Deutsche Bank – Verantwortung

Energieeffizienz und die deutsche Energiewende

Ein so ehrgeiziger energiepolitischer Schritt wie die deutsche Energiewende bringt große Herausforderungen mit sich.

Erstens verlangt ein schneller Atomausstieg umfassende Investitionen in erneuerbare Energien und den Aufbau einer Verteilungs- und Speicherungsinfrastruktur. Zweitens wird es ohne eine Steigerung der Energieeffizienz keine erfolgreiche Energiewende geben. An diesen beiden Punkten ergeben sich für die Deutsche Bank neue Geschäftschancen, zu deren Nutzung wir gut aufgestellt sind.

Die Mitglieder des Climate Change Advisory Board der Deutschen Bank kamen bei ihrer Tagung im Mai 2012 zu dem Schluss, dass die Massenfinanzierung energieeffizienter Gebäudesanierungen für Finanzinstitute wie die Deutsche Bank erhebliche Geschäftschancen bereithält.

Energieeffizienz – Deutschlands bisherige Schritte reichen nicht aus

Die Bundesregierung will die jährliche Gebäudesanierungsrate von 1 auf 2 Prozent  verdoppeln. Allerdings wurde bislang nur ein geringer Prozentsatz von Wohnhäusern wirklich umfassend saniert, und Mehrfamilienhäuser sowie Gewerbegebäude finden in den derzeitigen Programmen keine Berücksichtigung. Die beiden wichtigsten politischen Energieeffizienzstrategien in Deutschland sind niedrig bezinste Kredite mit Steueranreizen sowie Zuschüsse, mit deren Hilfe die Gebäudesanierung für Privatpersonen und Unternehmen besser realisierbar wird. Im Kundengeschäft arbeitet die Deutsche Bank mit der staatseigenen KfW zusammen. So können die niedrig bezinsten Energieeffizienzkredite der KfW von der Deutschen Bank an Privathaushalte und Unternehmen vermittelt werden. Bei der Vergabe günstiger Hypotheken nimmt Deutschland eine führende Rolle ein.

Ein neu eingebrachtes Gesetz, das höhere Steueranreize für die Sanierung von Wohnhäusern vorsieht, ist zwischen Bundestag und Bundesrat in eine Sackgasse geraten, da hohe Kosten befürchtet werden. Damit ist dies der einzige Gesetzesentwurf im Zusammenhang mit dem von der Bundesregierung angekündigten Atomausstieg, der nicht verabschiedet wurde. Analysen der Deutsche Bank Climate Change Advisors (DBCCA) kommen zu dem Schluss, dass mit Niedrigzinskrediten und Steueranreizen noch nicht alle wesentlichen Hindernisse für Investitionen in Energieeffizienz aus dem Weg geräumt sind. Kredite bedeuten für Eigentümer, dass sie Schulden aufnehmen müssen, die in der gegenwärtigen wirtschaftlichen Lage oftmals nicht gemacht werden können.

Die Forschung ergibt zudem, dass Märkte wie beispielsweise Deutschland, die Niedrigzins- oder zinsfreie Finanzierungen von Energieeffizienz anbieten, keine signifikant höheren Gebäudesanierungsraten aufweisen. Deutschland ist im europäischen Vergleich zudem der größte und am weitesten entwickelte Markt für Energiedienstleistungsunternehmen. Der Markt hat ein Volumen von 1,7 - 2,4 Milliarden Euro; an ihm übernehmen Energiedienstleister wie z.B. Siemens gewisse finanzielle Risiken bei der Erbringung von Energiedienstleistungen und/oder sonstigen Energieeffizienzsteigerungen im Gegenzug für Zahlungen, die ganz oder teilweise darauf basieren, dass bestimmte Effizienzsteigerungen oder andere Performancekriterien erreicht werden. Trotz der Reife des Markts zeigte eine Umfrage unter Energiedienstleistern, dass immer noch beträchtliche Wachstumsbarrieren für dieses Geschäftsmodell bestehen.

