Die Zukunft der Altersvorsorge

Die Lebenserwartung steigt, der Staat kürzt Leistungen. Doch gerade junge Menschen schieben das Thema Altersvorsorge vor sich her. Frank Breiting, Leiter private Altersvorsorge, DWS Investments, und Prof. Olaf Stotz von der Frankfurt School of Finance & Management erläutern Gründe und Alternativen für eine effektive Altersvorsorge.

Duie Zukunft der Altersvorsorge

Unterwegs mit den Experten

7 Ratschläge vom Profi

Frank Breiting, Leiter private Altersvorsorge, DWS Investments:

Früh informieren...
Bei mir geschah der Einstieg passiv schon als Kind. Mein Vater war ein begeisterter Aktieninvestor und hat gerne seine Charts gemalt auf Millimeterpapier mit einem Bleistift oder mit einem Kuli. Aktien gekauft habe ich aber relativ spät, nach dem Studium. Das war dann als Vermögenswirksame Leistung.

Die richtigen Fragen stellen...
Erste Entscheidung: Wie viel Geld kann und will ich im Monat zurücklegen? Zweite Entscheidung: Wie möchte ich dieses Geld investieren? Was ist der Anlagemix, der für mich passend ist? Das heißt, bin ich mehr jemand für deutsche Aktien, europäische Aktien, weltweite Aktien? Möchte ich mich selber kümmern? Oder bin ich jemand, der sich nicht mit dem Thema beschäftigen möchte?

Krisen ausblenden und einfach anfangen...
Was die Geldanlage oft verhindert: Es gibt immer irgendwo eine Krise. Man denkt: „Jetzt ist gerade der Skandal, jetzt haben wir gerade Ölkrise, jetzt ist gerade die Dotcomblase geplatzt.“ Man hat immer einen guten Anlass zu sagen: „Jetzt ist vielleicht gerade der falsche Zeitpunkt, um Aktien zu kaufen.“ Und das führt dazu, dass man nie damit anfängt. Die Logik ist genau andersrum. Man muss einfach erst mal anfangen und man wird feststellen, die Krise von heute ist morgen schon wieder vergessen.

Geduld, Geduld, Geduld...
Man muss den Prozess lange laufen lassen, auch wenn es an den Börsen mal turbulent ist, auch wenn es mal ein Jahr gibt, wo die Wirtschaft nicht gebrummt hat. Das muss man ignorieren. Weil Aktieninvestment nur so funktioniert. Es ist fast unmöglich, mit einer breit gestreuten Aktienanlage über 30, 40, 50 Jahre Geld zu verlieren. Die Historie hat gezeigt: Sie machen immer ein Plus.

Auf den Kopf hören...
Der Bauch sagt über Aktien: „Das ist riskant! Da solltest du nicht zu viel Geld reinstecken.“ Der Kopf sagt: „Das ist die einzige Chance, überhaupt noch einen Mehrwert zu generieren.“ Man muss dafür sorgen, dass der Kopf die Oberhand bekommt. Das ist ein Prozess, der ein Umdenken in der Bevölkerung erfordert, den wir als Fondsgesellschaft fördern müssen.

Keine Vorsorge ohne Aktien...
In der Altersvorsorge geht an der Aktie kein Weg mehr vorbei. Für meine Eltern war die Staatsanleihe die Basis für die Vermögensbildung. Doch wenn ich mein Vermögen heute genauso anlegen würde wie mein Vater damals, verliere ich jedes Jahr Geld durch den negativen Zins und durch die Inflation, die in den Köpfen meistens ausgeblendet wird. Ich muss den Großteil meines Geldes in Sachwerte packen, in Aktien, vielleicht auch in Immobilien, je nachdem, was für ein Anleger-Typ ich bin. Denn dort nimmt mein Geld noch an der Wirtschaft teil, dort wird Wert geschöpft.

Die 10-Prozent-Regel...
Man hat 40 bis 50 Jahre Zeit, um mit dem Thema Altersvorsorge umzugehen. Das ist bei normalem Gehalt genug, um sich einen Kapitalstock aufzubauen, wenn man halbwegs haushaltet mit seinem Geld. Eiserne Regel meines Vater: „10 Prozent des Einkommens kommt auf die Seite.“ Das habe ich seit dem ersten Gehalt befolgt, weil mir damals schon klar war, dass die staatliche Rente später nicht riesengroß sein wird.

 

5 Gedanken zur Altersvorsorge

Olaf Stotz ist Professor für Asset Management an der Frankfurt School of Finance & Management

Der Mensch denkt nicht an die Zukunft...
Es gibt ein ganz klassisches akademisches Experiment aus den 60er Jahren: Ein Kind erhält eine Süßigkeit, kann sich aber überlegen, ob sie es sofort isst oder eine halbe Stunde wartet. Denn dann würde es eine zweite Süßigkeit erhalten. Das Kind verspeist die Süßigkeit dennoch sofort. Der Anreiz ist bei der Altersvorsorge der gleiche. Man spart heute, um sich später mehr leisten zu können. Doch es ist beim Geld wie mit Süßigkeiten: Im Menschen steckt mehr Heute als Zukunft. Bei meinen Studenten ist das genauso. Altersvorsorge ist aktuell noch kein Thema.

Umdenken und Neue Medien nutzen...
Die aktuellen Produkte und Beratungsansätze gehen am Individuum vorbei. Das heißt: Hier sollte ein Umdenken stattfinden. Den Kunden da abholen, wo er sich gerade befindet. Und das heißt bei jungen Leuten: in neuen Medien, Apps, sonstigen Tech-Produkten präsent sein. Und diese Leute dort richtig ansprechen, trockene Zahlen smart interpretieren.

Altersvorsorge muss einfach sein...
Ein ansprechendes Finanz-Produkt zur Altersvorsorge sollte erst mal einfach sein. Sie müssen sich letztendlich nur zwei Fragen beantworten: Was für einen Lebensstandard will ich haben? Und Sie müssen sich überlegen: Wie viel sparen Sie im Monat und wie legen Sie ihr Erspartes an? Und die Aufgabe des Beraters ist es letztendlich, genau diese Komplexität so zu übersetzen, dass der Anleger genau die beiden Fragen beantworten kann.

Die wichtigsten Regeln für die Altersvorsorge...
Jeder Anleger sollte sich zu erst mal eine Übersicht verschaffen und Lücken finden. Dann braucht er wahrscheinlich Expertenrat. Vielleicht gibt es auch in Zukunft die eine oder andere App, wo man genau diese Information besser zur Verfügung gestellt bekommt. Um den Infodschungel zu durchdringen, muss man aber auch gewillt dazu sein.

Die Illusion der Sicherheit...
Viele Menschen geben sich einer Illusion hin. Man fühlt sich kollektiv sicher. Kommt vielleicht auch daher, dass es einem heute und jetzt sehr gut geht. Das gilt vor allem für die heutige junge Generation. Sie lebt viel stärker als frühere im Hier und Jetzt. Die jüngeren Menschen machen sich deutlich weniger Sorgen, was langfristige Entwicklungen betrifft. Ein Problembewusstsein für die Langfristigkeit zu entwickeln, darin liegt die größte Herausforderung für die Altersvorsorge.