Ein Turbo für Mobilität

Sind wir bald mit Geschwindigkeiten von weit mehr als 1000 km/h unterwegs? Schneller als mit dem Flugzeug, aber auf dem Landweg? Gabriele Semino und Catriona Bruce sind Projektmanager des WARR-Hyperloop-Teams der TU München; sie zeigen, wie nah dieses Ziel inzwischen ist. Robin Cresswell leitet den Bereich Infrastrukturfinanzierung der Deutschen Bank in den USA. Er erklärt, warum die Deutsche Bank daran glaubt – und investiert. Dass die Deutsche Bank große Infrastrukturprojekte wie die Berliner U-Bahn auch in der Vergangenheit finanziert hat, weiß Dr. Martin Müller, Leiter des Historischen Instituts.

A booster for mobility

Gabriele Semino über

... das Hyperloop-Projekt: Das Grundprinzip des Hyperloops ist ein Transportsystem, eine Kapsel, die in einer luftleeren Röhre etwa 30 Personen transportiert. Das Vakuum wird benutzt, weil dadurch der Luftwiderstand wegfällt. Und der Hauptvorteil dieses Systems ist die Geschwindigkeit. Mit diesem System ließen sich dann bis zu 1200 km/h erreichen, schneller als mit heutigen Flugzeugen.

... das Potenzial innovativer Mobilitätslösungen: Im vergangenen Jahrhundert gab es schon viele Ideen für Hochgeschwindigkeits-Systeme. Aber gerade jetzt ist ein guter Zeitpunkt, erneut daran zu arbeiten. Denn viele Technologien sind so weit entwickelt, dass sie reif für den Masseneinsatz sind und in großem Stil umgesetzt werden können.

... das WARR-Hyperloop-Team: Wir sind ein recht vielfältiges Team, bestehend aus mehr als 15 Nationalitäten. Unterschiedliche Herangehensweisen kommen zusammen – und das macht es so interessant und schafft völlig neue Lösungen.

... die Vorteile des Teams der TU München beim SpaceX-Wettbewerb: Im Gegensatz zu den US-Teams können wir sehr viel Zeit mit der Arbeit am Projekt verbringen. Die TU München erlaubt uns, das in Vollzeit als Teil des Studiums zu machen. Die US-Teams dagegen werden von ihren Unis nicht so unterstützt. Ihnen bleibt nur die Arbeit in der Freizeit. Und ein zweiter Vorteil ist die große Unterstützung von Partnern aus der Industrie.

Catriona Bruce über

... den SpaceX-Wettbewerb zum Hyperloop-Projekt: Es ist jetzt der dritte SpaceX-Wettbewerb. Und es ist ein bisschen so wie ein eigenes Rennauto zu bauen, mit dem Unterschied, dass man eines Tages darin reisen kann. Und es gibt keine Regeln!

... eine zweite Chance für die Transrapid-Idee: Wenn wir einen Blick zurück werfen in das vergangene Jahrhundert, da gab es verschiedene Ansätze für Magnet-Züge. Viele glaubten damals schon an eine Revolution im Verkehr. Doch die Rezession in den 1970er-Jahren hat alle Hoffnungen zerstört. Wir glauben, dass allein die schrittweise Verbesserung des Schienensystems nicht ewig reichen wird.

... über besten Chancen für innovative Infrastruktur: Viele fragen mich, ob ich glaube, dass der Hyperloop wirklich einmal Realität wird. Ich finde, dass wir auf der ganzen Welt so viele Länder haben, die echten technologischen Fortschritt machen können und die noch kein ausgebautes Bahnnetz haben. Für diese Länder wäre es sinnvoll, etwas Neues zu bauen, denn man will ja nicht eine Menge Geld in etwas investieren, das als veraltete Technologie gilt.

Robin Cresswell über

... die Entscheidung für das WARR-Hyperloop-Projekt: Wenn man in eine neue Technologie investiert, muss man auch die Zeit investieren, um sie wirklich zu verstehen. Das ist der Grund dafür, dass wir Sponsor für WARR Hyperloop sind, denn im Gespräch mit den Studenten lernen wir eine Menge. So bekommen wir einzigartige Einblicke, mit denen wir etwas besser verstehen. Und daraus ergibt sich ein geringeres Risiko.

... die Chancen, die ein Hyperloop bietet: Wenn ein Hyperloop gebaut wird, gilt das als Infrastrukturprojekt. Eines, durch das Reisen nicht nur bequemer wird, sondern auch viel umweltfreundlicher. Ob diese Technologie nun wirklich einmal gebaut wird oder nicht, weiß ich nicht, aber ich finde, es gibt viele gute Gründe dafür.

... die Effekte von Investitionen in Infrastrukturprojekte: Wir folgen Entwicklungen über eine sehr lange Zeit und müssen hartnäckig sein. Unsere Entscheidung, wie wir investieren, kann eine große Wirkung auf viele Millionen Menschen haben. Das ist eine riesige Verantwortung. Wir haben zum Beispiel mit dem WARR-Hyperloop-Projekt die einzigartige Chance, etwas wirklich Positives für die Gesellschaft zu tun – das ist großartig.

Martin Müller über

... die bleibende Funktion der Deutschen Bank: Seit ihrer Gründung im Jahr 1870 war die Rolle der Deutschen Bank die eines Vermittlers. Es ging immer darum, Kontakte herzustellen und Brücken zu bauen zwischen Erfindern und der Industrie auf der einen Seite und Kapitalgebern auf der anderen Seite. Technische Innovationen über den Kapitalmarkt zu finanzieren, Gesellschaften zu gründen, das ist eine zentrale Aufgabe.

... über das Beispiel der Berliner U-Bahn: Was heute zum größten Teil in Vergessenheit geraten ist, ist dass die Berliner U-Bahn zu weiten Teilen mit privatem Kapital finanziert wurde. Das hat die Deutsche Bank organisiert. Im historischen Institut der Deutschen Bank sind eine Reihe hervorragend erhaltener Akten zum Bau und Betrieb der Hoch- und Untergrundbahn der Stadt Berlin vorhanden, die heute noch einen detaillierten Einblick in die Finanzierungsfragen und die Bauangelegenheiten geben.

... über Infrastruktur der Zukunft: Die Deutsche Bank hat 1897 schon früh mit ihrer Expertise die Chancen eines U-Bahn-Baus erkannt. Durch die Gründung einer Gesellschaft und der Finanzierung über den Kapitalmarkt konnte in nur fünf Jahren die erste Linie auch gebaut werden. Das hat in der damaligen Millionenstadt das Leben der Menschen natürlich entscheidend verbessert.

Franziska Pontow über

... den Weg zum WARR-Hyperloop-Projekt: Wir als Bank wollen Wissen aufbauen und ein Netzwerk in Bereichen, die stark von Innovation und Technologie beeinflusst werden. So kamen wir mit dem Team von WARR Hyperloop zusammen. Ich schickte ihnen eine E-Mail, wir trafen uns hier an der TUM und Gabriele Semino erklärte, worum es geht und was der Hyperloop ist.