Künstliche Intelligenz für die Industrie

Künstliche Intelligenz ist eines der großen Themen unserer Zeit, geforscht und gearbeitet wird daran aber vor allem in Nordamerika. Einer der Pioniere in Europa ist Christian Thurau mit seinem Start-up Twenty Billion Neurons, das er mit drei Studienfreunden im Jahr 2015 in Berlin gegründet hat. Gemeinsam bringen sie Maschinen selbstständiges Lernen anhand riesiger Datensätze bei – „Deep Learning“ heißt das Prinzip und steckt bereits in Siri oder in selbstfahrenden Autos. Auch für die Industrie wird Künstliche Intelligenz unumgänglich.

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Unterwegs mit dem Gründer

Im Gespräch mit Christian Thurau, CEO von Twenty Billion Neurons

Unser Weg von der Wissenschaft in die Wirtschaft
Unsere vier Gründer haben alle in der Wissenschaft an Künstlicher Intelligenz geforscht, zwei hatten eine Professur, aber irgendwann kamen wir an den Punkt, dass wir gesagt haben: „Ok. Die Technologie ist jetzt soweit und es gibt einen riesigen Bedarf in der Wirtschaft und wir haben das notwendige Know-how – es ist also nur logisch, dass wir ein Unternehmen gründen und Künstliche Intelligenz marktfähig machen.“ Und so ist Twenty Billion Neurons entstanden.

Maschinen sollen die Welt so wahrnehmen wie Menschen
Eine der größten Herausforderungen im Bereich Künstliche Intelligenz ist es, Maschinen kognitive Wahrnehmung beizubringen, die wir Menschen während unserer Kindheit ausbilden. Wenn wir einer Maschine erklären wollen, wie zum Beispiel das Gesicht eines Hundes aussieht, dann können wir eine Regel aufstellen wie: Fell, zwei Augen und zwei Ohren. Das trifft dann aber noch auf viele andere Tiere zu. Wir brauchen also sehr viele Regeln, erst recht um komplexere Situationen zu erklären. Und da hat sich gezeigt, dass es besser funktioniert, wenn wir einer Maschine sehr viele Beispiele von einem Hund zeigen und sie selbst lernen lassen. Wir verwenden dafür bei Twenty Billion Neurons riesige Datensätze mit Videomaterial, um dieses Wissen über die Welt zu vermitteln, wodurch Maschinen auch komplexe Aufgaben bewältigen können.

Künstliche Intelligenz ist schon unter uns
Wir sehen heute bereits viele Anwendungen von Künstlicher Intelligenz in unserem Alltag. Einige Apps auf unseren Smartphones arbeiten damit – zum Beispiel Siri mit Spracherkennung oder die unterschiedlichen Dienste von Google. Auch in der Industrie sehen wir erste konkrete Anwendungen und dennoch sind wir im Bereich der industriellen Automatisierung noch ganz am Anfang, da wird sehr viel passieren in den nächsten fünf Jahren und Unternehmen werden ihre Produktivität drastisch erhöhen können durch den Einsatz Künstlicher Intelligenz. Die Befürchtung, dass Maschinen uns Menschen komplett ersetzen können, ist aus meiner Sicht aber Science-Fiction. Es wird zwar immer mehr Domänen geben, in denen Maschinen leistungsfähiger sind als Menschen, aber wir können all diese Dinge gleichzeitig tun und verfügen zudem über die soziale Kompetenz und einen intuitiven Zugang zu Kreativität.