Unser Rahmenwerk zu Risiken für Umwelt und Gesellschaft

Über unsere Werte verpflichten wir uns dazu, nicht nur das gesetzlich Erlaubte, sondern auch das Richtige zu tun. Deshalb berücksichtigen wir neben der Bewertung traditioneller Finanzrisiken, wie zum Beispiel Markt- und Kreditrisiken, auch solche Risiken, die negative Auswirkungen auf die Umwelt oder die Zivilgesellschaft mit sich bringen können.

In bestimmten Fällen sind unsere Entscheidungen eindeutig. So finanziert die Deutsche Bank beispielsweise weder Geschäfte in Zusammenhang mit Pornografie noch die Produktion oder den Handel mit speziellen Waffen wie Streumunition und deren Schlüsselkomponenten. Die Mehrzahl der Umwelt- und Sozialrisiken (ES-Risiken) erweist sich jedoch als weitaus komplexer. Als globale Bank sind wir Teil der Realwirtschaft und unterhalten Geschäftsbeziehungen in allen Wirtschaftssektoren. Der Ausschluss sämtlicher Umwelt- und Sozialrisiken ist daher in letzter Konsequenz nicht umsetzbar. Wir vermeiden jedoch Geschäfte, bei denen die negativen Folgen für die Umwelt oder die Gesellschaft nicht vertretbar sind. Sind Beeinträchtigungen unvermeidbar, sollten sie so weit wie möglich durch konkrete Verbesserungsmaßnahmen gemindert werden. Wir haben mehrere Instrumente eingeführt, die es uns ermöglichen, potenzielle ökologische und soziale Risiken aus Transaktionen und Kundenbeziehungen umfassend abzuwägen. Auf Basis der Ergebnisse legen wir die – unserer Überzeugung nach – bestmögliche Vorgehensweise fest.

Leitlinien für Umwelt- und Sozialrisiken verankern

Um unsere Geschäftseinheiten bei der Einschätzung von möglichen Umwelt- und Sozialrisiken zu unterstützen, haben wir das ES-Risikorahmenwerk eingeführt. 2013 ergänzten wir das Rahmenwerk um weiterführende Leitlinien zur Umwelt- und Sozialverträglichkeitsprüfung von bestimmten kritischen Sektoren. Sie helfen den Mitarbeitern in unseren Geschäftsbereichen bei der Einschätzung, ob eine Transaktion mit Umwelt- und Sozialrisiken verbunden ist, die inakzeptabel erscheinen oder aber gezielter Maßnahmen zur Minimierung der Auswirkungen bedürfen. Im Jahr 2013 stieg die Zahl der Transaktionen und Kundenbeziehungen, die im Rahmen unseres ES-Risikorahmenwerks geprüft wurden, um weitere 78 % gegenüber dem Vorjahr an – nach einer Versechsfachung im Jahr zuvor, dem ersten Jahr der Gültigkeit des Rahmenwerks. Die Entwicklung spiegelt das geschärfte Bewusstsein für diese Risiken in unserem Unternehmen wider.

Risikoreiche Sektoren identifizieren

Übersicht In unserem ES-Risikorahmenwerk definieren wir besonders sensitive Sektoren, die stark mit potenziellen ökologischen und sozialen Risiken verbunden sind. Für Transaktionen oder Kundenbeziehungen, die mit einem dieser Sektoren in Verbindung stehen, muss im Rahmen der Entscheidung entsprechend unseren allgemeinen Prüfungs- und Genehmigungsprozessen eine Einschätzung unseres Nachhaltigkeitsteams zu möglichen ökologischen und sozialen Risiken eingeholt werden. Als kritische Sektoren betrachten wir derzeit:

  • Zellstoff, Papier und Forstwirtschaft
  • Chemieindustrie
  • Raumfahrt und Verteidigung
  • Infrastruktur
  • Metallverarbeitung (z. B. Stahl), Bergbau (z. B. Kupfer, Kohle)
  • Öl und Gas
  • den Versorgungsbereich
  • andere CO2-intensive Bereiche

Wir beobachten kontinuierlich die Entwicklung von Märkten, Regionen und Industriesektoren, um sich abzeichnende Problembereiche frühzeitig zu erkennen. Wir recherchieren Themen, von denen unserer Meinung nach erhebliche ES-Risiken ausgehen können. Leitlinien, die sich auf diese Themen beziehen, richten wir dann entsprechend aus. Im Jahr 2013 verfolgten wir die kontrovers geführte Diskussion um die Anwendung von Fracking zur Gewinnung von Schiefergas. Als Ergebnis haben wir einen erweiterten Due-Diligence-Prozess für Transaktionen in diesem Bereich eingeführt. Bei der Entwicklung unserer Leitlinien und Positionen berücksichtigen wir international anerkannte Standards. Dazu gehören etwa die IFC-Performance-Standards der Weltbank sowie die Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte der Vereinten Nationen. Bei Entscheidungen zu bestimmten Themen, wie zum Beispiel Atomkraft, Palmölproduktion oder Schiefergasgewinnung, beachten wir darüber hinaus Branchenstandards und beispielhaftes Vorgehen anderer Unternehmen. Sofern noch keine geeigneten Standards bestehen, nutzen wir die Expertise von internen und anerkannten externen Beratern.

