11. Juni 2019

Klimawandel fordert Finanzwirtschaft heraus

„momentum“-Gespräch in Berlin: Die Hausaufgaben für Wirtschaft und Politik sind zahlreich

„Die CO2-Emissionen steigen und steigen. Wir befinden uns nach wie vor in einer Kohle-Renaissance.“ Mit diesem eindeutigen Befund gab Ottmar Edenhofen, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, den inhaltlichen Impuls für das jüngste „momentum“-Gesprächsforum. Welche Rolle hat die Finanzwirtschaft beim Klimawandel? Darüber diskutierten kürzlich Vertreter aus Wissenschaft, Politik und Wirtschaft in der Hauptstadtrepräsentanz der Deutschen Bank in Berlin.

Maßnahmen zum Klimaschutz sind gefragt, darüber waren sich die Teilnehmer einig. „Die Finanzindustrie muss den Übergang in eine CO2-arme Wirtschaft nicht nur begleiten, sondern treiben“, sagte Karin Dohm, die für die Beziehungen der Bank zu Regierungen und Aufsichtsbehörden verantwortlich ist. Daran anknüpfend betonte Professor Edenhofer, die Finanzwirtschaft solle sich an der Debatte um den Preis für CO2-Emissionen beteiligen. „Eine Klimapolitik ohne CO2-Preis wäre wie eine Medizin ohne Penicillin“, machte der Wirtschaftsprofessor deutlich. Gelänge eine europäische Lösung, wäre das ein starkes Signal an China und die USA.

Die Umwelt in der GuV

Die BASF möchte ihr umweltrelevantes Handeln beziffern: „Wir haben uns unsere gesamte Wertschöpfungs- und Lieferantenkette angeschaut und streben eine Gewinn- und Verlustrechnung an, in der neben herkömmlichen Kennzahlen auch soziale und umweltbezogene Werte einfließen.“

Investoren wertschätzen solche neuen Ansätze, ebenso wie das Thema ESG insgesamt, also dass Berücksichtigen von Umwelt- und sozialen Faktoren sowie Aspekte guter Unternehmensführung. „Wir sehen in allen Kundenkreisen eine deutliche Nachfrage“, so DWS-Vorstandsvorsitzender Asoka Wöhrmann. „Das Thema wird sich wie ein Tsunami auf Assetmanager zubewegen. Wer darauf nicht eingestellt ist, wird den Trend verpassen", warnte er.

Auch die Deutsche Bundesbank erfasst diese Entwicklung: Als sogenannter Fiskalagent der deutschen Bundesländer wird sie mehr und mehr damit beauftragt, nachhaltige Vermögensanlagen vorzunehmen. Das berichtete Vorständin Sabine Mauderer. Auch Finanz-Staatssekretär Jörg Kukies bestätigte: „Das Thema ist in der Mitte der Kapitalmärkte gelandet.“ Allerdings: Bevor der Bund selbst „grüne“ Bundesanleihen begeben könnte, müssten die hohen Anforderungen der Bundeshaushaltsordnung erfüllt werden.

Was ist eine grüne Anleihe?

Zudem ist aktuell nicht einheitlich definiert, was eine „grüne Anleihe“ überhaupt ist. Solange jeder Anleger für sich bestimme, was „grün“ bedeute, habe es die Finanzindustrie schwerer, entsprechende Produkte zu entwickeln, meint Kukies. Daher müsse die EU-Kommission als eine ihrer vorrangigen Aufgaben dafür Leitplanken setzen und „eine sinnvolle Taxonomie entwickeln“. Angenommen, dies gelänge: Würde die Bundesbank dann nur noch „grün“ anlegen, so eine Publikumsfrage. Nein, da müsse man realistisch sein – das wäre derzeit noch gar nicht möglich, erklärte Mauderer. Umso wichtiger sei es, dass geeignete Produkte entwickelt würden. Außerdem gelte es, einem möglichen „Greenwashing“ wirksam vorzubeugen.