Deutsche Bank – Verantwortung
März 2012

Agrarrohstoffe – Was treibt Agrarpreise?

Nach einem drastischen Anstieg im Juni/Juli waren die Preise für Mais, Weizen und Sojabohnen in den letzten Wochen allerdings wieder leicht rückläufig. Der Preisindex für Getreide der FAO (Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen) stieg im Juli um 17 Prozent auf 260 Punkte; dies lag nur knapp unter dem Rekordstand von 274 Punkten vom Frühjahr 2008 (die Preisspitze im April 2011 betrug 265 Punkte). Der Nahrungsmittelpreisindex insgesamt kletterte im Juli um 6 Prozent auf 213 Punkte, was allerdings noch weit von der Preisspitze vom Februar 2011 (238 Punkte) entfernt ist.

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Mit Besorgnis verfolgt auch die Deutsche Bank, dass immer wieder Menschen unter Nahrungsmittelknappheit leiden müssen. Daher setzen wir uns in einer Arbeitsgruppe seit einiger Zeit intensiv mit den Ursachen und Auswirkungen stark schwankender und vor allem steigender Preise für Agrarrohstoffe auseinander. Die Meinungen der Wissenschaftler und Experten gehen bei dem Thema weit auseinander.

Während die Arbeitsgruppe ihre Analyse fortsetzt, wird die Bank in diesem Bereich besonders sorgsam agieren. In diesem Jahr werden wir keine neuen börsengehandelten Anlageprodukte auf der Basis von Grundnahrungsmitteln auflegen.

Unsere Analyse zeigt, dass die steigenden Preise für landwirtschaftliche Rohstoffe vor allem Folge einer steigenden Nachfrage ist, mit der das Angebot nicht Schritt halten kann. Ursachen für die steigende Nachfrage sind das  globale Bevölkerungswachstum, steigende Einkommen und sich verändernde Ernährungsgewohnheiten in  Entwicklungs- und Schwellenländern sowie die Produktion von Biotreibstoffen. Zugleich schränken Wasserknappheit, Wetterextreme, Klimaveränderungen, mangelnde Infrastruktur, ungerechte Landverteilung und andere Faktoren  das Angebot von landwirtschaftlichen Produkten ein. Internationale Handelsbeschränkungen und Subventionen auf nationaler Ebene verschärfen die Situation zusätzlich.

Dieser Problematik muss sich die gesamte Weltgemeinschaft stellen. Der auf dem G-20 Gipfel in Cannes verabschiedete Aktionsplan für den Agrarsektor ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.

Einige wissenschaftliche Studien messen auch der Spekulation an den Rohstoffterminbörsen einen beachtlichen Einfluss auf die Preise für Agrarrohstoffe bei.  Die meisten wissenschaftlichen und von Experten bestätigten Publikationen kommen jedoch zu dem Schluss, dass das Verhältnis von  Angebot und Nachfrage als wesentlicher Treiber für die Entwicklung der Rohstoffpreise anzusehen ist. Um den tatsächlichen Einfluss spekulativer Aktivitäten auf die Nahrungsmittelversorgung zuverlässig bewerten zu können, sind weitere Analysen nötig. Daran wird sich die Deutsche Bank, auch mit ihrem eigenen Forschungsteam, beteiligen.

Darüber, dass die Derivatemärkte – durch Futures, Optionen, Swaps und andere Finanzinstrumente - die Absicherung von Preisen ermöglichen, besteht weithin Übereinstimmung. Zudem erhöhen diese Instrumente grundsätzlich auch die Liquidität an den Märkten  (indem sie Verkäufer und Käufer zusammenführen) und reduzieren dadurch Preisschwankungen. Außerdem geben sie wichtige Preissignale für die Anpassung des Angebots. Sie schaffen so notwendige Sicherheit für längerfristige Investitionen in Infrastruktur und Anbautechnologie.

Gleichwohl teilt die Deutsche Bank die Ansicht der G20-Staaten, dass die Märkte für Agrarrohstoffderivate transparenter gestaltet und die Kontrollmechanismen verstärkt werden sollten, um Fehlverhalten zu verhindern. In Europa und den USA werden in diesem Zusammenhang  einschneidende regulatorische Veränderungen diskutiert. Einige Maßnahmen wurden bereits auch beschlossen.

Zu den Reformen zählen verschärfte Vorschriften für den Handel, um Manipulation zu verhindern, zusätzliche Anforderungen an die Berichterstattung der Akteure, um die Transparenz zu erhöhen, Höchstgrenzen für Positionen oder ähnliche Instrumente sowie neue Handels- und Abrechnungsregeln für OTC-Derivate.

 
Die Deutsche Bank unterstützt die Bemühungen, für alle wichtigen Terminbörsen und -märkte angemessene regulatorische Vorgaben einzuführen. Wir halten dies für eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass die Terminmärkte für Agrarrohstoffe als Instrumente zur Preisfindung und Absicherung gegen Preisschwankungen gut funktionieren und so einen wichtigen Beitrag zur allgemeinen Wohlfahrt leisten können.