Wie wir im Risikomanagement Umweltrisiken und Sozialrisiken einstufen

Unser Rahmenwerk zu Umweltrisiken und Sozialrisiken ordnet Transaktionsrisiken in die Kategorien hoch, mittel oder gering ein:

  • Transaktionen mit hohem Risiko sind Transaktionen, die zu beträchtlichen negativen Auswirkungen auf Gesellschaft und Umwelt führen können. Dabei sind die Folgen breit gestreut, unumkehrbar oder bisher unbekannt und daher nicht einschätzbar.
  • Transaktionen mit mittlerem Risiko können sich negativ auf Umwelt und Gesellschaft auswirken. Das Ausmaß der Auswirkungen kann jedoch als angemessen für eine Transaktion des betreffenden Umfangs betrachtet werden. Die Wirkungen können schwerwiegend sein, aber ihre Zahl ist gering. Zudem sind sie in der Regel standortspezifisch und können unschwer abgefangen werden.
  • Transaktionen mit geringen Umweltrisiken und Sozialrisiken haben keine, minimale oder nur begrenzte Auswirkungen auf Umwelt und Gesellschaft. Diese geringen Auswirkungen können mithilfe international üblicher Praktiken abgefangen werden.

Bei der Einstufung nach diesem Schema orientieren wir uns im Risikomanagement an einer Checkliste für mögliche Umweltrisiken und Sozialrisiken. Sie setzt sich mit Aspekten auseinander wie:

  • Wie ist die Ausgangssituation in Bezug auf Umwelt und Gesellschaft zu beurteilen?
  • Gibt es Alternativen, die unter Umwelt- und gesellschaftlich-sozialen Gesichtspunkten vorzuziehen wären?
  • Inwieweit wären potenziell Gesundheit, Sicherheit und Menschenrechte der lokalen Bevölkerung betroffen?
  • Welche Folgen für die Bewahrung der Biodiversität, einschließlich gefährdeter Arten und Ökosysteme, wären zu erwarten?
  • Mit welchen sozio-ökonomischen Auswirkungen wäre zu rechnen?
  • Wie wären mögliche Bodenverschmutzungen zu verhindern und Abfälle zu minimieren?
  • Wie ließe sich eine mögliche Verschmutzung von Wasser und Luft verhindern oder kontrollieren?
  • Inwieweit wäre eine effiziente Produktion, Lieferung und Nutzung von Energie gewährleistet?

Wie wir Interessengruppen einbinden

Wir tauschen uns regelmäßig mit zivilgesellschaftlichen Organisationen, Experten aus Industrie und Wissenschaft, Forschungseinrichtungen, unseren Kunden sowie mit anderen Finanzinstituten zu gesellschaftsrelevanten Themen aus. Der Dialog hilft uns, potenzielle Umwelt- und Sozialrisiken besser zu verstehen und unsere internen Prozesse entsprechend anzupassen. Im Rahmen eines breit angelegten Stakeholderdialogs beteiligen wir uns an verschiedenen Initiativen, um Standards und freiwillige Selbstverpflichtungen zu erarbeiten oder zu verbessern, und suchen gemeinsam nach Wegen, sie innerhalb des Finanzsektors umzusetzen. Der Austausch fördert unser Verständnis für unterschiedliche Perspektiven sowie die Relevanz und Komplexität der diskutierten Themen. Gleichzeitig können wir Kritikern unsere Standpunkte deutlich machen und die unserem Geschäft innewohnenden Grenzen darlegen.

Fallbeispiele für erfolgreiches Risikomanagement

Unsere Geschäftsentscheidungen basieren auf umfangreichen Prüfungen und genauer Abwägung. Die hier folgenden Fallbeispiele verdeutlichen diesen Prozess und die hinter der schließlich getroffenen Entscheidung stehenden Überlegungen.

Finanzierung eines Wasserkraftwerks

Fallbeispiel für die Finanzierung eines Wasserkraftwerkes

Zahlungsverkehr für den Bau eines Kernkraftwerks

Fallbeispiel für den Bau eines Kernkraftwerkes

Finanzierung eines Kohlekraftwerks

Fallbeispiel für die Finanzierung eines Kohlekraftwerkes

Download

ES-Risikorahmenwerk

Geprüfte Transaktionen pro Sektor, in %


Kontakt

Haben Sie Fragen zur Kontrolle von Umwelt- und Sozialrisiken? Senden Sie Ihre E-Mail bitte an:

mailbox.sustainability@db.com

Downloads

Unternehmerische Verantwortung Bericht 2014
PDF, 5,8 MB

Sustainability at Deutsche Bank – Information für Investoren (auf Englisch)
PDF, 1,6 MB

Weiterführende Links

Die weitere Identifizierung, Aggregierung, Steuerung und Reduzierung von Risiken liegt in der Verantwortung des Bereichs „Group Risk” der Deutschen Bank.

Deutsche Bank Risk

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