31. August 2018

Womit wir am Kapitalmarkt noch nicht rechnen

Zwei New Yorker Analysten aus der Unternehmens- und Investmentbank haben sich sieben Szenarien überlegt, die überraschen könnten

Welche außergewöhnlichen Ereignisse könnten die Akteure an den Kapitalmärkten in den kommenden Monaten auf dem falschen Fuß erwischen? Das haben die New Yorker Kollegen Dominic Konstam und William Marshall aus dem Research des Kapitalmarktgeschäfts der Unternehmens- und Investmentbank untersucht.

Anbei sieben Schlagworte mit dem Potenzial, um von der Konsensmeinung abzuweichen und die Märkte noch in diesem Jahr zu überraschen:

  1. Brexit – für den Fall, dass die britischen und EU-Verhandlungsführer vor Ablauf der Frist im März 2019 keine Einigung erzielen können. Ein ungeordneter Austritt aus der EU, also wenn die Verhandlungen ohne jegliche Vereinbarung scheitern, würde unmittelbar zur Verunsicherung führen und dürfte die Bank of England und die Märkte weltweit zwingen, die Angst vor negativem Wachstum in die Kurse einzupreisen. In der Folge könnten die wichtigsten Staatsanleihen im Euroraum haussieren und Aktien unter die Räder geraten, und hier vor allem Finanztitel.
  2. Branchen – wenn die Unternehmensergebnisse einer Branche, hier: der Technologiesektor, enttäuschen sollte. Auf Technologieaktien entfallen etwa 25 Prozent der gesamten Marktkapitalisierung in den USA. Außerdem haben die Tech-Werte im S&P 500 seit Ende 2016 um über 62 Prozent an Wert zugelegt.
    Das wiederum würde auch das BIP-Wachstum belasten.
  3. Renminbi – falls der Wert der chinesischen Währung unter anderem infolge der aktuellen Handelsspannungen schnell fallen sollte. Das globale Wachstum dürfte sich verlangsamen, außerdem droht eine Spirale von Währungsabwertungen.
  4. Nippon – wenn die japanische Zentralbank ihre Haltung zum Erwerb japanischer Staatsanleihen korrigiert, mit dem Ergebnis einer steileren Zinskurve, vor allem am kurzen Ende.
  5. US-Zinskurve – falls die Nachfrage nach Anleihen infolge anhaltend hoher Aktienbewertungen steigt, die Renditekurve dadurch abflacht und sie sogar schneller invers wird als es in den Derivaten – Forward-Kontrakte – eingepreist wird.
  6. Italien – wenn sich das Land erholt und das dazu führen sollte, dass sich die Erwartungen an die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank ändern.
  7. US-Notenbank – wenn die US Fed zum Ergebnis kommen sollte, dass sie Wirtschaftswachstum über die Zinspolitik stimulieren sollte.

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