26. April 2018

Eine Nachricht von Christian Sewing zum Ergebnis des ersten Quartals und zur Strategie der Bank

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

vor etwas mehr als zwei Wochen habe ich versprochen, Ihnen möglichst bald mehr über unsere Pläne zu sagen. Heute veröffentlichen wir nun die ersten Eckpunkte, zusammen mit den Ergebnissen für das erste Quartal.

Dabei macht schon ein kurzer Blick auf die Zahlen deutlich: Wir müssen handeln – und das schnell. Da ist zuallererst die Kostenentwicklung: Wir konnten die Ausgaben lediglich auf dem Niveau des Vorjahres halten, das reicht nicht. Die bereinigten Kosten dürfen in diesem Jahr 23 Milliarden Euro nicht übersteigen – das ist nicht verhandelbar. Deshalb legen wir nun nach. Eine Entwicklung wie im vierten Quartal vergangenen Jahres, als die Kosten nach oben schnellten, darf es in diesem Jahr nicht noch einmal geben.

Unter Druck sind zudem die Ergebnisse in unserem größten Geschäftsbereich, der Unternehmens- und Investmentbank. Zwar gibt es hier Sondereffekte, allen voran die Wechselkursentwicklung. Aber es ist unübersehbar, dass das Umfeld hier sehr herausfordernd ist.

Deshalb unterziehen wir derzeit unsere Ertrags-, Kosten- und Kapitalstruktur einer intensiven Analyse. Was ich Ihnen nun vorstelle, ist kein abschließendes Maßnahmenpaket, dafür ist es noch zu früh. Aber es zeigt Ihnen deutlich die Richtung, in die wir gehen wollen.

Hier nun die konkreten Maßnahmen, die der Vorstand beschlossen hat:

1. Wir streben eine bessere Balance unserer Geschäftsfelder und stabilere Ergebnisse an. Dazu wollen wir das Geschäft der Privat- und Firmenkundenbank und der DWS ausbauen – zusammen wollen wir hier bis 2021 nachhaltig rund die Hälfte der Konzernerträge erwirtschaften. Einschließlich der Transaktionsbank sollen die stabileren Geschäftsfelder dann einen Ertragsanteil von etwa 65 Prozent erreichen.

2. Die Privat- und Firmenkundenbank und unser Vermögensverwalter DWS setzen die bereits bekanntgegebenen Strategien konsequent um. Die DWS ist nach dem Börsengang gut gerüstet für mehr Wachstum. Unsere Ziele sind hier klar definiert. Auch in der Privat- und Firmenkundenbank sind wir zufrieden mit dem Fortschritt. In Deutschland werden wir unsere mehr als 20 Millionen Privatkunden schon bald aus einer gemeinsamen Rechtseinheit betreuen. Inzwischen hat die Europäische Zentralbank auch den sogenannten „Waiver“ bewilligt, durch den wir die Liquidität aller Geschäftsbereiche besser über den gesamten Konzern hinweg steuern können. Das ist ein Vertrauensbeweis für uns und ein wichtiger Meilenstein für die Fusion.

International setzen wir nach dem Rückzug aus Polen und Portugal nun auf wachsende Märkte wie Italien und Spanien. Und auch im Geschäft mit vermögenden Kunden wollen wir unsere Position ausbauen, in Deutschland und international. Dieser Markt wächst schnell, und wir haben gute Voraussetzungen, daran zu partizipieren. Hier wollen wir investieren.

3. Wir werden unsere Unternehmens- und Investmentbank den geänderten Marktverhältnissen anpassen und unseren Stärken entsprechend ausrichten. Bevor wir in die Details gehen: Das Geschäft mit internationalen Unternehmen und Investoren ist und bleibt Kernbestandteil der Deutschen Bank und wird es bleiben. Dazu gehören insbesondere unsere Transaktionsbank, Treasury-Lösungen, das Zins- und Währungsgeschäft sowie strukturierte Finanzierungen. Generell gilt: Wir konzentrieren uns auf Unternehmen und auf institutionelle Investoren, die in die Realwirtschaft investieren.