Energy efficiency

Neue Finanzierungsmodelle und die Kompetenz der Deutschen Bank können Deutschland und anderen Länder helfen, ihren Energieverbrauch zu senken

Neue Finanzierungsmodelle könnten dabei helfen, aus der politischen Sackgasse herauszufinden, in die die Finanzierung von Energieeffizienz in Deutschland (und weiteren Ländern) geraten ist. So könnten umfangreichere Investitionen angeregt und Befürchtungen dahingehend begegnet werden, inwieweit öffentliche Ressourcen ausreichend sind, um Zuschüsse und Niedrigzinskredite zu vergeben. Zu diesen neuen Modellen gehört On-Bill-Financing, bei dem die Nebenkostenzahlungen Investoren zusätzliche Sicherheit bieten (wie bei dem ‚Green Deal’ in Großbritannien, der im Oktober in Kraft treten wird), an Eigentum gebundene Finanzierungen (in den USA unter dem Begriff PACE geläufig), und das „Energy Services Agreement“-Modell.

Die Analysen der DBCCA kommen zu dem Ergebnis, dass das Energy Service Agreement, auch bekannt als „energy efficiency power purchase agreement“, die beste Möglichkeit darstellt, die Nachfrage rasch zu bedienen und den Bedürfnissen von Hauseigentümern und Kapitalgebern im kommerziellen Sektor nachzukommen. Das Energy Service Agreement (ESA) ist ein beidseitiger Vertrag zwischen einem Eigentümer und einem Unternehmen zur Entwicklung, Arrangierung und Finanzierung energieeffizienter Sanierungsmaßnahmen. ESAs bieten eine klar definierte Struktur für die Investition von Fremdkapital in das Energiesparpotenzial eines Gebäudes und werfen durch die Energieersparnis eines Sanierungsprojekts einen an das Risiko angepassten Gewinn ab. Dabei werden die strukturellen Hindernisse kommerzieller Gebäudeeigentümer berücksichtigt. Der größte Vorteil dieses Modells liegt darin, dass ein Eigentümer kein Kapital vorschießen muss. Es handelt sich somit um ein effizientes Instrument für Eigentümer, denen bereits vorhandene rechnerische Schulden im Weg stehen. Gleichzeitig findet aber auch das Dilemma von Vermietern, die Investitionsausgaben haben, aber nicht von Betriebskostennachlässen profitieren, Berücksichtigung. Das Modell wirft noch einige Probleme auf, die es zu lösen gilt, wie z.B. die Standardisierung der Projektausgestaltung und -versicherung, die Klärung der Frage, inwieweit der Investor das Recht hat, Änderungen am Vertrag vorzunehmen, und ein vereinfachtes Vorgehen, mit dem ESA-Anbieter auf von der Regierung vergebene Aufträge mitbieten können. Der Markt wächst, so wie andere Märkte vor ihm, und es besteht nachweislich ein starkes Interesse von Seiten institutioneller Investoren im Eigenkapital- wie auch im Fremdkapitalbereich.

Die Deutsche Bank hat im Bereich Energieeffizienz ein hohes Maß an Kompetenz aufgebaut. So hat die Bank zum Beispiel CO2-Berechnungs- und Absicherungssysteme entwickelt, um unsere bankeigenen Bestrebungen nach mehr Energieeffizienz zu unterstützen. Auf diesem Weg haben wir kontinuierlich bereits fast 17 Millionen US-Dollar eingespart und eine Investitionsrendite von 20 Prozent erzielt. Dieses Know-how hat auch maßgeblich dazu beigetragen, dass wir damit beauftragt wurden, der Investmentmanager für den European Energy Efficiency Fund und für den KfW Global Climate Partnership Fund zu sein. Die DB Climate Change Advisors haben eine Studie veröffentlicht, in dem sie diese Finanzierungsmodelle untersuchen.

Investitionen in erneuerbare Energien und Infrastruktur

Ein schneller Atomausstieg erfordert Investitionen in flexible Grundlastkraftwerke (Gas), erneuerbare Energien, Versorgungsnetze und Energiespeichersysteme. Ein Großteil der Vorhaben stand auch vor Fukushima schon auf der Agenda – nun müssen sie umso intensiver gefördert werden. Bis Anfang des Jahres 2011 sind viele Investitionen daran gescheitert, dass der Staat bzw. die Wirtschaft nur unzureichende Anreize geboten haben und dass es zu wenig Unterstützung von Seiten der Politik gab. Zurzeit sind mehrere Initiativen damit beschäftigt, die Rahmenbedingungen für solche Investitionen zu verbessern. Die Planung und die folgenden Investitionen müssen jedoch noch besser koordiniert und weiterhin beschleunigt werden, damit die ehrgeizigen Ziele erreicht werden können, die die Regierung vorgegeben hat.

