des Joint Committee on Taxation, dass das Steuerpaket bestehende Ungleichgewichte weiter verstärken und sich auf Politik und Märkte auswirken könnte. Slok hat sich in seiner jüngsten Präsentation mit dem Titel US Wealth and Income Inequality ausführlich mit dem Thema Vermögensungleichheit auseinander gesetzt. Darin zeigt er, dass mehr Familien als jemals zuvor – geschätzte 30 Prozent – neben ihrem Eigenheim kein Vermögen oder sogar Schulden haben.

Sloks Thesen im Überblick:

  • Die Federal Reserve wird die Leitzinsen im Jahr 2018 viermal anheben. Durch die höhere Inflation in den USA und den Ausstieg der EZB aus ihren quantitativen Lockerungsmaßnahmen im zweiten Quartal 2018 werden die Zinsen in den USA und Europa steigen.
  • Diese beiden Faktoren werden auch dazu führen, dass die Zinsen an den Anleihemärkten schrittweise zunehmen.
  • An den Aktienmärkten wird es aufgrund von niedrigen Zinsen, hoher Liquidität, Deregulierungsmaßnahmen und der US-Steuerreform zu einem Aufwärtstrend kommen. Slok warnt jedoch vor einer populistischen Gegenbewegung im November.
  • An den Devisenmärkten wird der EUR-/USD-Wechselkurs auf 1,30 steigen, da die Wirtschaft in Europa stärker wachsen und der Ausstieg der EZB aus ihren quantitativen Lockerungsmaßnahmen den EUR-USD-Kurs weiter unterstützen wird.
  • Die Rohstoffpreise werden aufgrund des globalen Wachstums steigen. Die Immobilienblase und Probleme im Finanzsystem in China werden jedoch Anlass zur Sorge geben.
  • In den Schwellenländern wird es zu Schwankungen kommen, da diese normalerweise unter steigenden Zinsen in den USA leiden, jedoch durch höhere Rohstoffpreise unterstützt werden.

Die Präsentation von Torsten Slok können Sie hier herunterladen.