Der richtige Umgang mit Innovation im digitalen Zeitalter

Medienmanager und Erfolgsautor Christoph Keese sagt, was wir vom Silicon Valley lernen können. Keese ist studierter Betriebswirt, war Journalist (Financial Times Deutschland, Welt am Sonntag) und ist heute Vice President beim Axel Springer Verlag. 

Der richtige Umgang mit Innovation im digitalen Zeitalter

Unterwegs mit Christoph Keese

Roboter
iPad
Keese lachend
Pokemon
Spiegelung
Watch
Brille

Was wir tun müssen, um im digitalen Zeitalter den Anschluss zu finden und zu halten?

Christoph Keese setzt sich kritisch mit dem Standort Deutschland auseinander und zieht Vergleiche:

Seid neugierig…
Ich war ein Leben lang neugierig auf Technik. Deutschland ist ein Land mit einer sehr starken Technikkultur, ein Land der technischen Erfinder. Das ist ein Stück in Vergessenheit geraten. Die Gesellschaft beschäftigt sich mehr mit ihrer Rente als mit Aufbruch, sie ist älter geworden. Die Grundneugierde vermisse ich im gesellschaftlichen Klima, aber auch bei vielen Leuten, die ich kenne.

Bildet Ballungsräume…
Zum Mythos des Internets gehört, dass es irgendwie körperlos sei und kein
Zentrum habe und dass man an jedem Ort der Welt mitwirken könne an dem, was da stattfindet. Das stimmt aus der Konsumentensicht - aber nicht aus der Produzentensicht. Da ist die Weltkarte weiß mit ein paar ganz dicken Tintenflecken. Und diese Tintenflecke sind im Silicon Valley, in New York, in Tel Aviv, in Shanghai, Peking, aber fast gar nicht in Westeuropa. In Berlin gibt es knapp 2.000 Startups, 50% des in Deutschland ausgegebenen Wagniskapitals fließen dorthin. Wir sollten gar nicht den Versuch unternehmen, in Deutschland in jedem Bundesland oder in jeder Region ein eigenes Technologiecluster entstehen zu lassen. Das kann nicht funktionieren. Die USA haben selber nur zwei bis drei davon. Wenn wir versuchen, 16 zu bekommen, schön föderal ausgeglichen, dann werden wir am Ende kein einziges haben. Berlin hat den Punkt der kritischen Masse überschritten, und jetzt wird es einen Sogeffekt geben. 

Setzt auf Technologie, nicht nur auf E-Commerce…
In Tel Aviv und im Silicon Valley gibt es viel mehr Start-Ups, die eine bestimmte Technik an den Rand des Fortschritts treiben und darüber hinaus, die wirklich etwas ganz und gar technologisch Neues machen. Das kann nur funktionieren in enger Kooperation mit Universitäten, mit Max Planck, mit Fraunhofer. Da muss eine Vernetzung entstehen.

Ändert euch…
Wir dürfen stolz sein auf das Erreichte, wir haben bloß ein klitzekleines Problem:
Die Digitalisierung bestimmt die Wirtschaft des 21. Jahrhunderts. Es läuft also in Zukunft nicht mehr nur nach den Regeln, in denen wir erfolgreich waren, sondern vor allen Dingen nach den Regeln, die das Silicon Valley befördert haben. Wenn sich einer ändern muss, dann sind wir das.