Damit wird aber auch deutlich: Unsere Ressourcen – Mitarbeiter, Investitionen und Kapital – setzen wir bisher nicht gezielt genug für unsere Stärken ein. Das werden wir nun ändern, indem wir bestimmte Geschäfte zurückfahren, in denen wir nicht nachhaltig wettbewerbsfähig sind. Der Vorstand hat deswegen folgende Schritte beschlossen:

— Im Beratungs- und Finanzierungsgeschäft (Corporate Finance) konzentriert sich die Deutsche Bank künftig auf die Branchen und Segmente mit Bezug zu ihren europäischen Kunden sowie auf globale Emissions- und Finanzierungsgeschäfte, in denen sie zu den Marktführern gehört. In den USA und in Asien ziehen wir uns in Corporate Finance aus den Sektoren zurück, die nicht grenzüberschreitend aktiv sind.
— Unser US-Zinsgeschäft werden wir deutlich verkleinern. In das europäische Zinsgeschäft investieren wir hingegen, hier liegt nachweislich eine unserer großen Stärken.
— Das weltweite Aktiengeschäft werden wir genau prüfen. Auch werden wir das Geschäft in bestimmten Bereichen voraussichtlich zurückfahren. Unter anderem werden wir uns im Geschäft mit Hedgefonds auf die wichtigsten Kunden konzentrieren. Über die künftige Gesamtaufstellung in unserem Aktiengeschäft werden wir Sie zeitnah informieren.

Diese Maßnahmen werden mit einem entsprechenden Kostenabbau einhergehen. Diese Einschnitte sind schmerzlich, aber leider unvermeidbar, wenn wir im Sinne unserer Bank, unserer Kunden und unserer Investoren langfristig profitabel sein wollen.

4. Wir wollen die Kosten weiter senken und eine konsequente Kostenkultur leben. Wir haben Fortschritte gemacht, aber im Verhältnis zu unseren Erträgen sind die Ausgaben entschieden zu hoch – immer noch. Um das zu ändern, haben wir uns drei konkrete Schritte vorgenommen:

— Wir beginnen in den Führungsetagen:
- Der Vorstand ist bereits kleiner geworden. Die Geschäftsbereiche bekommen mehr Verantwortung, damit wir schneller entscheiden und einmal entschiedene Maßnahmen auch umsetzen.
- Wir werden uns auch auf der Ebene der Führungskräfte unter dem Vorstand verschlanken. Weniger Hierarchie, mehr Teamarbeit – das ist die Devise.

— Hinzu kommen weitere kurzfristige Maßnahmen, hier einige davon:
- Wir werden Arbeitsplätze abbauen müssen. Das resultiert insbesondere aus dem Umbau unserer Unternehmens- und Investmentbank und den angeschlossenen Infrastrukturfunktionen.
- Wir werden unsere Ausgaben für externe Dienstleister auf den Prüfstand stellen und unsere Gebäudekosten deutlich reduzieren.
- Wir werden unsere Investitionen prüfen und laufende Projekte stoppen, wenn sie unseren Standards oder Erwartungen nicht gerecht werden.

— Wir haben ein strategisches Kostenprogramm gestartet, das James von Moltke verantwortet und das vom gesamten Vorstand unterstützt wird. Ziel ist es, unsere Kostenkultur zu verbessern, Kostentreiber frühzeitig zu erkennen und Doppelarbeiten zu eliminieren. Dieses Programm wird Ihnen James schon bald genauer vorstellen.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich weiß, dass Sie alle in den vergangenen Jahren sehr hart gearbeitet haben, und wir im Vorstand sind Ihnen dankbar dafür. Aber angesichts unserer Ergebnisse und unseres Aktienkurses ist es unerlässlich, dass wir harte Entscheidungen treffen und diese diszipliniert umsetzen. Allzu oft haben wir in der Vergangenheit unsere selbst gesteckten Ziele nicht mit ausreichendem Nachdruck verfolgt. Diese verlorene Glaubwürdigkeit müssen wir zurückgewinnen.

Die Deutsche Bank verfügt über alle Grundlagen, um wieder erfolgreich zu sein: hervorragende Mitarbeiter weltweit, intensive und langjährige Kundenbeziehungen und die nötige Finanzstärke. All das gibt uns die Flexibilität, um den Kern unserer Bank neu zu definieren und langfristig erfolgreich zu sein.

Herzliche Grüße

Ihr Christian Sewing