News 18. März 2020

Ökonomen der Deutschen Bank erwarten "schwere Rezession" durch die Covid-19-Pandemie

Covid-19 ist zu einer Pandemie geworden und breitet sich weiter und schneller aus, als noch vor einigen Wochen erwartet. Inzwischen werden die negativen wirtschaftlichen Auswirkungen auf China deutlicher – uns sie übertreffen die ursprünglichen Prognosen bei weitem. Viele Länder ergreifen nun umfassende und drakonische Maßnahmen, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen. Gleichzeitig zeigen sich Anspannungen an den Kreditmärkten und eine drastische Verschärfung der finanziellen Bedingungen. All diese Faktoren haben die Ökonomen von Deutsche Bank Research veranlasst, ihre Wachstumsprognosen für die erste Jahreshälfte erheblich nach unten zu korrigieren.

Das Team unter Führung von Peter Hooper, Leiter der volkswirtschaftlichen Analyse weltweit, erwartet nun eine schwere globale Rezession im ersten Halbjahr 2020. In China dürfte die Wirtschaftsleistung (Bruttoinlandsprodukt, BIP) im ersten Quartal um etwa 32 Prozent zurückgehen. In anderen Regionen droht der Einbruch im zweiten Quartal – und zwar um 24 Prozent in der Eurozone und um 13 Prozent in den USA. Diese BIP-Einbußen in einzelnen Quartalen übertreffen alles, was zumindest seit dem Zweiten Weltkrieg zu verzeichnen war.

Diese Krise hat auch beispiellose wirtschaftspolitische Reaktionen hervorgerufen. Die US-Notenbank Federal Reserve und die Europäische Zentralbank, die ohnehin nur noch relativ wenig Spielraum hatten, haben ihre Mittel nach Meinung der Deutsche-Bank-Ökonomen bereits weitgehend ausgeschöpft. Die Fed hat die Zinssätze kurzfristig auf null gesenkt, und beide Notenbanken haben enorme Mengen an Liquidität in die Geld- und Kreditmärkte gesteckt, um eine weitere große Finanzkrise zu verhindern.

Die Geldpolitik könnte durch die Fiskalpolitik noch in den Schatten gestellt werden. Schließlich laufen in den USA ernsthafte Diskussionen über Konjunkturpakete in Höhe von sechs Prozent des Bruttoinlandsprodukts – zusätzlich zu den bereits beträchtlichen automatischen Stabilisatoren. In Europa wurden die Verschuldungsregeln faktisch ausgesetzt, und die Staats- und Regierungschefs verpflichten sich, so viel auszugeben, „wie auch immer nötig sein wird“.

Die Ökonomen verweisen aber darauf, dass alle Prognosen derzeit mit großer Unsicherheit verbunden sind. Denn für die aktuellen Ereignisse gibt es keine historischen Vorbilder. Auch wie sich das Virus entwickelt ist höchst ungewiss. Das Basisszenario der Deutsche-Bank-Volkswirte geht davon aus, dass die aktuellen Maßnahmen zur Eindämmung greifen – dass also die Epidemiekurven in der Eurozone und den USA bis Mitte des Jahres abflachen werden. Dann könnte sich das Wirtschaftsleben dort im dritten und vierten Quartal wieder erholen, auch dank der massiven politischen Reaktion. Diese Annahme einer V-förmigen Erholung beruht vor allem auf den Erfahrungen aus China: Dort gibt es klare Anzeichen dafür, dass sich die Wirtschaft schon bald wieder normalisiert.

Allerdings sind auch deutlich negativere Szenarien möglich. Das Virus könnte in den USA und der Eurozone schwieriger einzudämmen sein als in China. Der Stress an den Finanzmärkten könnte die Wirtschaft auch stärker und länger belasten als bislang erwartet. Aber die Ökonomen setzen auf die Entschlossenheit der Politik, das Notwendige zu tun, um die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen und die finanziellen Spannungen zu bekämpfen. Außerdem verweisen sie auf die relativ robuste Verfassung der Weltwirtschaft und des Bankensektors zu Beginn der Epidemie.

Kunden von Deutsche Bank Research finden den vollständigen Bericht auf unserem Research-Portal.

Wie hilfreich war der Artikel?

Wählen Sie Sterne aus, um eine Bewertung abzugeben

Erfolgreich