21. Mai 2014

Palmöl: Gemeinsam Verantwortung übernehmen für den Erhalt des Regenwaldes

Für eine globale Bank ist die Minimierung von Umwelt- und Sozialrisiken eine komplexe Herausforderung. Die Deutsche Bank vermeidet Transaktionen und Kundenbeziehungen, bei denen negative Folgen für Mensch und Umwelt nicht vertretbar sind. Sind Beeinträchtigungen – gegenwärtig – unvermeidbar, ist unser Ziel, diese durch konkrete Verbesserungsmaßnahmen so weit wie möglich zu mindern. Ein Beispiel dafür, wie wir gemeinsam mit unseren Stakeholdern Rahmenbedingungen positiv im Sinne von Umwelt und Gesellschaft beeinflussen können, ist die Kontroverse um Palmöl und Monokulturen.

Zum Frühstück ein Brötchen mit Nuss-Nougat-Creme, danach Zähneputzen, Duschen und Haare waschen … Am Nachmittag gegen den kleinen Hunger einen Schokoriegel und zum Abend – weil es mal wieder schnell gehen muss – eine Tiefkühlpizza. Ein „ganz normaler Tag“ eigentlich, wie ihn viele Menschen erleben. Nicht nur millionenfach in Deutschland und Europa, sondern so oder so ähnlich auf der ganzen Welt. Was ebenfalls zu diesem Tag dazugehört, aber vielen Menschen heute noch nicht bewusst ist: In jedem der genannten Produkte steckt Palmöl. Lediglich etwa fünf Prozent der weltweiten Palmölproduktion werden für Treibstoffe verwendet. In Nahrungsmitteln ist es meist als pflanzliches Öl oder Pflanzenfett deklariert, in Kosmetika als Palmitate oder Sodium Laureth Sulfate. Künftig können die meisten Europäer dies leichter erkennen: Denn bis Ende 2014 müssen innerhalb der EU Lebensmittel so gekennzeichnet werden, dass die Art des verwendeten Öls für den Verbraucher ersichtlich wird.

Stichwort: Gesundheit

Das aus dem Fruchtfleisch der Palmfrüchte gewonnene Palmöl wird überwiegend in Nahrungsmitteln eingesetzt, etwa in Back- und Süßwaren oder in Margarine. In den Fett-Molekülen des Öls sind sowohl gesättigte Palmitinsäuren, als auch einfach ungesättigte Fettsäuren gebunden, was es gesundheitlich umstritten sein lässt. Die mit weitem Abstand wichtigsten Palmölproduzenten sind Indonesien und Malaysia.

Steigender Bedarf

Palmöl dient zur Deckung der weltweit laufend steigenden Nachfrage nach Ölen und Fetten – besonders, da die Ölpalme pro Hektar (verglichen etwa mit Soja oder Raps) wesentlich höhere Erträge liefert. Und dieser Bedarf wird auch in Zukunft stark wachsen, vor allem in den asiatischen Schwellenländern. Prognosen gehen davon aus, dass sich die globale Palmölproduktion im Vergleich zum Jahr 2000 bis zum Jahr 2030 verdoppeln und bis 2050 sogar verdreifachen wird.

Ökologische und soziale Herausforderungen

Wird Palmöl ohne verantwortungsvolle Prozesse erzeugt, kann dies ökologische und soziale Herausforderungen mit sich bringen: So werden für Palmölpantagen teilweise ganze Wälder abgeholzt, z.T. ohne die erforderlichen Genehmigungen. Diese Wälder sind jedoch wichtig für die Reduzierung von CO2 in der Atmosphäre. Ergänzend dazu werden für Plantagen Torflandschaften trocken gelegt, was zu einer zusätzlichen Freisetzung von CO2 führt. Werden die Flächen durch illegale Brandrodung gewonnen, führt das zu einer zusätzlichen Umweltbelastung.

Insgesamt führt diese Vorgehensweise zu der Zerstörung ganzer Lebensräume. Gefährdete Tier- und Pflanzenarten drohen durch die entstehenden Monokulturen auszusterben-. Nicht zuletzt kommt es immer wieder zu Konflikten mit der lokalen Bevölkerung durch illegale Landnahme sowie zu Menschenrechtsverletzungen auf den Plantagen selbst.