Eine kürzlich durchgeführte Studie von DLR, Fraunhofer IWES und IfnE kommt zu der Einschätzung, dass das Gesamtvolumen an Investitionen in erneuerbare Energien im Lauf der nächsten zwei Jahrzehnte durchschnittlich 17-19 Milliarden Euro jährlich betragen wird. Im Jahr 2050 wird das Investitionsvolumen voraussichtlich bei etwa 22 Milliarden Euro pro Jahr liegen. Hierbei ist mit einem erheblich verringerten Anteil von Photovoltaikanlagen und mit einem starken Anstieg des Windenergieanteils zu rechnen.

Es gilt, zeitnah flexible Kraftwerke zu bauen, um die Stabilität des Versorgungsnetzes und die Versorgungssicherheit zu verbessern. Angesichts der begrenzten Laufzeit solcher Kraftwerke stellt sich allerdings auch die Frage, ob Investoren bereit sein werden, derartige Projekte zu unterstützen. Hier könnten Regierungsanreize nötig sein. Zudem wird in Deutschland wie in Großbritannien diskutiert, einen Kapazitätsmarkt zu schaffen.

Eine besonders große Herausforderung liegt darin, die wachsenden Volumina von Solar- und Windenergie, die periodisch generiert werden, an den Verbrauch anzugleichen, um eine stabile Energieversorgung zu gewährleisten und Stromausfällen vorzubeugen. Energiespeicherung sorgt erwiesenermaßen dafür, dass mögliche akut anfallende Energieüberschüsse aufgefangen und dann zur Verfügung gestellt werden können, sobald sie benötigt werden. Analysen von DB Research kommen zu dem Ergebnis, dass die Nachfrage nach kurzfristiger Energiespeicherung im Jahr 2025 mindestens doppelt so stark sein könnte wie zurzeit und möglicherweise noch weiter wachsen wird. Allein in den kommenden beiden Jahrzehnten werden Kapitalinvestitionen von insgesamt etwa 30 Milliarden Euro erforderlich sein, um neue Energiespeicherungssysteme in Deutschland aufzubauen.

Eine effiziente Infrastruktur des Versorgungsnetzes ist die Voraussetzung dafür, dass die Einspeisung von erneuerbaren Energien in das Stromnetz beschleunigt werden kann. In diesem Zusammenhang hat die Bundesregierung beschlossen, die Planungsprozesse und insgesamt den Ausbau der Infrastruktur des Versorgungsnetzes zu verbessern. Letztendlich wird die gesamteuropäische Optimierung von Energieerzeugung und -verbrauch angestrebt. Für eine Optimierung über Staatsgrenzen hinweg muss ein wirklich gesamteuropäisches Supernetz auf- und ausgebaut werden, das Strom über weite Strecken leitet. Dank neuer Hochleistungsübertragungsnetze wird es möglich sein, zukünftig mehr bzw. neue Windenergiekapazitäten in Nordeuropa aufzubauen – vor allem in der Nordseeregion, aber auch im Baltikum. Eine weitere Voraussetzung ist der Bau intelligenter Stromnetze auf der Grundlage moderner Informations- und Kommunikationstechnologien. Dies ermöglicht ein Stromlastmanagement von der Verbraucherseite aus, bei dem der Strombedarf besser an das Angebot angepasst werden kann. Für deutsche Distributions- und Übertragungsstromnetze werden bis zum Jahr 2030 voraussichtlich zusätzliche Investitionen in Höhe von etwa 40 Milliarden Euro benötigt werden, für ganz Europa ist nach Schätzungen von Investitionen in Höhe von ca. 400-600 Milliarden Euro auszugehen.

Sofern die Rahmenbedingungen für Investitionen transparent, langfristig und sicher sind, bringt die Energiewende in Deutschland wie auch auf europäischer Ebene Geschäftschancen mit sich, die die Deutsche Bank zu nutzen wissen wird.

Das könnte Sie auch interessieren