7. Juni 2019

Deutsche Wirtschaft im Abschwung: Brauchen wir jetzt ein Konjunkturprogramm?

Sebastian Becker von Deutsche Bank Research erklärt in Podzept, warum staatliche Konjunkturhilfen gerade weder notwendig noch sinnvoll sind

Das globale Wachstumstempo hat zuletzt nachgelassen, was man auch am schwächeren Welthandel ablesen kann. Deutsche Bank Research erwartet, dass die Weltwirtschaft dieses Jahr nur noch mit 3,4 Prozent wachsen dürfte. Dies wäre zwar noch immer ein respektables Wachstum, allerdings deutlich niedriger als in den beiden Vorjahren, in denen es noch bei leicht unter 4 Prozent lag. Eine schwächere Weltwirtschaft macht vor allem den offenen, exportgetriebenen Volkswirtschaften zu schaffen. Die Eurozone dürfte dieses Jahr mit 1,1 Prozent nur noch schwach expandieren und für das deutsche BIP erwartet Deutsche Bank Research für 2019 einen noch geringeren Zuwachs von nur 0,7 Prozent. Damit dürfte die deutsche Wirtschaft erstmals seit vielen Jahren wieder schwächer wachsen, als es ihr Wachstumspotenzial von ca. 1¼ Prozent hergibt.

Sebastian Becker hält ein staatliches Konjunkturprogramm in der gegenwärtigen Phase des Konjunkturzyklus jedoch weder für notwendig noch für sinnvoll: „Die Finanzpolitik ist schon jetzt expansiv ausgerichtet. Aber irgendwie scheint dies vielfach nicht wahrgenommen zu werden. Die Wirtschaft befindet sich in einem Normalisierungsprozess. Der Arbeitsmarkt ist nach wie vor stark. Und daher brauchen wir auch keine weiteren Konjunkturhilfen!“ Ebenso sind die historischen Erfahrungen mit Konjunkturpaketen („Globalsteuerung“) überwiegend negativ, weil es zwischen der Diagnose eines Wirtschaftseinbruchs sowie der Planung, Verabschiedung und Wirkung von Konjunkturprogrammen gewöhnlich zu erheblichen Zeitverzögerungen kommt und diese oft erst dann wirken, wenn sie nicht mehr gebraucht werden.

Dies ist die erste deutsche Ausgabe von Podzept, dem Deutsche Bank Research Podcast, der sich mit aktuellen Themen aus Wirtschaft und Finanzen beschäftigt. Hören Sie mit, wenn die Deutsche Bank Volkswirte und Analysten ihre Sicht der Dinge vorstellen: dbresearch.de/podzept