Stichwort: Menschenrechtsverletzungen

Über Selbstverpflichtungen wie den UN Global Compact bekennen wir uns zu den Menschenrechten. Menschenrechtsaspekte sind in unseren internen Richtlinien verankert, zum Beispiel als Teil des Prüfungsprozesses im Rahmen unseres Rahmenwerkes für den Umgang mit Umwelt- und Sozialrisiken (ES-Rahmenwerk). Darüber hinaus sind wir bestrebt, unsere Leitlinien zum Umgang mit Menschenrechtsthemen stetig zu verbessern, und nehmen zum Beispiel an den Diskussionen der Thun Gruppe teil.

Diese Aspekte werden in der Regel verdrängt von der ebenfalls zu berücksichtigenden Tatsache, dass der Boom der Palmölindustrie die wirtschaftliche Entwicklung der asiatischen Länder fördert, die sich auf diesem Wege internationale Märkte erschließen können.
Um uns über diese widerstreitenden Positionen und die spezifischen Herausforderungen des Palmölsektors aktuell informiert zu halten, tauschen wir uns regelmäßig mit internationalen Experten und Forschungseinrichtungen aus, die zum Teil auch über Erfahrungen vor Ort in Asien verfügen.

Wir halten es für erforderlich, dass mit allen genannten Ansprüchen verantwortungsvoll umgegangen werden muss. Darum haben wir bereits 2012 Richtlinien für Transaktionen im Palmölsektor eingeführt, um eine an Nachhaltigkeitskriterien orientierte Produktion zu fördern. Die Richtlinie spiegelt unseren Ansatz eines nachhaltigen Bankgeschäfts wider. Sie enthält unter anderem die Mindestanforderung, dass Kunden für ihre Plantage oder Fabrik einen Zertifizierungsplan nach den Kriterien des Roundtable on Sustainable Palm Oil (RSPO) vorweisen müssen.

Stichwort: Roundtable on Sustainable Palm Oil (RSPO)

Der Runde Tisch für nachhaltiges Palmöl wurde 2004 unter anderem vom WWF gegründet. Er fördert den Dialog zwischen Herstellern, Verarbeitern und Abnehmern von Palmöl, aber auch von Banken und Investoren. Ein gemeinsames Ziel ist die Entwicklung von Kriterien für nachhaltigen Anbau, denn in den Anbauländern sind viele westliche Standards keine Selbstverständlichkeit. Da viele der geforderten Kriterien allgemein als nicht weitgehend genug angesehen werden, steht die Deutsche Bank auch in regelmäßigem Kontakt mit dem Forum Nachhaltiges Palmöl (FONAP).

Zudem haben wir 2013 unser Rahmenwerk für den Umgang mit Umwelt- und Sozialrisiken erweitert und auch die Trainingsprogramme für alle Mitarbeiter weiterentwickelt. Mit diesem Rahmenwerk verpflichten wir uns, ökologische und soziale Faktoren in die Genehmigungsprozesse aller Transaktionen einzubeziehen, insbesondere bei Geschäften in sensiblen Sektoren. Das geschärfte Bewusstsein unserer Mitarbeiter für diese Risiken zeigt sich an der stetig steigenden Zahl von Transaktionen, bei denen das Expertenteam aus der Nachhaltigkeitsabteilung für eine Evaluierung der potentiellen Umwelt- und Sozialrisiken involviert war.

Offener Dialog mit Nichtregierungsorganisationen, Produzenten und anderen Banken

Die Deutsche Bank begrüßt einen konstruktiven Dialog über ihr unternehmerisches Verhalten. Deshalb haben wir z.B. auch ab November 2013 einen offenen Austausch mit Vertretern von Nichtregierungsorganisationen wie Friends of the Earth und Robin Wood geführt.

Auch mit Produzenten sind wir im Gespräch: Das Unternehmen Bumitama Agri Group steht als Produktionsunternehmen in der Kritik, besonders rücksichtslos vorzugehen. Entsprechend titelte ein großes deutsches Nachrichtenmagazin „Landraub für Margarine“. Der Autor des Artikels stellte darin unter anderem fest, dass die Deutsche Bank die Firmen Wilmar und Bumitama über ihre Fonds „unterstützt“.

