23. Januar 2018

John Cryan bricht Lanze für ein starkes Europa

Sturmtief „Friederike“ konnte der guten Stimmung beim Hauptstadtempfang der Deutschen Bank in Berlin nichts anhaben. Dass aber über Deutschland und Europa im übertragenen Sinn nicht nur eitel Sonnenschein herrscht, wurde aus der Neujahrsansprache von John Cryan deutlich. So betonte der Vorstandsvorsitzende in seiner Rede, dass eine starke Europäische Union dringend auf die mitgestaltende Rolle Deutschlands angewiesen ist. Zwar sei der „befürchtete Siegeszug antieuropäischer Kräfte“ bei den Wahlen 2017 in vielen EU-Ländern erst einmal ausgeblieben. Doch dafür sei es jetzt umso wichtiger, dass die Politik eine klare Antwort auf die Zukunftsfragen des „Projektes Europa“ finde und die Fragen vieler Menschen beantworten könne, so Cryan.

Starke Signale für Europa: John Cryan betonte in seiner Neujahrsansprache die wichtige Rolle Europas im Weltgeschehen.

Sein Appell dürfte nicht zuletzt bei einem prominenten Gast aus Brüssel auf offene Ohren gestoßen sein: Auch EU-Kommissar Günther Oettinger zählte zu den mehr als 500 Gästen des Abends. Der für den europäischen Haushalt maßgebliche Politiker hatte sein Programm an diesem Tag kurzfristig geändert, um teilnehmen zu können. Oettinger reihte sich ein in eine große Runde mit vielen Unternehmern und Unternehmerinnen sowie Vertretern von Politik, Verbänden, Medien, Wissenschaft und Kultur. Nebenbei zollten viele Gäste der starken Präsenz der Konzernführung ausdrücklich Lob: Neben John Cryan, Christian Sewing und den Mitglieder der regionalen Geschäftsleitung Ost als offiziellen Gastgebern, nahmen auch Aufsichtsratsvorsitzender Paul Achleitner sowie die Vorstandsmitglieder Kim Hammonds, Sylvie Matherat, Marcus Schenck und Karl von Rohr am Hauptstadtempfang teil.

Auch ein positiver Beitrag: Das Atrium der Deutschen Bank bringt seit 20 Jahren Menschen zusammen, wie hier beim Hauptstadtempfang.

Cryan bezog in seiner Rede auch zu den laufenden Sondierungen für die Bildung einer neuen Bundesregierung klar Position. Noch verkrafte das Land die zähe Regierungsbildung ganz gut, konstatierte der Brite. Doch „früher oder später werden zu viele politische Fragezeichen aber Unternehmen zögern lassen, wenn es um langfristige Investitionen geht“, so Cryan. Zugleich begrüßte er, dass Europa im Sondierungspapier von CDU, CSU und SPD eine wichtige Rolle spiele. Die zahlreichen Abgeordneten sowie Vertreter der Bundespolitik – mit Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries an der Spitze – lauschten sichtlich aufmerksam, als Cryan zwei Prinzipien mit Modellcharakter für Europa formulierte: „Gemeinsam sind wir politisch und wirtschaftlich stärker als alleine“, so der Redner mit Blick auf die Verhandlungsposition Europas im Wettbewerb der Wirtschaftsblöcke. Zweitens plädierte er dafür, dass möglichst viel vor Ort nah an den Menschen entschieden werden müsse – und damit ein Wiedererstarken des Grundsatzes der Subsidiarität. Gelinge dies nicht hinreichend, würden sich die Wähler weiter von Europa abwenden.

Starke Präsenz: (v.li.) Christian Sewing, Sylvie Matherat, John Cryan, Marcus Schenck, Kim Hammonds und Harald Eisenach.

Für zentrale Lösungen sprach sich der Vorstandsvorsitzende dort aus, wo sie Europa als Ganzes stärken und nannte dabei die Sicherheitspolitik, die Geldpolitik einschließlich der Finanzmarktpolitik, sowie weitere Wirtschaftsfragen wie das Feld der Digitalisierung. In diesem Kontext lobte Cryan die lebendige Gründerszene in Berlin. Damit europäische Start-ups in der Ära der Plattformökonomie international mithalten könnten, bedürfe es unter anderem eines besseren Zugangs zu Kapital. „Uns fehlt nicht nur eine reife Szene von Wagniskapitalgebern. Es fehlt ein tiefer Kapitalmarkt, um ein junges Unternehmen später so erfolgreich an die Börse zu bringen, wie das in den USA Standard ist“, so Cryan.

Welche Rolle spielt die Deutsche Bank in diesem Kontext? Sie wolle Europas führende Bank mit globalem Netzwerk sein und bleiben. Und an die Kunden und Gäste gerichtet, ergänzte Cryan: „Wir wollen, dass Sie von einer Bank profitieren, die die Finanzwelt von morgen mit gestaltet“.

Dass die Bank mit ihrem Geschäft und auch darüber hinaus nachhaltig gesellschaftlichen Nutzen stiftet, erlebten die Gäste des Hauptstadtempfangs mit Augen und Ohren: Die Lichttechnik hatte das Atrium an diesem Abend gestalterisch unter das Motto „Positiver Beitrag“ gestellt. Damit verbunden zeigte ein Film über das schwäbische Unternehmen Steiff nach der Rede Cryans am Beispiel des traditionsreichen Spielwarenherstellers, wie tief die Bank in der Mitte der deutschen Wirtschaft verwurzelt ist. Harald Eisenach, Sprecher der regionalen Geschäftsleitung, hatte ein Leuchtturm des gesellschaftlichen Engagements in seinem Grußwort zu Beginn des Abends herausgestellt: Die Deutsche Bank KunstHalle, zu der die Gäste während des Empfangs freien Zutritt hatten. Mit dem Umzug der KunstHalle in das Prinzessinenpalais Unter den Linden im Sommer 2018 werde die Bank ihre Aktivität im Bereich Kunst, Kultur und Sport für einen noch größeren Kreis von Menschen zugänglich machen.