22. Februar 2019

Rumänien: die jungen Wilden aus dem Osten

Die Deutsche Bank hat in Rumänien mehr als nur einen Fuß in der Tür. Länderchef Mihai Ionescu spricht mit dbnetwork über wichtige Transaktionen und das Technologiezentrum, unserem Schmuckstück in Bukarest.

Anfang des Jahres hat Rumänien erstmals den Vorsitz im Ministerrat der EU übernommen. Die EU-Ratspräsidentschaft dauert bis Ende Juni, und in diese Zeit fallen auch die diesjährigen Europawahlen vom 23. bis 26. Mai. Ein Grund für dbnetwork einmal nachzufragen, wie das Land vorankommt und welche Rolle dabei die Deutsche Bank spielt – immerhin ist Deutschland seit jeher der wichtigste Handelspartner. Ein Interview mit Mihai Ionescu, Chef der Deutschen Bank in Rumänien.

dbnetwork: Herr Ionescu, die Wirtschaft in Rumänien gewinnt seit Jahren an Fahrt. Profitiert davon denn auch die Bank?

Ionescu: Definitiv. Wir haben mittlerweile Zugang zu Unternehmen, die in privater Hand sind. Das geht also über das Geschäft hinaus, das man in Rumänien wie auch in anderen zentral- und osteuropäischen Ländern üblicherweise am ehesten bekommt, nämlich das Geschäft mit staatlichen Institutionen. Im Beratungs- und Finanzierungsgeschäft mit Unternehmen konnten wir einige Mandate gewinnen und erfolgreich abschließen – das gilt für das Emissionsgeschäft mit Anleihen und Aktien genauso wie für die Fusions- und Übernahmeberatung. Aber nicht nur das: Rumänien hat sich auch als geeigneter Standort für eines der Technologiezentren der Bank erwiesen. Hier arbeiten 900 hochqualifizierte Kollegen, die Software produzieren, und zwar für die Bank weltweit. Das Technologiezentrum wurde übrigens durch ein staatliches Förderprogramm angeschoben, das Arbeitsplätze im rumänischen IT-Sektor schaffen sollte.

Wo ist die Deutsche Bank in Rumänien denn besonders gut?

Wir können auf einige Erfolge im Beratungs- und Finanzierungsgeschäft zurückblicken – ich würde sagen, die Deutsche Bank wird hier als die führende internationale Investmentbank gesehen. Wir waren zum Beispiel bei zwei größeren Fusionen und Übernahmen eingebunden, durch die ein führendes Unternehmen in der Region sowie ein Weltmarktführer entstanden sind – eines im Bereich Immobilien, und eines im Bereich Sicherheits-Software. Mit diesen Unternehmen wollen wir natürlich künftig weiterhin Geschäft machen. Wenn ich die Branchen durchgehe, dann sind wir in der Immobilienbranche besonders erfolgreich, denn hier in Rumänien sitzen zwei der führenden Unternehmen Zentral- und Osteuropas.

Unser Technologiezentrum in Bukarest hat es schon zu einiger Bekanntheit gebracht – nicht nur in Rumänien, sondern auch innerhalb der Bank. Was macht den Erfolg dort aus?

Nun, dabei spielen wie so häufig immer mehrere Faktoren eine Rolle. Wir fühlen uns in unseren Annahmen bestätigt, was die Wahl Bukarests als Standort für das Technologiezentrum angeht. Die digitale Infrastruktur stimmt, denn Rumänien hat eine der schnellsten Internet-Verbindungen der Welt. Es gibt viele talentierte IT-Spezialisten und gute Universitäten, die auch jedes Jahr neue Absolventen hervorbringen. Die Sprachkenntnisse der Mitarbeiter sind gut und Rumänien ist nicht allzu weit entfernt von Deutschland und Großbritannien. Was wir damals kaum planen konnten, ist aber genauso wichtig: Wir haben hier ein junges, energetisches und motiviertes Team, das sich für modernste Finanztechnologie begeistern kann. Und wir haben eine gute Balance aus Frauen und Männern – insgesamt ein sehr positives Umfeld.

Welches Terrain wollen Sie demnächst stärker bearbeiten, sprich: Wo sehen Sie die größten Geschäftschancen, um nachhaltig zu wachsen?

Deutschland ist mit einem Handelsvolumen in Höhe von derzeit etwa acht Milliarden Euro traditionell Rumäniens wichtigster Handelspartner. Es gibt hier viele deutsche Unternehmen aus der verarbeitenden Industrie bis hin zur Hochtechnologie. Natürlich sehen wir die Chance, deutsche Kunden bei ihren Geschäften in Rumänien zu begleiten. Und wir gehen davon aus, dass sich unser Zugang zu ausgewählten, wichtigen lokalen Kunden in Zukunft auszahlen wird. Das gilt insbesondere für Unternehmen aus den Bereichen Technologie und Immobilien. Die Deutsche Bank profitiert also vom wirtschaftlichen Aufschwung, gleichzeitig tragen wir aber auch maßgeblich dazu bei. Das würde ich als unseren nachhaltigen, positiven Beitrag sehen.

Finden Sie dafür genügend qualifizierte Mitarbeiter? Die Deutsche Bank ist ja nicht das einzige Großunternehmen, das in Rumänien wachsen möchte.

Ausreichend viele, gute Arbeitskräfte zu finden, ist immer eine Herausforderung – das ist in Rumänien nicht anders als in anderen Teilen Europas, und ich schließe hier Westeuropa mit ein. Wir glauben jedoch, dass wir einen Vorteil gegenüber unseren Wettbewerbern haben: Unser Team hier ist sehr motiviert – motiviert von der Arbeit, die wir leisten. Außerdem hat die Deutsche Bank hier eine sehr starke Marke, und wir sind zu einem Arbeitgeber erster Wahl geworden, was wir in erster Linie unseren Kollegen aus der Personalabteilung verdanken. Und nicht zu vergessen: Wir haben Tischtennis-Platten, Tischkicker und zahlreiche andere Möglichkeiten, um unsere jungen Mitarbeiter miteinander in Kontakt zu bringen und für einen Ausgleich zu sorgen. Wer hart arbeitet, muss auch mal spielen dürfen.