Dialog mit unseren Kritikern über Agrarterminmärkte und Nahrungsmittelversorgung

Die Wirkung von Terminmarktprodukten auf die Preise von Agrarrohstoffen und damit die Versorgungsmöglichkeiten von insbesondere armen Menschen mit Nahrungsmitteln wird seit einigen Jahren intensiv und kontrovers diskutiert. Vor diesem Hintergrund lud der Co-Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank Jürgen Fitschen gut 40 Vertreter von Kirchen, Nichtregierungsorganisationen, Politik, Wirtschaft und Wissenschaft zu einem offenen, aber nicht öffentlichen ganztägigen Dialog am 16. April 2014 nach Frankfurt am Main ein. Unter Leitung eines neutralen Moderators wurden zahlreiche Gemeinsamkeiten herausgearbeitet, aber auch bestehende Unterschiede offengelegt. In drei parallel arbeitenden Arbeitsgruppen wurden außerdem einzelne Fokusthemen weiter vertieft.

Konsens bestand darin, dass die Hungerproblematik auf der Erde viele fundamentale Ursachen hat, zu denen beispielsweise die wachsende Weltbevölkerung, geringe Produktivität der Landwirtschaft in zahlreichen Ländern, unzureichende Infrastruktur von Transport und Lagerung von Lebensmitteln, zunehmende Extremwetterlagen (Dürren, Überschwemmungen) und geopolitische Krisen zählen. Unstrittig war auch, dass die Terminmärkte für Agrarrohstoffe grundsätzlich eine wichtige Versicherungsfunktion für die Erzeuger und Abnehmer von Agrarrohstoffen wahrnehmen, die es beizubehalten gilt. Schließlich war man sich „einig über die Uneinigkeit“ bei der Beurteilung von Finanzinvestitionen in Agrarterminmärkten für den Hunger von Menschen. Ein wichtiges Problem ist dabei auch, dass die Qualität der Marktdaten als unzureichend bewertet wird.

Differenzen und gemeinsame Perspektiven

Ein deutlicher Dissens ergab sich bei der Grenzziehung einerseits zwischen nützlicher Absicherung einzelner Marktteilnehmer und andererseits vermeintlich unnützer oder exzessiver Spekulation, die von einigen für kurzfristige Preisspitzen verantwortlich gemacht wurde. Hier wurde zwischen spekulativer Lagerhaltung, die kurzfristig (gegeben die Verderblichkeit der Ware) Auswirkungen auf Preise haben würde, und Finanzspekulation auf den Terminmärkten differenziert, deren Wirkung auf die Kassamärkte von zahlreichen Studien untersucht wurde – mit diametral unterschiedlichen Ergebnissen. Kritiker der Öffnung von Agrarrohstoffterminmärkten für Kapitalanleger forderten, dass bei unklarer Beweislage das „Vorsorgeprinzip“ greifen müsse, wonach der leiseste Verdacht einer schädlichen Wirkung die sofortige Einstellung dieser Investmentprodukte nahelege. Offen blieb dabei, inwieweit ein solcher Schritt andere negative Folgen auslösen und insbesondere die Versicherungsfunktion für die Marktteilnehmer beschädigen könnte.

Der Blick nach vorn brachte viel Übereinstimmung dabei, dass eine höhere Markttransparenz wünschenswert sei, es hilfreich wäre, bei stärkeren Preisausschlägen zeitnah deren Ursachen zu ermitteln, und auch mehr Investitionsgelder in die Erzeugung von Agrarrohstoffen in Entwicklungsländern fließen sollten, so wie es die Deutsche Bank gemeinsam mit BMZ und KfW beispielsweise beim Africa Agriculture and Trade Investment Fund getan hat. Aber nachhaltiges Investieren in den Agrarsektor bleibt noch immer eine Seltenheit. Insofern könnte das Anlegen in Agrarindexprodukte für institutionelle Investoren den Einstieg in den Sektor bedeuten und den Weg für weitere Investitionen in realwirtschaftliche Anlagen ebnen. Zielgerichtete Investitionen sind notwendig vor allem für Wasser, Wege, Lagerung sowie Produktivität in Europa und Afrika. Es wäre auch wünschenswert, mehr darüber nachzudenken, wie das Vorsorgeprinzip adäquat von Finanzdienstleistern angewandt werden soll, einschließlich der Frage, ob es „bessere“ Anlageprodukte als die bestehenden geben könnte. In diesem Zusammenhang ist erwähnenswert, dass die Deutsche Bank Anlagestrategien für Agrarderivate bereits ausgeschlossen hat, die bestimmte Preistrends potentiell verstärken könnten („Momentum-Strategie“), obwohl eindeutige Belege für eine solche Wirkung fehlen.

Die Veranstaltung trug dazu bei, die gegenseitigen Positionen besser zu verstehen und konkrete Fragestellungen zu identifizieren, deren Vertiefung lohnend erscheint.

Dialog with our critics about agricultural futures markets and food supply

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Downloads

Rahmenwerk für den Umgang mit Umwelt- und Sozialrisiken (PDF)

Unternehmerische Verantwortung Bericht 2016 (PDF)

Sustainability at Deutsche Bank – Information für Investoren (PDF, auf Englisch)

Weitere Informationen

Personalbericht 2016 (Online / PDF)


Unternehmerische Verantwortung Bericht 2016 (Online / PDF)

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