15. März 2018

Aktienmärkte noch nicht auf Diät

Investment-Konferenz der Deutschen Asset Management: Chef-Anlagestratege Stefan Kreuzkamp lenkt den Blick der Kunden auf 2019

Investment Konferenz 2018 Es gehört zur guten Tradition der jährlichen Investment-Konferenz: Wenn der Chef-Anlagestratege spricht, dann hören die rund 1000 Vertriebspartner der Deutschen Asset Management ganz genau hin. Viele zücken ihre Smartphones, machen Fotos von den Folien der Präsentation und schicken sie ihren Kunden und Kollegen live aus der Alten Oper in Frankfurt – so auch diese Woche wieder, von der mittlerweile 18. Investment-Konferenz.


Kreuzkamps Botschaft für Kapitalanleger, knapp und prägnant: Die Wirtschaft läuft in diesem Jahr und auch 2019, aber die Inflation wird ein Thema. Haltet Aktien grundsätzlich die Stange, seid noch viel wählerischer bei Anleihen und bleibt trotz möglicher Rücksetzer solange entspannt, wie die US-Zinsstrukturkurve positiv ist, also Zinsen für zweijährige Anleihen noch unter denen von zehnjährigen bleiben. Handelt, wenn die Zinsen schneller steigen als erwartet, denn dann könnte es brenzlig werden.


Kreuzkamp richtet seinen Blick freilich bereits auf 2019. Im laufenden Jahr sehe es für die Wirtschaft zwar ganz gut aus, denn: „Der Zyklus läuft, das Wachstum bleibt, die Digitalisierung ist überall. Die Schulden dämpfen zwar, dafür bleibt die Liquidität hoch und die Inflation dürfte sich im Rahmen halten“, fasst der Chef-Anlagestratege die aktuelle Lage zusammen. All das hätten die Märkte jedoch bereits eingepreist.


Was wird die Märkte also im kommenden Jahr prägen, lautet die spannende Frage? Die Entwicklung der Leitzinsen beispielsweise. Die könnten laut Kreuzkamp in den USA auf drei Prozent steigen. Europa hinke hinterher, aber auch die Europäische Zentralbank dürfte 2019 erstmals seit 2011 an der Zinsschraube drehen.


Die Inflation werde eines der wichtigsten Themen werden, so Kreuzkamp. In den USA sieht er sie 2019 bei zwei, in der Eurozone bei rund 1,7 Prozent. Und auch die Schulden drücken weiterhin: Die Staatsschulden in den USA und der Europäischen Union würden wohl weiter anschwellen. Die gute Nachricht laute: Die Konjunktur läuft. Sowohl für 2018 als auch für 2019 erwartet Kreuzkamp ein globales Wachstum von 3,9 Prozent.


Die Konsequenz seiner Prognose für die Kapitalanlage: „An den Rentenmärkten sind die fetten Jahre vorbei“, so Kreuzkamp. Die Renditen dürften langsam weiter steigen, die Kurse entsprechend unter Druck kommen. Anleihen hätten dennoch Platz im Portfolio, um es zu stabilisieren, allerdings nur ausgewählte: Mit variabel verzinslichen Anleihen, den sogenannten „Floatern“, könnten Anleger an dem erwarteten Zinsanstieg teilhaben. Inflationsindexierte Anleihen ließen sich zur Absicherung des Portfolios sinnvoll einsetzen. Und auch bei Unternehmensanleihen der Kategorie Investment Grade sieht Kreuzkamp nach wie vor Chancen, trotz niedriger Renditen. Der Grund: eine hohe Nachfrage trifft auf ein begrenztes Angebot – das werde die Kurse stützen.


Optimistischer ist Kreuzkamp für Aktien gestimmt: „Die Aktienmärkte sind noch nicht auf Diät.“ Das fundamentale Umfeld stimme, und die Unternehmensgewinne dürften 2018 weltweit um 15 Prozent und 2019 um 8 Prozent wachsen. Zudem habe das Wachstum eine breite Basis und werde von allen Regionen und Branchen getragen. Ein Zinsanstieg von 100 bis maximal 200 Basispunkten – also ein bis zwei Prozentpunkte – bis Ende 2019 hält Kreuzkamp für verkraftbar. Nur falls der Zinsanstieg schneller kommen und heftiger ausfallen sollte, drohten Verwerfungen.

Kreuzkamp


Einer von Kreuzkamps Favoriten: Aktien der Digitalisierungsgewinner – aber nach dem breiten Anstieg nicht mehr unbedingt die ganz großen Namen. Er richtet seinen Blick eher auf die zweite Reihe. Dividendenstarke Aktien bleiben für ihn eine unverzichtbare Basisanlage, auch als möglicher Risikopuffer, der Schwankungen an den Märkten teilweise abfedern könne. Potenzial sieht er auch bei deutschen und europäischen Nebenwerten und bei Aktien aus Schwellenländern, die mit einem erwarteten überdurchschnittlichen Gewinnwachstum – 2018 und 2019: 15 Prozent pro Jahr – und einem Bewertungsabschlag von 25 Prozent gegenüber denen von Industrieländern punkten könnten.


Bei den alternativen Anlagen hat Kreuzkamp Infrastrukturaktien fest im Blick. Die Aktien dürften von Trends wie einer wachsenden Weltbevölkerung, der Urbanisierung und der Digitalisierung profitieren. Zudem seien Infrastruktur-Unternehmen dank meist inflationsgekoppelter Tarife weniger anfällig für eine steigende Geldentwertung.