19. September 2018

Triathlon-Weltmeisterschaft: Risikomanager Rahul Batra lässt sich von Krebs und Knochenbruch nicht stoppen

Eine beeindruckende Lebensgeschichte: Nach überstandener Krebserkrankung qualifizierte sich der Risikomanager und ehemalige Spitzenschwimmer Rahul Batra für die Triathlon-Weltmeisterschaft in Australien. Er hat dort den 58. Platz errungen. Hier berichtet er, wie es gelaufen ist:

Die Nacht vor dem Wettkampf

Vor dem großem Tag war alles nach Plan gelaufen – ich war mit dem Team die Strecke noch einmal durchgegangen und hatte mein Fahrrad am Tag vor dem Rennen in der Wechselzone abgegeben. Ich wollte früh schlafen gehen, als mich eine Entscheidung der Organisatoren in Schrecken versetzte. Da die Wettervorhersage starken Wind erwarten ließ, hatten sie in letzter Minute Scheibenräder verboten. Mein Rad hat ein Scheibenrad. Und weil ich aus Großbritannien mit dem Flugzeug nach Australien gekommen war, hatte ich natürlich kein Ersatzrad dabei.

Daraufhin versuchten meine Familie und ich die halbe Nacht verzweifelt Ersatz zu besorgen. Die Fahrradläden hatten schon geschlossen, also suchten wir über die sozialen Medien nach Sportlern in der Nähe, die mir vielleicht ein Rad leihen könnten – denn ohne die entsprechende Ausrüstung wäre ich vom Wettkampf ausgeschlossen worden. Und tatsächlich – mein Retter war ein anderer Triathlet, der in echtem Sportsgeist bereit war, mir sein Rad zu leihen.

Der Wettkampftag

Ich stand schon um halb fünf Uhr morgens auf und kam mit 109 anderen Sportlern aus der ganzen Welt, die in meiner Altersgruppe der 30 bis 35-jährigen Männer starteten, in Southport Broadwater Parklands an. In der Vorbereitung war zwar alles gut gelaufen, aber ich war nervös, weil ich mir eine Entzündung im Knöchel zugezogen hatte, so dass ich in den vorangegangen vier Wochen kein Lauftraining machen konnte. Am Start nahm ich mir jedoch fest vor, das alles während des Wettkampfs auszublenden.

Das Schwimmen war von den drei Disziplinen schon immer meine stärkste, und ich kam auf einem guten elften Platz aus dem Wasser. Beim Radfahren hingegen bin ich am schwächsten, und nach der Radetappe lag ich auf dem 40. Platz und musste dringend wieder aufholen.

Als der Lauf begann, rechnete ich mir Chancen aus, unter die ersten 25 zu kommen. Jetzt musste ich alles geben. Und anfangs lief es auch gut. Aber etwa drei Kilometer vor dem Ziel knickte mein Bein weg und ich wusste sofort, dass es etwas Ernstes war. Ich erfuhr erst später, dass ich mir das Wadenbein gebrochen hatte.

Als es passierte, wusste ich, dass der Wettkampf für mich vorbei gewesen wäre, hätte ich angehalten oder auch nur das Tempo verlangsamt. Also biss ich die Zähne zusammen und lief weiter. Man hat so viel Adrenalin im Blut, dass man den ganz schlimmen Schmerz zunächst nicht spürt. In Gedanken durchlebte ich die vorherigen vier Jahre noch einmal. Ich dachte daran, wie ich im Krankenhaus bestens betreut worden war, wie mich meine Familie, Freunde, Kollegen und sogar Fremde unterstützt hatten. Für sie alle wollte ich diesen Wettkampf unbedingt zu Ende bringen, koste es was es wolle. Als ich es als 58. Läufer über die Ziellinie schaffte, wollte ich mein Bein vorsichtig belasten und versuchte, zu gehen. Aber es war nicht möglich. Ich wurde sofort in einen Rollstuhl gesetzt und zum Sanitätsdienst gebracht.

24 Stunden später

Inzwischen war ich wieder im Hotel, auf Krücken, umgeben von Familie und Freunden. Das Rennen hatte ich noch sehr deutlich vor Augen. Ich bin sehr ehrgeizig und war enttäuscht über meine schlechte Platzierung und die Zeit von zwei Stunden und sieben Minuten. Aber ich wusste auch, dass ich alles gegeben hatte, was irgendwie möglich war. Und in dieser Hinsicht bin ich sehr zufrieden. Leider konnte ich den Moment des Zieleinlaufs nicht so genießen, wie ich es mir vorgestellt hatte. Aber wenn etwas Zeit vergangen ist, werde ich zurückblicken und dieses Wochenende wird zu meinen wichtigsten Erinnerungen gehören. Der Schmerz vergeht irgendwann, aber die Erinnerung bleibt.

Nachdenkliches

Ich werde der Bank immer sehr dankbar sein, denn ich habe in der ganzen Zeit große Unterstützung erfahren. Die Bank war auf meiner Seite, in den guten Zeiten und auch, als es schwer wurde. Und mit den Kolleginnen und Kollegen auf der ganzen Welt habe ich mich wirklich verbunden gefühlt, als ich gegen den Krebs kämpfte. Es ist überwältigend, wie viele Kollegen mir Mut zugesprochen haben und unseren gemeinsamen Kampf gegen diese Krankheit auch finanziell unterstützen. In dieser Bank herrscht eine beeindruckende Kultur des Zusammenhalts, und ich weiß nicht, ob es das in dieser Form in anderen Unternehmen gibt.

Einen #PositivenBeitrag leisten

Bislang haben wir zusammen schon mehr als 9.000 britische Pfund für das Guy‘s and St Thomas‘-Krankenhaus aufgebracht. Ich habe regelmäßig Kontakt zu den Ärzten dort und bin sehr glücklich darüber, dass sie das Geld für eine dreimonatige Forschungsarbeit zum Non-Hodgkins-Lymphon verwenden wollen.

Dass aus den Spenden ein greifbares Projekt wird, ist einfach fantastisch. Zusammen leisten wir einen #PositivenBeitrag. Wir sind im Kampf gegen den Krebs ein weiteres Stück vorangekommen. Ich möchte Ihnen allen von Herzen danken, dass Sie mich und auch das Krankenhaus nach Kräften unterstützt haben.

Auf der Website „Just Giving“ erfahren Sie mehr über Rahul Batras Spendenaufruf.