Stichwort: ESG-Kriterien

Nachhaltigkeit im Kerngeschäft der Bank zu verankern, ist eng an die Beurteilung von ökologischen, sozialen und Governance-Faktoren (ESG) gekoppelt. Im Unternehmensbereich Deutsche Asset & Wealth Management ist daher ein neu gegründetes ESG-Headoffice sowohl für die Umsetzung der ESG-Strategie als auch für Koordination, Entwicklung und Stärkung der Kapazitäten in diesem Bereich verantwortlich.

Auch wenn wir bestehende Kundenbeziehungen in der Regel nicht kommentieren, haben wir dennoch deutlich gemacht, dass wir es für sinnvoll erachten, gemeinsam den Dialog mit Wilmar zu suchen, um zusammen nach Lösungswegen zu suchen.

Unabhängig davon hat das Unternehmen bereits im Dezember 2013 seine breit angelegte Initiative gegen Abholzung und Ausbeutung veröffentlicht, die auch eine Selbstverpflichtung auf eine nachhaltige Lieferkette enthält. Dabei verpflichtet sich Wilmar, bis Ende 2014 ausschließlich Palmöl mit nachvollziehbarer Herkunft zu verwenden. Lassen sich diese Ziele umsetzen, ist gleichzeitig ein wichtiger Schritt gegen Umweltzerstörung, Menschenrechtsverletzungen und gegen den Klimawandel getan: Denn Wilmar zählt gegenwärtig zu den weltweit größten Händlern von Palmöl. Sind hier Nachhaltigkeitskriterien erfüllt, deckt dies einen großen Teil des Marktes ab.

Zu Bumitama unterhält die Deutsche Bank tatsächlich keine direkte Kundenbeziehung. Das Engagement der Bank beschränkte sich auf zwei asiatische Fonds der DWS. Einer hat - zwischenzeitlich alle Anteile verkauft; bei dem zweiten Fonds sind wir vertraglich an die Anlageentscheidung unseres Kunden gebunden. Dennoch ist die Beteiligung mittlerweile nahezu komplett zurückgeführt. Daher ist die aktuelle Position der Deutschen Bank in finanzieller Hinsicht von derartig geringer Bedeutung, dass uns eine Einflussnahme auf Bumitama nicht möglich ist.
Unsere Bestrebungen für nachhaltiges Wirtschaften und die Beachtung der Bedenken von Nichtregierungsorganisationen sind für uns hingegen weiterhin von großer Wichtigkeit.

Lösungsansätze über den Roundtable for Sustainable Palmoil hinaus

Um über das reine Risikomanagement hinaus auch Einfluss auf die grundlegenden Herausforderungen des Palmölsektors zu nehmen, hat die Deutsche Bank gemeinsam mit anderen Banken und 50 großen Konsumgüterkonzernen den sogenannten Agrarrohstoffpakt geschlossen, der sich neben Palmöl auch auf Holz, Sojabohnen, Rindfleisch und Zellstoff/Papier erstreckt. Die Entwaldung für die Produktion dieser Rohstoffe ist in letzter Konsequenz für rund die Hälfte der globalen Treibhausgas-Emissionen verantwortlich – und so ist das Ziel der beteiligten Konzerne, die Netto-Entwaldung in ihren Lieferketten bis 2020 auf null zu reduzieren. Den beteiligten Banken schreibt der Pakt nicht nur Mindestanforderungen an die Kreditvergabepolitik vor, er fordert diese auch auf, in ihren Kundenbeziehungen auf nachhaltige Finanzierungslösungen hinzuwirken. Mehr zu einem innovativen Resultat – dem Sustainable Shipment Letter of Credit – lesen Sie hier. Den zentralen Gedanken bringt Dr. Sabine Miltner, Group Sustainability Officer, auf den Punkt: „Die Deutsche Bank will ihre finanzielle Expertise nutzen, um die Konsumgüterproduzenten bei ihrem Ziel zu unterstützen, die Entwaldung zu begrenzen und nachhaltige Produktionsweisen von Agrarrohstoffen wie Palmöl einzuführen.“

„Die Deutsche Bank will ihre fi­nan­ziel­le Ex­per­tise nutzen, um die Kon­sum­güter­produ­zenten bei ihrem Ziel zu unter­stützen, die Ent­waldung zu be­gren­zen und nach­haltige Pro­duk­tions­weisen von Agrar­roh­stof­fen wie Palmöl einzuführen.”

Sabine Miltner Nachhaltigkeitsbeauftragte der Deutschen Bank

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