6. April 2018

Daten sind Gold

Was tun mit den riesigen Datenmengen, die eine Bank jede Woche erzeugt und hortet? Das Dubliner Datenlabor der Deutschen Bank hat darauf Antworten

Können Sie sich vorstellen, wie viele Daten die Deutsche Bank in einer Woche erzeugt? Es sind mehrere Petabytes, also eine ganz Menge. Ein Petabyte entspricht 10 hoch 15 Byte, der kleinsten Datenspeichereinheit eines Computers. Um es anschaulicher zu machen: Diese Datenmenge würde reichen, um 2.000 Jahre lang Helene Fischers „Atemlos“ auf Ihrem Smartphone anzuhören, und Ihr Kind könnte 13 Jahre lang ununterbrochen „Tom und Jerry“ in HD-Qualität schauen.

Diese gewaltige Datenmenge gilt es zu nutzen. Mit den richtigen Fragen und Analysemethoden kann die Deutsche Bank wichtige Erkenntnisse gewinnen, um beispielsweise neues Geschäft zu generieren, Vermögenswerte zu schützen, bessere Dienstleistungen und Produkte anzubieten und Abläufe zu straffen. Dabei steht der Schutz der Kundendaten an oberster Stelle. Daten werden anonymisiert und nur mit ausdrücklicher Zustimmung der Kunden verwendet.

In Dublin helfen die über 80 Experten des Datenlabors „The Hive“ den Geschäfts- und Infrastrukturbereichen der Bank, diese Daten zu nutzen. Kürzlich haben sie mit der DWS zusammengearbeitet, die ihre Kunden und deren Bedürfnisse genauer verstehen wollte, um die Betreuungsstrategie weiterzuentwickeln. Auch die Transaktionsbank will weiteres Geschäftspotenzial mit bestehenden Kunden identifizieren und hat ein Projekt mit den Datenexperten gestartet.

Zwölf Sekunden statt 20 Minuten

Ein anderes Beispiel: Um unberechtigte Zugriffe auf IT-Systeme erkennen, durchforsten Mitarbeiter regelmäßig mehrere Milliarden Informationszeilen. Das dauerte bislang etwa 20 Minuten und sollte schneller werden. Deswegen haben die Sicherheitsexperten den Inkubatorprozess des Datenlabors genutzt und innerhalb von fünf Wochen einen App-Prototyp entwickelt. Er braucht für dieselbe Arbeit keine zwölf Sekunden und zeigt, wo Handlungsbedarf besteht. Das Ergebnis: Schnellere Analyse, höhere Sicherheit.

Auch die bankinterne Abteilung gegen Finanzkriminalität nutzt das Datenlabor: Es durchforstet historische Daten nach Trends, Mustern und Ausnahmefällen. Es geht darum, kriminelles Verhalten gezielter aufzuspüren. Die Experten haben eine Lösung gefunden, die das systematisch leisten kann.

Eine Quelle für die ganze Bank

Die Analyse-Plattform der Bank war dabei eine große Hilfe. Projektteams aus dem ganzen Unternehmen können sie selbständig nutzen oder auch mit Unterstützung, wenn sie das wünschen. Die Basis dieser Plattform ist ein so genannter „Secure Data Lake“ – ein großer Datenspeicher, in den Daten eingespielt werden. Für die Aufbereitung und Analyse der Daten steht dann eine Auswahl verschiedener Werkzeuge zur Verfügung, darunter ein Programm, um die Daten grafisch darzustellen. Damit können auch Kollegen ohne Spezialkenntnisse der Datenwissenschaft ihre jeweiligen Informationen erforschen und sich Zusammenhänge erschließen.

Mehr über das Datenlabor „The Hive“ erfahren Sie in diesem Interview (Seite 16).