1. August 2018

Quartalsergebnisse: Europas Unternehmen trotzen schwächerer Konjunktur

Die Stimmung an den Märkten ist derzeit besser, als es viele Analysten erwartet hatten. Der Grund dafür: Inzwischen haben viele Unternehmen ihre Ergebnisse für das zweite Quartal vorgelegt. Wo es gut lief und wo nicht, fassen die Experten von Deutsche Bank Research zusammen.

„Wir haben im zweiten Quartal 2018 im Euroraum relativ gute Ergebniszuwächse gesehen“, sagt Sebastian Raedler, verantwortlich für die europäische Aktienstrategie. „Inzwischen liegen die Quartalsergebnisse von Unternehmen vor, die insgesamt auf rund 40 Prozent der Marktkapitalisierung kommen. Der Gewinn pro Aktie lag bei diesen Firmen im Schnitt sechs Prozent höher als im Vorjahr, nachdem die Ergebnisse im ersten Quartal noch stagniert hatten.“

Damit entsprachen die Ergebnisse zwar ziemlich genau den durchschnittlichen Erwartungen der Analysten. Deutsche Bank Research hält dies für eine positive Überraschung, da sich die Konjunktur im Euroraum im zweiten Quartal stark eingetrübt hatte, was schlechtere Ergebnisse befürchten ließ. Nun erwarten die Analysten, dass der Gewinn pro Aktie im dritten Quartal um drei Prozent steigt, im vierten Quartal sogar um zehn Prozent.

„Der Finanzsektor ist derzeit die mit Abstand interessanteste Branche in Europa“, sagt Raedler. „Zumal wir davon ausgehen, dass sich die Konjunktur wieder stabilisieren wird.“ Ähnlich stark wie bei den Finanzwerten ist in der aktuellen Berichtssaison der Gewinn pro Aktie in der Energie- und der Konsumgüterbranche gestiegen. Einen Rückgang gibt es nur bei Versorgern und Technologieunternehmen.

Analysiert man die Ergebnisse nach Ländern, ist der Gewinn pro Aktie bei den französischen Unternehmen am stärksten gestiegen – um durchschnittlich 19 Prozent. Auch Firmen in Deutschland und Spanien verzeichneten zweistelliges Wachstum. Nur bei italienischen Unternehmen ist der Gewinn pro Aktie eingebrochen. Allerdings erwarten die Analysten hier eine Erholung im dritten Quartal.

Raedler und sein Team europäischer Aktienstrategen erwarten für das Gesamtjahr 2018 einen Anstieg des Gewinns pro Aktie um neun Prozent. Das liegt etwas über der Konsensschätzung von acht Prozent, aber deutlich unter dem Vorjahreswert von 15 Prozent. Dennoch sind die Experten taktisch vorsichtig, was die Aussichten für europäische Aktien anbelangt: Für den Index Stoxx 600 prognostizieren sie einen Rückgang um acht Prozent auf 360 Punkte. Gegenwind droht aus ihrer Sicht durch einen Anstieg des Euro-Dollar-Kurses auf 1,20 und höhere Realzinsen, wenn sich die Kerninflation in der Eurozone erholt.

Von der kurzfristigen Schwäche des US-Dollars dürfte wiederum der Bergbau profitieren, ebenso von der Erholung des chinesischen Einkaufsmanagerindexes PMI nach der jüngsten geldpolitischen Lockerung in China. Deshalb empfiehlt Raedler, diese Branche überzugewichten. Das gilt auch für Banken – gerade weil das Zinsniveau steigt und weil sich die Wachstumsdynamik im Euroraum stabilisieren dürfte, nachdem sie sich zuletzt verlangsamt hatte.

Fluggesellschaften und die Luxusgüterbranche hingegen würde Raedler untergewichten. Bei den Airlines seien die eingetrübte Konjunktur und der höhere Ölpreis noch nicht vollständig eingepreist. Luxusgüter-Aktien wiederum haben sich bereits besser entwickelt, als man es im aktuellen Konjunkturumfeld erwarten dürfte.